Viele Tabletten und Kapseln sind für ältere Menschen einfach zu groß. Das Medikament zu teilen ist nicht immer die beste Lösung. / © Shutterstock/Photobac
Viele Medikamente werden in Form von Tabletten oder anderen festen Arzneiformen verabreicht, die nicht immer leicht zu schlucken sind. Dies gilt insbesondere für bestimmte Patientengruppen wie Kinder, Menschen mit Xerostomie (Mundtrockenheit), Dysphagie (Schluckbeschwerden), geistiger Behinderung oder verminderter kognitiver Reserve. Laut einer Studie berichten etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten, dass sie ihre Tabletten teilen oder zermörsern beziehungsweise Kapseln öffnen, um diese besser schlucken zu können oder um die Dosis anzupassen (1). Ein weiterer häufiger Grund für das Teilen von Tabletten sind mögliche Einspareffekt (2). Tabletten werden aber auch geteilt oder gemörsert, um sie über eine Sonde verabreichen zu können. Dies gilt ebenso für das Öffnen von Kapseln.
Die Manipulation fester oraler Darreichungsformen mag praktisch sein, birgt aber Risiken und Herausforderungen. Längst nicht alle Arzneiformen darf man teilen, öffnen oder »zertrümmern«. Auf welche Patientengruppen und auf welche technologischen Probleme sollten Apothekenteams achten und welche Lösungen können sie in der Beratung anbieten?
Das Europäische Arzneibuch definiert Tabletten als feste Arzneizubereitungen, die eine Einzeldosis eines oder mehrerer Wirkstoffe enthalten (3). Auch wenn die Wirkstoffeinzeldosis in der Definition explizit herausgestellt wird, so beschreibt die Monographie auch das Teilen: »Tabletten können eine oder mehrere Bruchkerben tragen, sodass die Tabletten geteilt werden können, entweder um das Einnehmen des Arzneimittels zu erleichtern oder um geteilte Dosen zu erhalten.«
Für eine erleichterte Einnahme kennt die Monographie auch Tablettenformen wie Brausetabletten, Tabletten zur Herstellung einer Lösung oder Suspension, Schmelz- oder Kautabletten. Wenn die Teilung eine Dosisanpassung ermöglichen soll, muss die Eignung der Bruchkerbe zur gleichförmigen Teilbarkeit bereits während der Produktentwicklung durch Bestimmung der Gleichförmigkeit der Masse der Bruchstücke nachgewiesen werden.
Auch wenn sich das Arzneibuch zur Teilbarkeit von Tabletten äußert, ist es wichtig festzuhalten, dass das Vorhandensein einer Bruchkerbe keine Aussage darüber macht, ob und wenn ja zu welchem Zweck eine Tablette teilbar ist. So können »Bruchkerben« dazu dienen, Tabletten in gleiche Dosen zu teilen, das Schlucken der Arzneiform zu erleichtern oder ohne funktionalen Zweck nur als »Schmuckkerbe« zu wirken.