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Reiseinfektionen in Europa
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Die Tropen rücken näher

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten Dengue, Chikungunya oder Leishmaniose als klassische Reisekrankheiten. Doch mit dem Klimawandel verschiebt sich die Verbreitung der Erreger und der Vektoren. Tropeninfektionen kommen nicht mehr nur in fernen Ländern vor – sie haben Europa längst erreicht.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 23.04.2026  09:00 Uhr

Mücken- und Zeckenstiche sind lästig – aber nicht nur das: Die Insekten können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Früher galt das fast ausschließlich in tropischen Ländern. Inzwischen kommt es immer häufiger vor, dass sich Menschen selbst in Europa mit einer Tropenkrankheit anstecken.

Hauptgrund dafür ist der Klimawandel. Steigende Durchschnittstemperaturen im Sommer wie im Winter führen dazu, dass sich die Verbreitungsgebiete vieler wärmeliebender Insekten und Spinnentiere ausdehnen. Außerdem verlängert die globale Erwärmung die aktive Saison von Stechmücken in gemäßigten Klimaregionen. Das erhöht die Zahl der Stichkontakte und damit das Risiko einer Krankheitsübertragung. Auch die Vermehrungsrate vieler Viren innerhalb der Insekten ist temperaturabhängig: Je wärmer es ist (bis zu einem artspezifischen Optimum), desto schneller wird eine infizierte Mücke selbst infektiös – und desto mehr Blutsauger erreichen dieses Stadium, bevor sie sterben.

Hitzeinseln in Städten

Besonders warm ist es oft in Städten. Beton und Asphalt speichern die Hitze und geben sie nachts nur langsam ab. Es fehlt die Verdunstungskühlung durch Pflanzen und Wasserflächen, in den Häuserschluchten stagniert die warme Luft. Diese innerstädtischen Hitzeinseln bieten tropischen Mücken in Europa oft schon klimatische Bedingungen, die ihre Ansiedlung ermöglichen – selbst wenn es in ländlicheren Gebieten noch kühler ist.

Veränderte Niederschlagsmuster tragen ebenfalls zur Ausbreitung bei. Starkregen lässt vermehrt Pfützen und andere Wasserreservoire entstehen. In dazwischenliegenden Trockenperioden wärmen sich diese auf und werden zum idealen Bruthabitat.

Dazu kommt die Globalisierung: Über internationale Handelswege gelangen Mückeneier zum Beispiel an Autoreifen oder Pflanzen nach Europa. Einmal angekommen, finden sie immer häufiger klimatische Bedingungen vor, unter denen sie sich zu fortpflanzungsfähigen Individuen entwickeln können.

An sich sind die Stiche dieser Insekten nicht gefährlicher als die ihrer einheimischen Verwandten. Treffen sie jedoch auf Personen, die sich beispielsweise im Urlaub mit Chikungunya oder Dengue infiziert haben, können sie als Vektoren fungieren und die Erreger beim Blutsaugen an andere Menschen weitergeben. Die Viren, die sie übertragen, werden unabhängig von ihrer Taxonomie als Arboviren (Englisch: arthropod-borne viruses) bezeichnet. Arbovirus-Infektionen sind laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Weltweit trägt der Klimawandel dazu bei, dass einige Tropeninfektionen wieder auf dem Vormarsch sind – und somit auch häufiger nach Europa importiert werden. Zudem führen bewaffnete Auseinandersetzungen und politische Instabilität in zahlreichen Ländern dazu, dass die Bekämpfung von Infektionen zunehmend ins Hintertreffen gerät. Gleichzeitig verstärken sie Migration und Fluchtbewegungen, mit denen Erreger exportiert werden. Die zum Teil katastrophalen hygienischen Bedingungen und Überfüllung in Flüchtlingslagern an den europäischen Grenzen leisten der Ausbreitung von Infektionen Vorschub.

Aedes-Mücken erobern Europa

Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus, gelegentlich als Stegomyia albopicta bezeichnet) gilt als der weltweit invasivste Vektor. Sie kann mindestens 25 verschiedene Arboviren übertragen, am häufigsten Dengue- und Chikungunya-Viren. Ursprünglich ist sie in Südostasien beheimatet. Inzwischen registriert das ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) bereits in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas fortpflanzungsfähige, den Winter überdauernde Bestände – insbesondere in Italien und Frankreich, aber auch in Süddeutschland, der Schweiz und einigen Balkanstaaten.

Zur gleichen Gattung gehört die etwas kälteempfindlichere Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Sie überträgt neben Gelbfieber- auch Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren. Von ihr finden sich fest etablierte Populationen auf Zypern und Madeira.

