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Reiseinfektionen in Europa
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Die Tropen rücken näher

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten Dengue, Chikungunya oder Leishmaniose als klassische Reisekrankheiten. Doch mit dem Klimawandel verschiebt sich die Verbreitung der Erreger und der Vektoren. Tropeninfektionen kommen nicht mehr nur in fernen Ländern vor – sie haben Europa längst erreicht.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 23.04.2026  09:00 Uhr

Wildtiere als Erreger-Reservoir

Neben den klassischen vektorübertragenen Erkrankungen rücken in Europa zunehmend auch Zoonosen in den Fokus, die primär in tropischen Ländern beheimatet sind.

Mpox (früher: Affenpocken) tritt seit einem großen Ausbruch mit mehreren Tausend Infizierten im Sommer 2022 in zahlreichen europäischen Ländern auf – regelmäßig auch in Deutschland. Im Jahr 2025 notierte das RKI rund 500 Mpox-Diagnosen, überwiegend bei Menschen ohne Reisehintergrund. Das Virus wird durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Bisher waren vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern hatten.

Meist verläuft die Mpox-Erkrankung milde. Sie beginnt vier Tage bis drei Wochen nach dem Kontakt mit einer infizierten Person mit unspezifischem Krankheitsgefühl. Etwa zur gleichen Zeit entwickeln sich schmerzhafte Hautläsionen, die schließlich verkrusten und abfallen. Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben. Eine zugelassene spezifische antivirale Therapie steht nicht mehr zur Verfügung, nachdem die EMA kürzlich empfahl, das Virustatikum Tecovirimat wegen mangelnder Wirksamkeit bei Mpox nicht mehr einzusetzen.

Die Tollwut ist in Deutschland seit 2006 bei terrestrischen Wild- und Haustieren ausgerottet. Auch die meisten anderen europäischen Länder gelten als tollwutfrei. Dennoch persistiert das Rabies-Virus vielerorts in Fledermauspopulationen. In Osteuropa – etwa in Rumänien, der Ukraine oder Bulgarien – und in der Türkei kommt es noch bei Wild- und Haustieren vor.

Menschen können sich mit Tollwut-Viren anstecken, wenn sie von einem infizierten Tier gebissen oder gekratzt werden oder dessen Speichel durch ungewaschene Hände an die Schleimhäute gelangt. Die Inkubationszeit beträgt oft mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Nach anfänglichem Unwohl-sein und neurologischen Symptomen kommt es zu Krämpfen und Delirium. Fast immer endet die Erkrankung nach wenigen Tagen tödlich.

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