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PhiP im HV

Selbstmedikation bei Obstipation

Plagt eine Verstopfung, suchen Betroffene häufig erst einmal Rat in der Apotheke. Dann gilt zu klären, ob wirklich eine Obstipation und ein Fall für die Selbstmedikation vorliegen. Der fünfte Teil der Serie »PhiP im HV« erklärt, worauf es in der Beratung zu Obstipation ankommt und welche Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Zusätzlich steht ein interaktives Arbeitsblatt für angehende Apotheker zur Verfügung.
Michelle Haß
26.03.2021  13:00 Uhr

Eine Verstopfung liegt bei Erwachsenen vor, wenn sie seltener als dreimal pro Woche Stuhlgang haben, der Stuhl eine harte Konsistenz aufweist und nur unter starkem Pressen abgesetzt werden kann und/oder Betroffene manuell nachhelfen müssen. Häufig gehen diese Beschwerden mit dem Gefühl der inkompletten Entleerung sowie Völlegefühl und leichten Bauchschmerzen einher.

Ursachen für eine akute Verstopfung können eine Ernährungsumstellung, mangelnde Bewegung oder auch Stress sein. Dauern die Beschwerden länger als drei Monate an, liegt eine chronische Obstipation vor. Betroffene sollten die Beschwerden unbedingt durch einen Arzt abklären lassen. In circa 80 Prozent der Fälle sind chronische Beschwerden auf eine dauerhafte Unterdrückung der Stuhlentleerung (Defäkation) zurückzuführen, wobei der Entleerungsreiz verloren geht. Die Defäkation wird sowohl vom vegetativen Nervensystem als auch willentlich gesteuert: Ist genügend Faeces im Rektum vorhanden, werden Dehnungsrezeptoren gereizt und die parasympathische Muskulatur des inneren Schließmuskels erschlafft. Doch eine vollständige Stuhlentleerung erfolgt nur, wenn auch der äußere Schließmuskel willentlich erschlafft, was durch das bewusste Aktivieren der Bauchpresse geschieht.

Wichtige Fragen in der Beratung

  • Wie lange liegt die letzte Stuhlentleerung zurück? Viele Betroffene sind bereits verunsichert, wenn der gewohnte Stuhlgang nur für einen Tag ausbleibt.
  • Wer leidet unter den Beschwerden? Bei Kindern kann die Stuhlfrequenz unter Umständen abweichen und nur ein- bis zweimal pro Woche betragen. Bei Säuglingen ist eine Frequenz von fünfmal pro Tag bis zu zwei Wochen ohne Stuhlgang normal.
  • Seit wann treten die Beschwerden auf? Chronische Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Unter Umständen sind sie die Folge einer behandlungsbedürftigen Erkrankung wie einer Hypothyreose, Parkinson oder einer chronischen Darmerkrankung.
  • Welche Begleitsymptome liegen vor? Treten gleichzeitig akute Beschwerden wie ein starkes Druckgefühl, starker Abdominalschmerz, Übelkeit oder Erbrechen auf, kann dies auf einen Darmverschluss (Ileus) hindeuten. Betroffene sollten sofort einen Arzt aufsuchen.
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein? Einige Medikamente können eine Verstopfung begünstigen, zum Beispiel: Opioide, Anticholinergika, Antidepressiva, Ca-Al-Antazida, Loperamid oder Eisensalze.
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