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PhiP im HV
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Selbstmedikation bei Schnupfen

Ist die Nase verstopft, führt der Weg häufig in die Apotheke. Warum abschwellende Nasensprays nicht bei jedem Schnupfen eine Option sind und welche Alternativen das OTC-Sortiment bei Schnupfen bereithält, verrät der 25. Teil der Campusserie »PhiP im HV«.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 10.01.2024  10:00 Uhr

Schnupfen im Rahmen einer Erkältung wird durch eine virale Infektion der Nasenschleimhaut, hauptsächlich mit Rhino- und Adenoviren, verursacht. Nasensprays oder -Tropfen mit α-Sympathomimetika wie Xylometazolin und Oxymetazolin lassen die Schleimhaut abschwellen und erleichtern die Nasenatmung. Die Kombination mit Dexpanthenol schützt die Schleimhaut vor Reizungen. Abschwellende Präparate sollten bei Bedarf und höchstens dreimal täglich gemäß den Produktangaben zur Einzeldosis angewendet werden.

Die empfohlene Anwendungsdauer ist auf sieben Tage begrenzt. Wer Nasenspray länger als eine Woche am Stück nutzt, riskiert eine Rhinitis medicamentosa. Menschen mit schweren Herz-Kreislauferkrankungen, Engwinkelglaukom und Prostataadenom sollten keine α-Sympathomimetika anwenden. Lokal wirksame Präparate erleichtern die Nasenatmung ähnlich effektiv wie systemisch wirksame, die zum Beispiel Pseudoephedrin enthalten, jedoch mit geringeren systemischen Nebenwirkungen. Zudem sind Letztere in Deutschland nur in Kombinationspräparaten verfügbar, meist mit ­einem Antihistaminikum und einem Antipyretikum. Diese Komplexmittel haben ein höheres Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.

Eine mildere Alternative für Kinder und Erwachsene zu abschwellenden Nasensprays sind hypertone Kochsalzlösungen. Wenn das Nasensekret im späteren Krankheitsverlauf zähflüssig wird, sind lokale ­α-Sympathomimetika nicht mehr empfehlenswert. In diesem Stadium empfehlen sich etwa isotonische Kochsalzlösungen, Meersalz-Nasenspülungen oder ätherische Öle. Achtung: Bei Säuglingen und Kleinkindern können menthol- und campherhaltige Zubereitungen lebensbedroh­liche Stimmritzenkrämpfe verursachen und sind daher kontraindiziert.

Rhinitis medicamentosa

Werden Nasensprays oder -tropfen mit α-Sympathomimetika länger als sieben Tage am Stück angewendet, droht ein Teufelskreislauf: Die Schleimhäute trocknen aus, woraufhin sie reflektorisch stärker durchblutet werden. Diese Nase schwillt erneut an und verleitet zum wiederholten Nasenspray-Gebrauch. In schlimmen Fällen droht zudem die sogenannte Stinknase mit einer degenerativen Entzündung der Nasenschleimhaut, die zu übler Geruchsbildung führt. Apothekenpersonal sollte Patienten, die auffallend häufig entsprechende Präparate wünschen, auf diesen Zusammenhang anzusprechen.

Zur Entwöhnung können Betroffene die Dosis schrittweise reduzieren: So können Erwachsene etwa zunächst auf die Kinder- beziehungsweise Säuglingsdosis und schließlich auf eine Salz­lösung umsteigen. Bei einer langwierig bestehenden Abhängigkeit hat sich die sogenannte Ein-Loch-Methode bewährt, bei der die Entwöhnung wie oben beschrieben zunächst nur in einem Nasenloch durchgeführt wird. War dies erfolgreich, wird die Prozedur im anderen Nasenloch wiederholt.

