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Häufige Arzneistoffe
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Steckbrief Cyanocobalamin

Im Vergleich zu anderen Vitaminen fällt Cyanocobalamin (Vitamin B12) durch seine außergewöhnliche Struktur, einen Corrin-Ring mit zentralem Cobalt-Atom, aus dem Rahmen. Zudem wartet es mit vielfältigen Funktionen auf.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 22.07.2026  10:00 Uhr

Was ist Vitamin B12?

Cyanocobalamin (Vitamin B12) ist ein wasserlösliches B-Vitamin. Es ist wichtig für die Blutbildung und die Synthese von Myelin, das die Nervenfasern umkleidet. Außerdem ist es an der Synthese epithelialen Gewebes beteiligt, das alle äußeren und inneren Körperoberflächen bedeckt. Als Coenzym ist Cyanocobalamin zudem wichtiger Bestandteil des Fettsäure-, Kohlenhydrat- und Nukleinsäurestoffwechsels. Bei Letzterem beeinflusst das Vitamin insbesondere die Hämatopoese und andere Zellreifungsvorgänge.

Wie wird Vitamin B12 resorbiert und ausgeschieden?

Die Resorption von Vitamin B12 erfolgt überwiegend im Dünndarm, gebunden an den im Magen gebildeten Intrinsic-Faktor. Bei hohen oralen Dosierungen ist auch eine passive Diffusion über den Magen-Darm-Trakt oder Schleimhäute möglich. Gespeichert wird Vitamin B12 vorrangig in der Leber, aber auch in Knochenmark, Nieren und Nebennieren. Es wird überwiegend über die Galle ausgeschieden und nahezu vollständig über einen enterohepatischen Kreislauf rückresorbiert. Wird die Bindungs- und Speicherkapazität durch hoch dosierte, parenterale Zufuhr überschritten, wird der nicht gespeicherte Anteil von Cyanocobalamin mit dem Urin ausgeschieden. Daher kann bei schwerer Nierenfunktionsstörung eine Dosisreduktion erforderlich sein.

Wie hoch ist der tägliche Bedarf an Vitamin B12?

Der tägliche Bedarf an Vitamin B12 für gesunde Erwachsene beträgt 2 bis 3 µg, die perorale Resorption liegt bei etwa 1 bis 3 Prozent. Vitamin B12 kommt fast nur in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milch vor. Deshalb sind langjährig vegan oder vegetarisch lebende Menschen besonders gefährdet, einen Vitamin-B12-Mangel zu entwickeln. Wird einem gesunden Organismus jegliche Vitamin-B12-Zufuhr entzogen, dauert es drei bis fünf Jahre, bis ein Mangelzustand eintritt.

Außer durch unzureichende Zufuhr kann ein Mangel auch durch Resorptionsstörungen verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise ein Mangel an Intrinsic-Faktor (perniziöse Anämie), Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, angeborene B12-Transportstörungen, Alkoholmissbrauch sowie die langjährige Einnahme bestimmter Arzneimittel wie Metformin oder Protonenpumpeninhibitoren.

Was sind die Einsatzgebiete von Vitamin B12?

Durch eine Substitution von Cyanocobalamin sollen Mangelzustände ausgeglichen werden. Daneben kann Cyanocobalamin auch vorbeugend eingesetzt werden, wenn ein erhöhtes Risiko für einen Mangel besteht.

Welche Symptome verursacht ein Vitamin-B12-Mangel?

Ein Vitamin-B12-Mangel kann Störungen der Blutbildung (megaloblastische Anämie) und – bei ausgeprägtem Mangel – neurologische Symptome wie eine Polyneuropathie verursachen. Viele klinische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels sind unspezifisch, etwa Müdigkeit und Blässe, Kribbeln in Händen und Füßen, Gangunsicherheit und eine verminderte körperliche Belastbarkeit.

Wie wird Vitamin B12 dosiert?

Die Behandlung eines Vitamin-B12-Mangels erfolgt zunächst mit 1000 bis 3000 µg Cyanocobalamin pro Woche parenteral, gefolgt von einer individuell angepassten oralen oder parenteralen Erhaltungstherapie. Die normale orale Erhaltungstherapie liegt bei Dosierungen von 2,6 bis 10,4 µg täglich (Kinder: 5,2 µg täglich). Bei neurologischer Symptomatik werden 1000 bis 2000 µg täglich verabreicht. Auch bei einem ernährungsbedingten Vitamin-B12-Mangel wird mit 1000 µg Cyanocobalamin täglich oral therapiert. Eine parenterale Erhaltung mit 100 µg einmal monatlich wird bei nachgewiesener Aufnahmestörung im Darm eingesetzt. Die Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt kann je nach Beschwerdebild zwischen acht Stunden (megaloblastische Anämie) und 14 Tagen (Neutropenie) liegen.

Welche Nebenwirkungen kann Vitamin B12 haben?

Vitamin B12 ist in der Regel gut verträglich. Gelegentlich kann es zu allergischen Reaktionen bis hin zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen (wie Hautausschlag, Juckreiz, Angioödem oder Anaphylaxie) kommen. Zudem können Hautreaktionen (akneähnliche Veränderungen, Blasenbildung oder eine Kontaktdermatitis bei Kobaltallergie), Fieber, Schmerzen an der Injektionsstelle oder eine rötliche Verfärbung des Urins auftreten.

Welche Wechselwirkungen sind zu beachten?

Die Resorption von Cyanocobalamin wird durch Alkohol gehemmt. H2-Rezeptorblocker, Protonenpumpenhemmer, Aminosalicylate und Metformin beeinträchtigen ebenfalls die Aufnahme von Vitamin B12.

Welche Dosierungsempfehlungen gelten in Schwangerschaft und Stillzeit?

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 in der Schwangerschaft und Stillzeit ist sehr wichtig und vor allem bei Frauen relevant, die vegan leben. Bei Frauen mit einem Vitamin-B12-Mangel während der Schwangerschaft zeigte sich ein Zusammenhang mit erhöhten Raten an Neuralrohrdefekten, Gaumenspalten, Frühgeburten, Aborten und Präeklampsie. Die empfohlene tägliche Vitamin-B12-Zufuhr in der Schwangerschaft beträgt 4,5 µg. In der Stillzeit werden täglich 5 µg Vitamin B12 empfohlen.

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