| Jennifer Evans |
| 18.09.2026 09:00 Uhr |
Die Apothekerinnen Tatjana Buck, Anike Oleski und Iris Blaschke diskutierten mit Florian Giermann darüber, wie sie sich selbst leistungsfähig halten. / © PZ/Alois Müller
Die Verantwortung, eine Apotheke zu leiten, ist groß. Wer langfristig gesund und leistungsfähig bleiben will, braucht Strategien zur Regeneration. Drei Apothekerinnen erzählen in einer Diskussionsrunde, wie sie trotz hoher Belastung Selbstfürsorge in ihren Alltag integrieren.
Anike Oleski, Inhaberin der Medios Apotheken in Berlin, hat inzwischen Schlaf zu ihrer obersten Priorität gemacht. Sie riet dazu, wieder stärker auf das eigene Bauchgefühl zu hören und Hilfe anzunehmen – auch wenn sie selbst dies anfangs Überwindung gekostet habe. Kleine Momente bewusst wahrzunehmen, habe ihren Blick verändert. Mittlerweile setzt sie sich jedes Jahr Ziele, damit Tage, Wochen und Monate nicht einfach vorbeirauschen.
Für Iris Blaschke, Leiterin der Hartmann-Apotheken in Gilching, hat sich Konsequenz gegenüber sich selbst bewährt. Dazu gehört auch, wenn nötig, Nein zu sagen. Gleichzeitig plädiert sie dafür, sich selbst öfter zu feiern, anstatt permanent durchzupowern. Entlastend sei für sie, sich nicht rechtfertigen zu müssen, wenn sie eine kurze Auszeit braucht. Aber dass dies Frauen im Gegensatz zu Männern oft als Schwäche ausgelegt werde, bedauere sie.
Vom Perfektionismusdruck hat sich Tatjana Buck, Vorstandsmitglied der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, verabschiedet. Sie schafft sich im Alltag bewusst kleine Inseln zur Regeneration. »Wir planen im Apothekenalltag alles, aber unsere eigene Zeit nicht.« Häufig reflektiert sie auch ihr eigenes Verhalten und fragt sich: »Was will ich morgen nicht mehr machen, erleben oder fühlen?« Wer sein Handeln an diesen Fragen orientiere, sei auf einem guten Weg, ist sie überzeugt. Bewusstsein schaffe schließlich Veränderung. Auch ihr Mindset hat sie gewandelt: Nicht in der Apotheke zu sein, bedeute nicht, nicht zu arbeiten.
Buck hob hervor, wie wichtig es als Chefin ist, Selbstfürsorge vorzuleben. Nur so könnten ihre Mitarbeitenden Prävention auch glaubwürdig an Kundinnen und Kunden vermitteln. »Das Team darf mitwachsen«, sagte sie.
Auch Oleski spricht regelmäßig mit ihrem Team über das Thema Selbstfürsorge, organisiert sogar Workshops. Sie kommuniziert nach eigenen Angaben offen, wenn sie überlastet ist und sich einmal ausklinken muss.
Blaschkes Team ist inzwischen so sensibilisiert, dass es die Chefin selbst nach Hause schickt, erzählt sie schmunzelnd. In Feedback-Gesprächen erfragt sie von ihren Mitarbeitenden ebenfalls gezielt, was sie im Arbeitsalltag stärkt – und was sie ausbremst.