Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus, gelegentlich als Stegomyia albopicta bezeichnet) gilt als der weltweit invasivste Vektor. Sie kann mindestens 25 verschiedene Arboviren übertragen, am häufigsten Dengue- und Chikungunya-Viren. Ursprünglich ist sie in Südostasien beheimatet. Inzwischen registriert das ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) bereits in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas fortpflanzungsfähige, den Winter überdauernde Bestände – insbesondere in Italien und Frankreich, aber auch in Süddeutschland, der Schweiz und einigen Balkanstaaten.
Zur gleichen Gattung gehört die etwas kälteempfindlichere Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Sie überträgt neben Gelbfieber- auch Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren. Von ihr finden sich fest etablierte Populationen auf Zypern und Madeira.
Ebenfalls ein potenter Vektor ist die asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich in den letzten 15 Jahren in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn angesiedelt hat. Anopheles-Arten, die Malaria übertragen können, wurden in fast allen europäischen Ländern nachgewiesen.
Zunehmend bessere Lebensbedingungen in Europa finden auch Hyalomma-Zecken. Sie sind zwei- bis dreimal so groß wie der in Deutschland heimische Holzbock (Ixodes ricinus), deutlich agiler und potenzielle Überträger des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers sowie des Zecken-Fleckfiebers. In Südosteuropa und der Türkei sind sie bereits weitverbreitet. Auch in Spanien, Südfrankreich und Italien gibt es dauerhafte Bestände. In Deutschland wurden bisher nur einzelne Exemplare nachgewiesen. Diese trugen teilweise Fleckfieber-Bakterien (Rickettsien) in sich, aber nicht das Krim-Kongo-Virus.
Culex pipiens, die gemeine Stechmücke, ist in ganz Europa heimisch. Als Überträger des West-Nil-Virus fungierte sie bislang vorwiegend in den Tropen. Zunehmend findet sich das Virus jedoch auch hierzulande in Wildvögeln und vereinzelt in Pferden. 2024 konnten Forschende durch KI-Modelle erstmals quantitativ zeigen, dass Klimaänderungen einen wesentlichen Anteil an der räumlichen Expansion der WNV-Hotspots in Südosteuropa haben; Simulationen ohne Klimaänderung ergaben deutlich kleinere Risikogebiete.

© Shutterstock/Zamrznuti tonovi
Dass sich Menschen tatsächlich innerhalb von Europa mit einer Tropenkrankheit infizieren, kommt bislang noch selten vor. Fachleute warnen jedoch, dass das Risiko lokaler Übertragungen im Zuge des Klimawandels deutlich steigen könnte. Die Herausforderung für Apotheken- und medizinisches Personal: Selbst wenn der Patient nicht in der Ferne war, können suspekte Symptome in Einzelfällen durch eine Tropenkrankheit verursacht sein. Zu den Warnsignalen zählen insbesondere hohes Fieber, Hautausschlag oder ungewöhnliche Schmerzen.
Bei entsprechendem Verdacht sollte das Apothekenteam die Betroffenen zur Abklärung frühzeitig an ein tropenmedizinisches Institut verweisen. Eine Liste dieser Institute in Deutschland findet man bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit.
Das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) informiert über Infektionserkrankungen in Europa mit Monitoring.