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Covid-19-Medikamente

Diese Ansätze gibt es

Nicht nur mit Antikörpern ist es möglich, immunmodulatorische Effekte zu erzielen. Die Vertreter der Klasse der Januskinase-Hemmer wirken zum Beispiel als Multizytokin-Inhibitoren. Daher wundert es wenig, dass auch sie klinisch erprobt werden. Zu den JAK-Hemmern zählen unter anderem Baricitinib (Olumiant®), Tofacitinib (Xeljanz®) und Ruxolitinib (Jakavi®).

Ebenfalls ein Krebsmedikament ist Opaganib (Yeliva®). Es wirkt als selektiver Sphingosinkinase-2-(SK2-)Inhibitor und blockiert dadurch die Synthese von Sphingosin-1-Phosphat. Dieses Lipid-Signalmolekül fördert das Krebswachstum, aber auch pathologische Entzündungen.

Immunmodulation via TLR

Toll-like-Rezeptoren (TLR) sind wichtige Strukturen des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen zum Beispiel Bestandteile von Viren und Bakterien und können so biochemische Reaktionsketten in Gang setzen, die der Abwehr dieser Krankheitserreger dienen. Eine übermäßige Aktivierung von TLR7/8 kann aber zu einer übermäßigen Mobilisierung von Immunzellen und einem Entzündungsgeschehen führen, das bei unzureichender Regulierung schwere Störungen des Immunsystems zur Konsequenz haben kann.

M5049 wird bei Merck für verschiedene immunologische Indikationen entwickelt und unter anderem auch bei Covid-19 getestet. Es soll die Aktivierung der TLR 7 und 8 blockieren. Möglicherweise könnte aber auch eine agonistische Aktivität an TLR einen Nutzen haben. Das Unternehmen ENA Respiratory hat INNA-051 in der Pipeline. Ein Nasenspray mit diesem Agonisten an TLR2/6 soll das angeborene Immunsystem besonders rasch und früh aktivieren, sodass das Spray zur Prophylaxe eingesetzt werden könnte. Klinische Studien sind allerdings noch nicht gestartet.

Ein immunmodulatorisch wirksames Covid-19-Medikament soll auch IMU-838 werden, das wie die bekannten Wirkstoffe Teriflunomid (Aubagio®) und Leflunomid als Dihydroxyorotat-Dehydrogenase-Inhibitor wirkt.

Bislang noch ohne richtigen Wirkstoffnamen versehen, ist auch DNL758. Dahinter verbirgt sich ein neuer Kinasehemmer. Zielstruktur ist die Rezeptor-interacting-Proteinkinase 1 (RIPK1), ein Signalprotein im Tumornekrosefaktor-Rezeptorweg, das Entzündungen und Zelltod im gesamten Körper reguliert.

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