| Lukas Brockfeld |
| 19.06.2026 17:00 Uhr |
Herbert Reul bei der Innenministerkonferenz. / © Imago/Chris Emil Janßen
Immer wieder kommt es im Gesundheitswesen zu Gewalt. Im Jahr 2025 zeigte eine im Auftrag der PZ durchgeführte Umfrage, dass 56,3 Prozent der 2480 befragten Beschäftigten in Apotheken schon einmal von Kunden verbal oder körperlich angegriffen wurden. Fast zwei Drittel der Befragten (62,6 Prozent) finden, dass Beschimpfungen in Apotheken in den vergangenen 5 Jahren zugenommen haben.
Auch andere Heilberufler werden zur Zielscheibe. Gerade in Pflege- und Betreuungsberufen kommt es häufig zu Übergriffen. In einer Studie aus dem Jahr 2021 berichten 67,1 Prozent der Befragten von mindestens einem Vorkommnis verbaler sexueller Belästigung und Gewalt in den vergangenen 12 Monaten.
Doch diese Zahlen basieren auf Befragungen; aktuell wird Gewalt in Gesundheitsberufen nicht gesondert in der Kriminalitätsstatistik erfasst. Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU), möchte das ändern. Daher hat er auf der aktuell in Hamburg stattfindenden Innenministerkonferenz einen entsprechenden Beschlussentwurf eingebracht.
»Die Angriffe auf Beschäftigte in Arztpraxen oder Krankenhäusern nehmen zu. Aggressionen von Patienten und ihren Angehörigen beschränken sich nicht mehr nur auf Sanitäter. Das war der Anfang, darüber wurde breit debattiert. Mittlerweile ist das Problem größer geworden. Das will ich in Zahlen abbilden«, erklärte Reul in einem Interview mit der Rheinischen Post (RP).
Reul betont, dass es in der Gesellschaft dringend ein Bewusstsein dafür bräuchte, wie groß das Problem ist. »Es ist doch Wahnsinn, wenn ein Clan-Mitglied nach einem Angriff im Milieu im Krankenhaus stirbt und dann andere Clan-Mitglieder den Laden auseinandernehmen. Das geht so nicht, das darf niemand ignorieren«, sagte der Innenminister zur RP.
Im Gesundheitswesen gibt es viel Unterstützung für den Vorstoß des NRW-Innenministers. Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) begrüßt den Plan ausdrücklich. Gleichzeitig ruft die KBV Ärzte und Psychotherapeuten dazu auf, Gewalttaten und andere Übergriffe zur Anzeige zu bringen, da sie nur so in der Kriminalstatistik auftauchen können.