| Melanie Höhn |
| 18.09.2026 09:00 Uhr |
Diskutierten darüber, was die Apotheke vor Ort für die Lipödem-Versorgung leisten kann (v.l.): Moderatorin Nicole Lauscher (Wort & Bild Verlag), Dr. Meike Finkenrath (Hospital zum Heiligen Geist), Beate Wenzel-Leisgang (FMT Medizintechnik), Uta Hauptmann (Rondell Apotheke München) die Betroffene Claudia Götzinger. / © PZ/Melanie Höhn
Jahrzehntelang musste Claudia Götzinger ohne Diagnose leben – und mit vielen Schmerzen. Nur durch einen kleinen Zufall erfuhr sie von ihrer Krankheit Lipödem. Schätzungen zufolge ist etwa jede zehnte Frau von der chronischen und schmerzhaften Fettverteilungsstörung betroffen.
Die Gründerin der Lipödem-Selbsthilfegruppe in Olching sollte wegen ihrer Krampfadern operiert werden, ganz beiläufig schrieb der behandelnde Arzt damals das Wort »Lipödem« auf ein Bild ihrer Körperskizze neben die Operationsmarkierungen, »ohne es näher zu erklären«, erinnert sie sich. Daraufhin begann sie, weiter zu recherchieren und suchte insgesamt acht Ärztinnen und Ärzte auf, bis sie schlussendlich ihre Diagnose erhielt. Trotzdem ist die Krankheit für Claudia Götzinger eine Lebensaufgabe, erzählte sie auf der Expopharm.
Die Apotheke vor Ort könne bei diesem Thema eine wichtige Rolle spielen, weil dort häufig schon ein vertrautes Verhältnis zwischen Patientinnen und dem Personal bestehe. »Betroffenen Frauen ist es peinlich, dass sie dieses Problem haben. Da muss man ganz sensibel sein, weil viele ganz traumatische Erfahrungen hinter sich haben«, sagte sie gegenüber der PZ. »Ich wünsche mir, dass sie viel schneller Hilfe bekommen und dass vielleicht jemand erkennt, dass sie überhaupt ein Problem haben.« Ihre Zukunftsvision sei ein Netzwerk aus Apotheken, Ärzteschaft und Physiotherapeuten, um Betroffene durch deren Zusammenarbeit besser zu unterstützen.
Auch Meike Finkenrath, Chefärztin Dermato- & Venenchirurgie im Hospital zum Heiligen Geist in Kempen, sieht das große Potenzial der Vor-Ort-Apotheke für Lipödem-Betroffene: Die Apotheke habe die Chance, erste Anlaufstelle für Patientinnen zu sein, um Beschwerden wahrzunehmen, frühzeitig zu erkennen und die Betroffenen gezielt weiterzuvermitteln. Dabei seien Aufklärung, Schulung und eine gute Vernetzung besonders wichtig.
Für die Apothekerin Uta Hauptmann ist es vor allem die Lotsenfunktion der Vor-Ort-Apotheke, die entscheidend ist, um Kontakte herzustellen und andere Bereiche für eine bestmögliche Versorgung mit ins Boot zu holen. Leider werde das Thema Lipödem derzeit noch zu stiefmütterlich behandelt. Wichtig sei für sie, dass dieses Thema aus der Tabuzone herausgeholt werde.
Beate Wenzel-Leisgang, Geschäftsleitung der Firma FMT Medizintechnik, die unter anderem Manschetten für die apparative intermittierende Kompression (AIK) herstellt, betonte die Lotsenfunktion der Apotheken bei diesem Thema. Sie wies darauf hin, dass die Apothekenteams dahingehend sensibilisiert werden müssten. »Ich wünsche mir, dass die Apotheke das Thema Kompression in den Fokus nimmt, das ist in der Apotheke gut angesiedelt«, sagte sie. Das zugewandte Beraten sei ein Mehrwert, den Kundinnen spüren und ein Standortvorteil gegenüber Online-Versandapotheken sei.