| Lukas Brockfeld |
| 17.09.2026 16:20 Uhr |
Alexander Müller, Florian Fuhrmann, Ina Lucas und Pia Wülfing (v.l.) sprachen über die Chancen des elektronischen Medikationsplans. / © PZ/Alois Müller
Aktuell enthält die elektronische Patientenakte (ePA) nur eine elektronische Medikationsliste (eML), die lediglich die Daten aus dem E-Rezept spiegelt. Doch in diesen Wochen läuft die Erprobung des elektronischen Medikationsplans (eMP), der von Apothekern und Ärzten aktiv bearbeitet werden kann und deutlich umfassendere Informationen enthält. Ab Dezember soll der eMP in ganz Deutschland an den Start gehen.
Der eMP könnte die Arzneimitteltherapiesicherheit deutlich verbessern. Wie das genau gelingen kann, wurde unter dem Motto »PZ Nachgefragt: eMP – mehr als Medikationsplan: Wie die Apotheke vor Ort zum digitalen Versorgungspartner wird« auf der Expopharm in München diskutiert. Dafür waren Florian Fuhrmann (Geschäftsführer der Gematik), Ina Lucas (ABDA-Vizepräsidentin) und Pia Wülfing (Ärztin und Gründerin von PINK! gegen Brustkrebs) eingeladen. Die Moderation übernahm PZ-Chefredakteur Alexander Müller.
Die regelmäßigen Störungen der Telematik-Infrastruktur (TI) sorgen immer wieder für Ärger. Darauf angesprochen, versprach Florian Fuhrmann: »Es wird besser werden. Leider häufen sich die Störungen, seit wir mit dem E-Rezept und der ePA Versorgungsanwendungen haben. Wir haben festgestellt, dass das auch ein strukturelles Problem ist. Vor 15 Jahren haben die Gesellschafter beschlossen, dass wir ein Marktmodell wollen. Das bedeutet, dass wir jeden Anbieter, der die Spezifikationen erfüllt, zulassen müssen. Das macht es in der Summe komplex«, erklärte der Gematik-Chef. Daher habe die Gematik vor einem Jahr angefangen, ein Konzept für eine neue Telematik-Infrastruktur zu entwickeln. Die Umsetzung werde allerdings Zeit brauchen.
Ina Lucas betonte, dass die regelmäßigen Ausfälle im Versorgungsalltag »relativ dramatisch« seien. »Es stört den Betriebsablauf. Wir würden uns wünschen, dass das in einem größeren Umbau geändert wird, damit wir die Menschen nicht stundenlang unversorgt lassen müssen«, so die Apothekerin.
Vom neuen eMP versprach sich die Vizepräsidentin der ABDA viel. Der analoge Zustand, in dem Patienten immer wieder nach ihrer Medikation gefragt werden, müsse überwunden werden. »Ich muss auf Knopfdruck wissen, welche Arzneimittel dem Patienten verordnet wurden und wie sein Gesundheitsstatus aussieht. Wir brauchen immer noch zu viel Zeit, um das alles durch Fragen zusammenzusammeln«, sagte die Apothekerin.
Auch Pia Wülfing setzt Hoffnung in die neue Anwendung. In der ärztlichen Praxis verwende man sehr viel Zeit darauf, Patienten nach ihrer Medikation zu fragen, und bekomme oft keine guten Antworten. »Es ist immer bruchstückhaft, und manchmal bekommt man auch nur die Informationen, die einen direkt betreffen. Bei den Wechselwirkungen ist man dann auf den Apotheker angewiesen«, klagte die Ärztin.
Das Papier-Rezept ist ein Auslaufmodell. Mit dem E-Rezept sollen alle Arzneimittel-Verordnungen über die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wir berichten über alle Entwicklungen bei der Einführung des E-Rezeptes. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite E-Rezept.