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Covid-19-Medikamente

Diese Ansätze gibt es

Die Liste antiviral wirksamer Substanzen, die sich in Studien gegen das Coronavirus bewähren sollen, wird immer länger. Aus der Onkologie sind die sogenannten MEK-Hemmer bekannt, die in den RAS/RAF/MEK/ERK-Signalweg eingreifen. ATR-002 ist ein MEK-Hemmer, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll. Von der Blockade des Signalwegs erhofft man sich eine immunmodulatorische Wirkung. Darüber hinaus gibt es eine antivirale Aktivität. Denn durch Blockade des Enzyms MEK unterbindet ATR-002 den Export von viralen Genom-Protein-Komplexen vom Zellkern ins Zytoplasma und verhindert so die Bildung neuer funktionaler Viruspartikel. Dadurch wird die Viruslast im Körper reduziert.

Auch das Wirkprinzip von APN01 ist interessant. SARS-CoV-2 nutzt das Protein Angiotensin-Converting-Enzym (ACE2) als Corezeptor auf der Oberfläche menschlicher Zellen, um in diese einzutreten. APN01 gaukelt dem Coronavirus vor, es sei die Eintrittspforte zur Zelle. Statt an den Corezeptor auf der Zelloberfläche zu binden, docken die Viren an den Arzneistoffkandidaten – ein rekombinantes humanes ACE2 – an.

Weitere Testkandidaten sind das bekannte Nukleosid-Analogon Ribavirin, das weniger bekannte Purin-Nukleotid-Prodrug AT-527 sowie Danoprevir, ein Inhibitor der NS3/4A-Protease von Hepatitis-C-Viren. Clevudin ist ein Pyrimidin-Analogon mit gesicherter Aktivität gegen Hepatitis-B-Viren. Auch das toxische Ipecacuanha-Alkaloid Emetin soll antivirale Eigenschaften haben, indem es – auch bei anderen Viren – deren Replikation und den Eintritt in die Wirtszellen hemmt.

Der Antikörper Meplazumab ist gegen den Rezeptor CD147 auf Wirtszellen gerichtet. Neben der Bindung an den ACE2-Rezeptor scheint SARS-CoV-2 mit dem Spike-Protein auch daran zu binden, was Meplazumab unterbinden und damit den Eintritt in die Zelle reduzieren soll. Ein anderes Target weisen zwei weitere Kandidaten auf: Sowohl Nafamostat als auch Camostat hemmen die transmembranäre Serinprotease 2 (TMPRSS2). SARS-CoV-2 benötigt dieses im menschlichen Körper vorhandene Enzym, um in die Wirtszelle einzudringen. Beide Arzneistoffe sind schon seit vielen Jahren, vor allem in Asien, bekannt.

Ein aus einer Seescheide gewonnener Arzneistoff, Plitidepsin, hemmt den Elongationsfaktor-1-alpha (EF1A). Dabei handelt es sich um ein für die Translation genetischer Informationen an den Ribosomen wichtiges menschliches Protein. SARS-CoV-2-Viren sind darauf angewiesen, um in der Wirtszelle das Nucleoprotein N für die Reproduktion zu translatieren.

Viel besser bekannt sind Famotidin und Ivermectin. In Megadosen als Infusion verabreicht wurde das Magenmittel Famotidin vor einigen Monaten ins Spiel gebracht. Es soll mit hoher Wahrscheinlichkeit an das virale Enzym Papain-ähnliche Protease (Papain-like Protease) binden und so die Virusreplikation hemmen. Beim Antiparasitikum Ivermectin wird vermutet, dass es den Import von Virusproteinen in den Zellkern inhibiert und dass dieser Mechanismus auch bei SARS-CoV-2 zum Tragen kommt.

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