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Impfen in der Apotheke
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Voilà la France!

Deutschland kann von Frankreich nicht nur lernen, dass Mittagessen kein kurzer Boxenstopp ist und Kreisverkehr mehr Sicherheit als Ampelkreuzungen bietet. Auch bein Impfen in der Apotheke sind die Apotheken Frankreichs uns um einiges voraus. Ein Blick ins Nachbarland lohnt sich.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 17.09.2026  08:00 Uhr

Auf der Messe Expopharm in München informierte Heike Gnekow aus der Adler Apotheke Hamburg in einer von der Firma GSK ausgerichteten Veranstaltung von den Impfangeboten in französischen Apotheken. Seit Mitte 2025 sind dort nahezu alle Standardimpfungen des nationalen französischen Impfkalenders ab einem Alter von elf Jahren in einer Apotheke möglich.

Gnekow: »99 Prozent der Apotheken Frankreichs bieten Impfungen an.« Im Vergleich dazu seien es in Deutschland bislang nur rund 12 Prozent aller Apotheken. Fast die Hälfte der impfenden Mitarbeiter in französischen Apotheken sind laut Gnekow die Pendants zu den PTA in Deutschland. Die Referentin betonte, dass es auch hierzulande wichtig sei, die PTA beim Impfen nun mit an Bord zu holen.

Zurück nach Frankreich: GSK hat 300 Apotheken, 300 Arztpraxen und 2000 Patienten zu ihren Erfahrungen rund um das Impfen in den Apotheken befragt. 92 Prozent der Apotheken berichteten von einer stärkeren Vertrauensbeziehung zu den Patienten, die dadurch entstanden sei. Gnekow, selbst Impfapothekerin, kann dies aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen und freut sich, dass sich Apotheken vom reinen Abgabeort zum Präventionsakteur wandeln und damit als Heilberufler sichtbarer werden. Die neue Apothekenreform ist für sie auch ein Booster fürs Impfen in den Apotheken. Denn zukünftig dürfen alle von der STIKO empfohlenen Totimpfstoffe für Erwachsene auch in Apotheken verimpft werden. Die entsprechenden Curricula werden derzeit entwickelt, so Gnekow.

Impflücken groß genug für alle

Die GSK-Untersuchung hat laut Gnekow auch gezeigt, dass die aktive Ansprache der Kunden in der Apotheke und das Angebot zur unmittelbaren Umsetzung erfolgversprechend sind. 60 Prozent der Angesprochenen folgten direkt der Impfempfehlung in der Apotheke. Zu den Personengruppen mit der höchsten Impfbereitschaft zählten Menschen ab 65 Jahren und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Eine weitere interessante Beobachtung in Frankreich: Nachdem die Impfaktivitäten in den Apotheken deutlich angestiegen sind, wurde plötzlich auch in Hausarztpraxen wieder mehr geimpft. »Man nimmt sich gegenseitig nichts weg, sondern beflügelt sich gegenseitig«, sagte Gnekow. Auch für Deutschland erhofft sie sich, dass Ärzte und Apotheken gemeinsam am Ziel arbeiten, die Impfquoten zu steigern.

Die Impfungen in den Apotheken seien eine wichtige Ergänzung zur ärztlichen Versorgung und keine Konkurrenz. Der Bedarf sei da, und als Beispiel nannte sie die Grippe- und die Gürtelroseimpfung. Nur rund ein Drittel der Über-60-Jährigen in Deutschland ist gegen Influenza geimpft, das WHO-Ziel von 75 Prozent wird damit deutlich verpasst. Noch größer ist die Impflücke bei der Herpes-zoster-Impfung. Bundesweit seien nur 24 Prozent derer geimpft, die als Risikogruppe gelten.

Dass mehr Apotheken impfen sollten, zeigt eine andere Befragung von GSK: Dieser zufolge haben 53 Prozent der Menschen in Deutschland Interesse am Impfen in der Apotheke. 81 Prozent derer, die bereits in der Apotheke geimpft wurden, würden es dort wieder tun.

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