| Jennifer Evans |
| 17.09.2026 07:00 Uhr |
PZ-Redakteurin Daniela Hüttemann (r.) moderierte den Talk zur Prävention. Mit dabei waren die Apothekerinnen Andrea Prochaska, Anike Oleski, Marcella Jung und Melanie Tilgner (v. l.). / © PZ/Alois Müller
Vielen Apotheken fällt es schwer, Prävention zu einem Wirtschaftsmodell zu machen. Das liegt unter anderem daran, dass »Prävention« als Wort so abstrakt klingt. Darin waren sich die Expertinnen bei der »PZ-Nachgefragt«-Diskussionsrunde einig. Detaillierter als auf dem Expopharm-Podium stellen sie ihre Impulse beim PZ-Management-Kongress vom 14. bis 16. April 2027 auf Mallorca vor.
Wichtig ist, die Apotheke nicht als Ort von Krankheit, sondern als Ort der Gesundheit im Kopf der Kundinnen und Kunden zu verankern, betonte Anike Oleski, Inhaberin der Medios Apotheken in Berlin. Nehme man sie außerhalb ihrer Krankheit wahr, mache man sie zu »Fans der Apotheke«. Damit erschließe man sich nicht nur neue Patientengruppen, sondern generiere auch neues Einkommen.
Auch Andrea Prochaska, Inhaberin der Sonnen-Apotheke in Mönchengladbach, versteht nicht, warum die Apothekerschaft Präventionsangeboten gegenüber »so pessimistisch« eingestellt ist. »Gekauft wird doch alles, was in Richtung Prävention oder Longevity geht.« Um Offizinen die Startsorgen zu nehmen, hält es Melanie Tilgner, Inhaberin der Vita Apotheke in Hamburg, für sinnvoll, das Thema in einzelne Bausteine aufzubrechen, wie Schlaf, Impfen, Mikronährstoffe oder Darm. Jeder könne sich seinen Schwerpunkt suchen.
Die Diskutantinnen warnten jedoch davor, im Vorfeld zu lange in den Planungen zu verharren. Sie rieten dazu, »einfach einmal loszulegen« und »Neues auszuprobieren« – auch wenn man dabei zunächst Fehler mache. Bei allen Vorhaben sollte man jedoch unbedingt von Anfang an seine Mitarbeitenden mit ins Boot holen. »Motivation entsteht durch Wissen«, so Unternehmensberaterin und Betriebswirtin Marcella Jung. Nur damit könne man sein Team mitnehmen. Mit bloßer Überredung komme man dagegen nicht weit.
Stets sollte bei allen Überlegungen der Mensch im Mittelpunkt stehen. »Jeder sollte so beraten, als ob es eine Person ist, die man mag«, so Oleski. Dem stimmte Prochaska zu. »Wir verkaufen nicht nur, wir kümmern uns.« Am Ende zahle diese Einstellung auf das Konto der Kundenbindung ein. »Sind die Menschen happy, rechnet sich das«, so Prochaska.
Allein aus wirtschaftlicher Perspektive rechne sich eine einzelne Dienstleistung nicht, stellte Jung klar. Aber sein Image neu zu erschaffen, zahle sich auf jeden Fall aus. »Das ist eine Investition in die Zukunft.« Sie hält es für weniger sinnvoll, zu viele pharmazeutische Dienstleistungen parallel anzubieten. Seriöser sei es, sich auf ein paar wenige Themen zu konzentrieren.