| Melanie Höhn |
| 25.06.2026 16:20 Uhr |
Lipödem ist eine chronische und schmerzhafte Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt. / © Adobe Stock/petiast
Caroline Sprott weiß, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper zum Feind wird. Die Lipödem-Betroffene schilderte heute in Berlin ihre Erfahrungen mit der Krankheit und die Odyssee bis zur Diagnose. »Was betroffene Frauen eint, ist die Erschöpfung, nicht ernst genommen zu werden. Es ist keine Frage von Disziplin und Psyche«, sagte sie. Fatale Folgen seien nicht selten Depressionen oder sozialer Rückzug. Ihr Appell an die Politik: Sie will ernst genommen werden. Das Krankheitsbild Lipödem müsse essenzieller Bestandteil der medizinischen Ausbildung werden. »Jeder Tag ohne respektvolle medizinische Hilfe ist ein verlorener Tag«, sagte sie. »Man kann mit Empathie auf die Suche nach der Lösung gehen«.
Lipödem ist eine chronische und schmerzhafte Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt. Schätzungen zufolge ist jede zehnte Frau betroffen, doch eine gesicherte Diagnosestellung dauert meist viele Jahre, und die Versorgung bleibt unzureichend. Dabei lagert sich krankhaftes Fettgewebe an Armen und Beinen an, das nicht proportional zum restlichen Körper ist. Es kommt zu Schmerzen und Druckempfindlichkeit im betroffenen Gewebe, Schwere- und Spannungsgefühl und leicht zu blauen Flecken.
Claudia Effertz, ebenfalls Lipödem-Betroffene, Coach und Unternehmensberaterin, schilderte, wie sie sich mit eigener Kraft und Selbstmanagement immer wieder motiviert hat. Effertz sprach über ihren 14-jährigen Leidensweg bis zur Diagnose Lipödem, Fehldiagnosen, zunehmende Schmerzen, sozialen Rückzug und massive Einschränkungen im Berufs- und Privatleben. Trotz hoher Eigenmotivation und intensiven Selbstmanagements verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand so stark, dass sie zeitweise nur noch mit Gehhilfen mobil war. Erst durch mehrere Liposuktionen konnte sie ihre Beweglichkeit und Arbeitsfähigkeit teilweise zurückgewinnen.
Aus unternehmerischer Sicht machte sie deutlich, welche volkswirtschaftlichen Kosten durch verspätete Diagnosen und unzureichende Versorgung entstehen: Fachkräfte gehen verloren, Erwerbsbiografien werden beeinträchtigt und Betroffene können ihr Potenzial oft nicht ausschöpfen. Effertz forderte deshalb bessere Aufklärung, frühere Diagnosen, den Erhalt konservativer Therapien, die Wiedereinführung von Einzelfallentscheidungen bei schweren Verläufen sowie eine stärkere Anerkennung der krankheitsbedingten Einschränkungen im Sozial- und Arbeitsrecht.