Acoramidis ist ein neu entwickelter »near-complete stabilizer« des Transthyretin-Tetramers, der 2025 zugelassen wurde. Im Vergleich zu Tafamidis hat Acoramidis eine noch höhere Bindungsaffinität an den Thyroxin-Bindungsstellen des Tetramers. Dadurch bewirkt es eine stärkere und nahezu vollständige Stabilisierung des Transthyretin-Proteins, wodurch der pathologische Dissoziationsprozess zu Monomeren noch effektiver unterdrückt wird (33). Dies wurde sowohl für das Wildtyp-Transthyretin als auch die mutierten Varianten gezeigt.
Acoramidis steht daher – wie Tafamidis – für die Therapie der Wildtyp- und der hereditären ATTR-Amyloidose mit Kardiomyopathie zur Verfügung.
Eine orale Therapie ist für die Patienten meist vorteilhaft. Transthyretin-Stabilisatoren sind peroral bioverfügbar. / © Imago/YAY Images
Die Zulassung basiert auf den sehr vielversprechenden Ergebnissen der Phase-III-Studie ATTRibute-CM (34). Unter Acoramidis nahmen sowohl die Gesamtmortalität als auch die kardiovaskulär bedingte Mortalität ab, was zu einer klinisch bedeutsamen Verlängerung der Überlebenszeit führte. Das Risiko für den kombinierten Endpunkt aus Gesamtmortalität oder erstem kardiovaskulären Krankenhausaufenthalt nach 30 Monaten nahm im Vergleich zu Placebo um 35,5 Prozent ab, die Rate kardiovaskulärer Hospitalisierungen um etwa 50 Prozent (signifikant). Positive Effekte zeigten sich bereits in den ersten drei Monaten.
Aufgrund der besonders starken Tetramerstabilisierung erscheint Acoramidis pharmakologisch potenter als Tafamidis. Ob es langfristig klinisch überlegen ist, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen, da bislang keine direkte Vergleichsstudie zwischen den Wirkstoffen vorliegt.
Neu hinzugekommen ist im November 2025 ein weiterer Transthyretin-Stabilisator, der das therapeutische Spektrum zur Behandlung der neuropathischen Manifestationen erweitert. Diflunisal bietet eine zusätzliche orale Option zur Behandlung von Patienten mit Polyneuropathie im Stadium 1 oder 2 infolge einer hereditären ATTR-Amyloidose. Im Stadium 2 besteht bereits eine deutlich fortgeschrittene Polyneuropathie mit eingeschränkter Gehfähigkeit (35). Damit ist nun auch für dieses Stadium eine orale Therapie mit einem Transthyretin-Stabilisator möglich.
Diflunisal ist ein Difluorphenyl-Derivat der Salicylsäure und ein altbekannter Wirkstoff aus der Gruppe der nicht steroidalen Antiphlogistika. In Europa war er mehrere Jahre lang als Antirheumatikum verfügbar, bevor er aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt genommen wurde. Diflunisal hemmt nicht nur die Cyclooxygenase, sondern bindet auch an die Thyroxin-Bindungstasche von Transthyretin, allerdings schwächer als Acoramidis und Tafamidis, und fördert die Tetramerstabilisierung (36).
Patienten sollten zweimal täglich eine Filmtablette à 250 mg einnehmen, am besten zu den Mahlzeiten, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu verringern.
Aus der Hemmung der Cyclooxygenase leiten sich auch die Kontraindikationen ab: aktive gastrointestinale Blutungen, schwere Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber, schweres kardiales Versagen sowie das dritte Schwangerschaftsdrittel und die Stillzeit.
Die Grundlage für die Zulassung war eine Phase-III-Studie mit 130 Patienten mit hereditärer ATTR-Amyloidose (37). Der primäre Endpunkt war die Veränderung des Neuropathy Impairment Score, eines etablierten Scores zur Erfassung neurologischer Defizite bei Polyneuropathien. Dabei zeigte sich unter Diflunisal nach 24 Monaten eine signifikant langsamere Progression der neurologischen Verschlechterung. Allerdings hatte mehr als die Hälfte der Patienten die Behandlung abgebrochen.