Chronischer trockener Schnupfen

Abzugrenzen vom Erkältungsschnupfen ist chronischer trockener Schnupfen (Rhinitis sicca) mit ausgeprägter Trockenheit, klumpigem Sekret und Juckreiz. Besonders betroffen sind starke Raucher und Menschen, die häufig Staub oder extremen Temperaturen ausgesetzt sind. Hier sind α-Sympathomimetika kontraindiziert. Stattdessen ist es wichtig, die Nasenschleimhaut feucht zu halten – etwa durch Nasensprays mit Hyaluronsäure, Hypromellose, ­Ectoin oder isotonischer Kochsalzlösung sowie pflegende Hydrogele oder Nasensalben.

Zubereitungen mit ätherischen Ölen (Myrtol, Cineol) regen die Sekretproduktion an. Zudem hilft Inhalieren, das Sekret zu verflüssigen. Nasen­duschen reinigt die Schleimhaut und fördert die Flimmer­aktivität. Dexpanthenol unterstützt die Regeneration der Schleimhaut. Nasenöle mit Sesam- oder Erdnussöl lösen Krusten und Borken, aber bei Säuglingen und Kleinkindern sind sie aufgrund einer möglichen Lipoidpneumonie kontraindiziert. Eine Rhinitis sicca kann auch eine Nebenwirkung von Arzneimitteln sein, etwa von Amitriptylin, Citalopram, Anticholinergika, ACE-Hemmern oder Betablockern.

Vasomotorische Rhinitis

Die vasomotorische Rhinitis ist ein saisonunabhängiger Schnupfen mit ständig laufender oder verstopfter Nase und Niesanfällen mit wässrigem Sekret. Die verstärkt durchblutete Nasenschleimhaut schwillt an und das Geruchsempfinden nimmt ab. Auslöser können etwa Stress, neurovegetative Fehlsteuerungen oder Staub sein. Therapiert werden kann die vasomotorische Rhinitis mit Azelastin- oder Glucocorticoid-haltigem Nasenspray sowie ­Nasenspülungen.

Grenzen der Selbstmedikation

In folgenden Fällen ist bei Schnupfen ein Arztbesuch indiziert:

  • chronischer Schnupfen mit Beschwerden länger als acht Wochen
  • bei akutem Schnupfen, wenn sich die Beschwerden nach zwei Wochen nicht verbessern oder sich verschlimmern
  • Fieber > 39°C, starkes Krankheitsgefühl
  • starke Kopf- und Gesichtsschmerzen, insbesondere beim Bücken (Verdacht auf Nasennebenhöhlen-Beteiligung)
  • blutiges, eitriges oder grün-gelblich verfärbtes Sekret
  • Verdacht auf Nasenspray-Abusus oder arzneimittelbedingten Schnupfen
  • wenn Neugeborene und Säuglinge an Schnupfen leiden

Besondere Patientengruppen

Schwangere und Stillende können topisches Xylometazolin und Oxymetazolin laut Embryotox, dem Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Berliner Charité, kurzzeitig anwenden. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es spezielle ­Dosiertropfer mit 0,01-prozentiger Oxymetazolin- oder 0,025-prozentiger Xylometazolin-Lösung. Da bereits über Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen und Apnoe bei Säuglingen selbst bei therapeutischer Dosierung berichtet wurde, ist die Anwendung topischer α-Sympathomimetika in der Selbstmedikation in dieser Altersgruppe umstritten. Ein Hersteller weist in der Fachinfo seines Präparats darauf hin, dass die Anwendung bei Kindern unter einem Jahr nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Das pharmazeutische Personal sollte bei der Abgabe auf die Gefahren und die korrekte Anwendung hinweisen.

Eine Alternative ist physiologische Kochsalzlösung zum Eintropfen in die Nase. Um flüssiges Sekret zu entfernen, stehen verschiedene Varianten von Nasensaugern zur Verfügung. Ältere Menschen leiden häufig unter einem chronisch wässrigen Schnupfen ohne Erkältung – möglicherweise bedingt durch degenerative Prozesse, zentralner­vöse Erkrankungen oder unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Diese sogenannte senile Rhinorrhoe ist zumeist ungefährlich. Es können dennoch Nasensprays mit einem Glucocorticoid oder Salzlösung versucht werden. Bei starken Beschwerden kann der Arzt ein Anticholinergikum verordnen.

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