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Reiseinfektionen in Europa
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Die Tropen rücken näher

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten Dengue, Chikungunya oder Leishmaniose als klassische Reisekrankheiten. Doch mit dem Klimawandel verschiebt sich die Verbreitung der Erreger und der Vektoren. Tropeninfektionen kommen nicht mehr nur in fernen Ländern vor – sie haben Europa längst erreicht.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 23.04.2026  09:00 Uhr

Malaria: Anopheles im Reisegepäck

Malaria gilt in Europa seit 1975 als ausgerottet. Sie wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium ausgelöst, die sich in Leberzellen und roten Blutkörperchen vermehren. Für seinen Entwicklungszyklus benötigt der Erreger die Anopheles-Mücke, über deren Speichel er anschließend neue Wirte infiziert. Praktisch alle der jährlich mehreren Tausend in Europa registrierten Erkrankungen sind aus Afrika, Asien oder Südamerika importiert.

Seit 2009 gibt es jedes Jahr einige wenige autochthone Infektionen – auch in Deutschland. Mitunter handelt es sich um eine Sonderform, die sogenannte Flughafen- oder Koffer-Malaria: Die Ansteckung erfolgt durch importierte infektiöse Anopheles-Mücken im Gepäck von Tropenreisenden.

Diese geflügelten »blinden Passagiere« übertragen meist die Malaria tropica, die weltweit häufigste und gefährlichste Art. Sie wird durch P. falciparum ausgelöst und beginnt meist mit Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie unregelmäßigen Fieberanfällen. Unbehandelt führt sie bei 20 bis 30 Prozent der nicht immunen Menschen zum Tod. Dagegen verläuft die von P. vivax verursachte Malaria tertiana, die bei autochthonen Infektionen in Südeuropa ebenfalls gelegentlich nachgewiesen wurde, nur selten letal. Charakteristisch für diese Art sind rhythmische, alle zwei bis drei Tage auftretende Fieberschübe, nach denen die Temperatur abrupt wieder absinkt.

Die Behandlung jeglicher Malaria-Erkrankung sollte in einer Einrichtung mit tropenmedizinischer Erfahrung erfolgen. Häufig eingesetzte Chemotherapeutika sind Atovaquon plus Proguanil oder Artemether plus Lumefantrin.

Eine erhöhte Inzidenz von autochthonen Malaria-Infektionen findet sich bei Migranten aus tropischen Staaten. Ihre im Heimatland erworbene (Teil-)Immunität geht oft innerhalb weniger Monate verloren – was den wenigsten bewusst ist. Bei Besuchen von Freunden und Verwandten (VFR) in Endemiegebieten haben sie ein deutlich höheres Ansteckungsrisiko als Touristen, weil sie engeren Kontakt zur Bevölkerung pflegen und weniger Schutzmaßnahmen anwenden. Nicht immer spüren Infizierte deutliche Symptome. Treffen sie nach der Rückkehr auf Anopheles-Mücken, ist die Gefahr hoch, dass die Erkrankung auf andere Menschen übertragen wird.

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