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Tabletten teilen
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Herausforderungen beim Teilen und Zerkleinern von festen oralen Arzneiformen: ein Überblick über die Problematik bei verschiedenen Patientengruppen.
AutorKontaktKlaus Langer
AutorKontaktIsabell Waltering
Datum 21.06.2026  08:00 Uhr

Ist die Arzneiform auch mörserbar?

Für eine Applikation des Medikaments über eine Sonde ist neben deren Lage (Magen- oder Dünndarmsonde) die Frage nach der Mörserbarkeit oder Suspendierbarkeit besonders wichtig. Bei einer Magensonde ist das saure Magenmilieu zu berücksichtigen, was eine Gabe von zerteilten magensaftresistenten Arzneiformen mit säurelabilen Arzneistoffen ausschließt.

Trotzdem ist es durchaus möglich, einige dieser Tabletten oder Kapseln zumindest zu suspendieren. Geeignet sind hier MUT- oder MUPS-Tabletten (MUT: Multiple Unit Tablets; MUPS: Multiple Unit Pellet Systems), die man zerfallen lassen kann. Dabei dürfen die Pellets nicht zerstört werden. Es gibt auch Kapseln, die geöffnet werden können und deren Inhalt ebenfalls aus entsprechenden Pellets besteht (Beispiel: Ferrosanol duodenal).

Unter Umständen sind die so entstandenen Suspensionen nicht sehr stabil und können zum Beispiel lichtempfindlich sein. Daher müssen sie unmittelbar nach dem Suspendieren verabreicht werden.

Es ist nicht immer einfach, die passenden Informationen zur Mörser- und Suspendierbarkeit zu finden. Sowohl in der Gelben Liste als auch im Plus X-Modul der ABDA-Datenbank findet man dazu eine Symbolik, an der man sich orientieren kann (Grafik 1), und es sind über die Identa-Einträge der Datenbank weiterführende Informationen verfügbar, welcher Sondendurchmesser, zum Beispiel 6,5 Charrière, für die Applikation geeignet ist. Weitere Informationen zur Sondengabe findet man in der Literatur (14, 15).

Häufig betroffene Patientengruppen

Schlucken ist ein hochkomplexer sensomotorischer Vorgang. Daran sind mehr als 30 Muskeln beteiligt, damit Nahrung und Flüssigkeiten transportiert und gleichzeitig die Atemwege vor Aspiration geschützt werden. Das Schlucken von Tabletten oder Kapseln entspricht keinem physiologischen Nahrungsbolus, da nicht gekaut wird und keine Speichelbeimischung und aktive Formung im Mund stattfinden. Ebenso fehlen Geschmack, Temperatur und Textur weitgehend und der Patient muss den Kaureflex bewusst unterdrücken.

Generell hat fast die Hälfte der Bevölkerung Schluckprobleme (16). Dabei gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen tatsächlicher und antizipierter Schluckfähigkeit, die aus Angst, Erwartungshaltung und früheren unangenehmen Würgeereignissen resultiert (17, 18).

Generell zeigen Studien, dass die Schluckprobleme den Verordnern zum größten Teil nicht bekannt waren (18). Frauen sind eher betroffen als Männer und interessanterweise jüngere eher als ältere Personen.

70 Prozent der Kinder unter sechs Jahren haben Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten. Studien zeigen, dass etwa 40 Prozent der soliden oralen Formulierungen zum besseren Schlucken manipuliert werden, von denen ein großer Teil nicht hätte verändert werden dürfen (19, 20). Aber auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, einer geistigen Behinderung und Dysphagie (Schluckstörung) haben oft Probleme mit festen Arzneiformen.

Speziell bei Personen mit geistiger Behinderung und intellektuellen Einschränkungen findet sich eine »explosive Mischung« von Schluckproblemen, ausgelöst durch Arzneimittel, Polymedikation, Ernährung über eine Sonde und intellektuelle Probleme, komplexen Anweisungen zu folgen. Bei dieser Gruppe werden auffällig häufig Psychopharmaka einsetzt; bis zu 40 Prozent der Patienten, sowohl Kinder als auch Erwachsene, wurden mit Antipsychotika, selektiven Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern und trizyklischen Antidepressiva behandelt (21).

Häufige Nebenwirkungen dieser Arzneistoffklassen sind extrapyramidal-motorische Störungen und Mundtrockenheit, die alle zu Schluckstörungen führen können (22). Daraus resultieren oft Teilung oder Mörsern von Tabletten, um das Schlucken zu erleichtern, meist aber unsachgemäß mit einem Risiko für Nebenwirkungen (18).

Oft sind die Medikamentenregime zu komplex oder Anweisungen zur Anwendung zu kompliziert, sodass bei einer Medikationsanalyse Einnahmeschemata vereinfacht oder einfacher einzunehmende Arzneiformen wie kleinere Tabletten, Sublingualtabletten oder Säfte identifiziert und eingesetzt werden können. Generell findet diese Patientengruppe noch zu wenig Aufmerksamkeit (21, 23).

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