| Annette Rößler |
| 17.09.2026 12:00 Uhr |
Was wir essen, beeinflusst unsere Gesundheit unter anderem über epigenetische Effekte. Eine Supplementation von Mikronährstoffen kann deshalb wahrscheinlich auch über diese Schiene für die Gesundheit förderlich sein. / © Getty Images/GMVozd
Um den Einfluss der Mikronährstoffe auf die Epigenetik ging es bei einer Presseveranstaltung der Firma Orthomol auf der Expopharm in München. Professor Dr. Sascha Venturelli vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Hohenheim erklärte zunächst grundlegende Mechanismen der Epigenetik, die DNA-Methylierung und die Histon-Acetylierung.
»Der Mensch hat ungefähr 23.000 Gene. Diese relativ geringe Anzahl reicht aus, weil es eine übergeordnete Ordnung gibt, die bestimmt, welches Gen wie häufig abgelesen wird«, sagte Venturelli. Gene ließen sich stummschalten, indem Methylgruppen an bestimmten Stellen der DNA an diese gebunden werden. Das Gen ist dann zwar noch vorhanden, aber nicht mehr aktiv. Teilt sich die Zelle, werde das Methylierungsmuster von der Mutter- an die Tochterzellen weitergegeben. »Epigenetik beschreibt somit Änderungen der Genfunktion, die nicht auf einer Veränderung der DNA-Sequenz beruhen und dennoch an Tochterzellen weitergegeben werden können«, lieferte der Biologe und Mediziner eine Definition.
»Die DNA einer menschlichen Zelle hat eine Gesamtlänge von etwa zwei Metern«, sagte Venturelli. Damit sie überhaupt in den Zellkern passt, muss sie äußerst eng gepackt werden. Hierzu dienen die Histone, basische Proteine, um die die DNA herumgewickelt ist. »Das durch Histone komprimierte DNA-Molekül ist etwa 40.000-fach kompakter als die unverpackte DNA«, informierte der Referent. Soll die DNA abgelesen werden, muss diese enge Wicklung gelockert werden. Dies passiert etwa bei einer Acetylierung des Histons. »Eine Histon-Acetylierung bewirkt also eine Aktivierung der Genexpression des entsprechenden Genabschnitts.«
Ernährung, Stress, Sport und Alter: Diverse Faktoren beeinflussen die Epigenetik – wobei das Alter laut dem Experten wohl der wichtigste davon ist. »Die Epigenetik verändert sich zwangsläufig durch das Alter, aber wir haben es selbst in der Hand, was wir daraus machen.« Ein Mensch könne wohl nie 200 Jahre alt werden, »aber durch einen gesunden Lebensstil können wir länger gesund leben.«
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ernährung beziehungsweise die Versorgung mit Mikronährstoffen, wie Dr. Markus Burkard ausführte. Vitamine zeigten zahlreiche direkte und indirekte epigenetische Effekte, erklärte der Apotheker und Laborleiter an der Universität Hohenheim. So seien etwa Folsäure und Cobalamin (Vitamin B9 und Vitamin B12) wichtig für die DNA- und die Histon-Methylierung: »S-Adenosylmethionin (SAM), der wichtigste Methylgruppendonator im Körper, kann ohne Vitamin B12 nicht gebildet werden.« Ascorbinsäure (Vitamin C) werde dagegen für Demethylierungen gebraucht.
Folsäure (Folat) ist in zweifacher Hinsicht ein kritischer Mikronährstoff. Sie ist unter anderem in grünem Blattgemüse, Hefe und Leber enthalten – Lebensmittel, von denen viele Menschen keine ausreichenden Mengen verzehren, um ihren Bedarf zu decken. Zum anderen wird Folat im Körper erst durch das Enzym Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) in die Wirkform 5-Methyltetrahydrofolat umgewandelt. Aufgrund einer Genmutation ist die MTHFR bei vielen Menschen in ihrer Funktion eingeschränkt. »Etwa 40 Prozent der Bevölkerung sind heterozygot für einen MTHFR-Mangel und etwa 10 Prozent homozygot«, informierte Burkard. Eine Folat-Unterversorgung sei daher weit verbreitet.