Die Leichtketten-(AL-)Amyloidose entsteht bei einer klonalen Erkrankung von Antikörper-produzierenden Plasmazellen (5). Dabei produzieren entartete Plasmazellen vermehrt monoklonale Immunglobulin-Leichtketten, die nicht zu vollständigen Antikörpern zusammengesetzt, sondern in freier Form von den Plasmazellen sezerniert werden. Die Leichtketten oder deren Fragmente sind strukturell instabil und neigen zu Fehlfaltungen, die sich als β-Faltblatt-reiche Amyloidfibrillen in verschiedenen Geweben ablagern.
Meist liegt als Grunderkrankung eine monoklonale Gammopathie oder ein multiples Myelom vor. Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) ist eine gutartige Vorstufe einer Plasmazellerkrankung und häufig ein Zufallsbefund bei routinemäßigen Blutuntersuchungen. Sie wird bei etwa 3 bis 5 Prozent der Personen über 50 Jahren nachgewiesen. Das multiple Myelom hingegen ist eine maligne Erkrankung, die durch eine ausgeprägte klonale Expansion entarteter Plasmazellen im Knochenmark charakterisiert ist.
Das Risiko, eine AL-Amyloidose zu entwickeln, beträgt sowohl bei MGUS als auch beim multiplen Myelom etwa 1 Prozent (6).
| Charakteristika | Amyloidosetyp | |||
|---|---|---|---|---|
| Leichtketten-Amyloidose (AL) | Serum-Amyloid-A-Amyloidose (AA) | Wildtyp-Transthyretin-Amyloidose (ATTRwt) | Hereditäre Transthyretin-Amyloidose (ATTRv) | |
| Vorläuferprotein | monoklonale freie Leichtketten | Serum-Amyloid A | Wildtyp-Transthyretin | mutiertes Transthyretin |
| Organmanifestationen | ||||
| Herz | ++++ | – | ++++ | +++ |
| Niere | ++++ | ++++ | – | + |
| Leber | ++ | + | – | – |
| Gastrointestinaltrakt | ++ | ++ | + | + |
| Nervensystem | +++ | – | ++ | +++ |
| Weichteilgewebe | ++ | – | – | – |
| Besonderheiten | ||||
| Karpaltunnelsyndrom als frühes Anzeichen | ja | nein | ja | nein |
Zusätzlich zur Ablagerung des Amyloids im Myokard wird auch eine direkte zelltoxische Wirkung der freien Leichtketten in Kardiomyozyten diskutiert. Kardial manifestiert sich die Erkrankung typischerweise als Herzinsuffizienz mit Dyspnoe und peripheren Ödemen. Häufig findet sich eine linksventrikuläre Wandverdickung, begleitet von Arrhythmien. Auffällig ist, dass Patienten Betablocker und ACE-Hemmer oft schlecht tolerieren.
Bei renaler Beteiligung kommt es häufig zum nephrotischen Syndrom mit ausgeprägter Proteinurie bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz. Neurologisch treten sowohl periphere sensomotorische Polyneuropathien als auch autonome Dysfunktionen auf, die sich in einer gestörten gastrointestinalen Motilität und Blasenfunktion äußern können. Die Ablagerung von Amyloid in der Leber kann Lebervolumen und Lebersteifigkeit erhöhen (7).
Insgesamt ist das Krankheitsbild unspezifisch und schleichend, was eine frühe Diagnose erschwert. Typische Symptome können Ödeme, Dyspnoe und Sensibilitätsstörungen sein. Ein Karpaltunnelsyndrom kann ein frühes Warnzeichen sein. Denn durch lokale Amyloidablagerungen im Karpaltunnelgewebe kann es zu einer Einengung des Medianusnervs im Handgelenk kommen, was zu den typischen Sensibilitätsstörungen und Schmerzen in der Hand führt (8).