Ebenfalls ein potenter Vektor ist die asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich in den letzten 15 Jahren in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn angesiedelt hat. Anopheles-Arten, die Malaria übertragen können, wurden in fast allen europäischen Ländern nachgewiesen.

Zunehmend bessere Lebensbedingungen in Europa finden auch Hyalomma-Zecken. Sie sind zwei- bis dreimal so groß wie der in Deutschland heimische Holzbock (Ixodes ricinus), deutlich agiler und potenzielle Überträger des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers sowie des Zecken-Fleckfiebers. In Südosteuropa und der Türkei sind sie bereits weitverbreitet. Auch in Spanien, Südfrankreich und Italien gibt es dauerhafte Bestände. In Deutschland wurden bisher nur einzelne Exemplare nachgewiesen. Diese trugen teilweise Fleckfieber-Bakterien (Rickettsien) in sich, aber nicht das Krim-Kongo-Virus.

Culex pipiens, die gemeine Stechmücke, ist in ganz Europa heimisch. Als Überträger des West-Nil-Virus fungierte sie bislang vorwiegend in den Tropen. Zunehmend findet sich das Virus jedoch auch hierzulande in Wildvögeln und vereinzelt in Pferden. 2024 konnten Forschende durch KI-Modelle erstmals quantitativ zeigen, dass Klimaänderungen einen wesentlichen Anteil an der räumlichen Expansion der WNV-Hotspots in Südosteuropa haben; Simulationen ohne Klimaänderung ergaben deutlich kleinere Risikogebiete.

Chikungunya-Ausbrüche in Italien und Frankreich

Eine der häufigsten autochthonen, also lokal erworbenen Tropeninfektionen in Europa ist Chikungunya. 2025 registrierte das ECDC in den Monaten Mai bis November 788 Fälle in Frankreich und 384 in Italien. Die meisten Ausbrüche gab es an der Côte d’Azur und der südlichen französischen Atlantikküste. Einzelne Fälle wurden auch aus dem Elsass gemeldet, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Baden-Württemberg. Dass sich Menschen innerhalb von Deutschland mit Chikungunya-Viren angesteckt haben, ist bislang nicht bekannt.

In Italien konzentriert sich das Infektionsgeschehen vor allem auf die Region Emilia-Romagna rund um Modena im Norden. Hier trat Chikungunya 2007 zum ersten Mal in größerem Umfang außerhalb der Tropen auf; seither kommt es dort immer wieder zu lokalen Clustern.

Vergleichsweise gering ist dagegen die Zahl der importierten Infektionen bei Reiserückkehrern. Laut der letzten Zahlen vom ECDC lag sie 2022 bei 64 in ganz Europa; allerdings gehen Fachleute von einer hohen Dunkelziffer aus.

Tigermücken wie Aedes albopictus übertragen zahlreiche Arboviren, am häufigsten Dengue- und Chikungunya-Viren. / © Shutterstock/Muhammad Naaim
Hyalomma-Zecken können hämorrhagische Fieber übertragen. / © Shutterstock/Gertjan Hooijer

Klinisch macht sich die Erkrankung vor allem durch hohes Fieber und massive Gelenkschmerzen bemerkbar. Letztere sind oft so stark, dass Betroffene kaum aufrecht gehen können. Die Körpertemperatur steigt in der Regel drei bis sieben Tage nach der Infektion rasch an und sinkt nach wenigen Tagen wieder. Dazu kommt gelegentlich eine Bindehautentzündung und/oder ein juckender Hautausschlag mit punktförmigen Blutungen, eventuell auch an den Schleimhäuten in Nase und Mund.

Bei den meisten Menschen heilt die Viruserkrankung nach einer bis zwei Wochen von selbst wieder ab. Insbesondere ältere oder vorerkrankte Patienten leiden jedoch manchmal mehrere Jahre an chronischen Gelenkschmerzen. Die Therapie erfolgt ausschließlich symptomatisch durch Fiebersenker und Schmerzmittel wie Paracetamol.

Keine NSAR bei Dengue-Fieber

Die Symptome von Dengue, der weltweit häufigsten vektorübertragenen Viruserkrankung, ähneln häufig denen von Chikungunya. Betroffene klagen über starke Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie plötzliches hohes Fieber, manchmal macht sich auch ein Ausschlag bemerkbar. Oft bessern sich die Beschwerden nach drei Tagen kurzfristig, um zwei bis vier Tage später erneut aufzuflammen. Nach zehn Tagen haben die meisten Infizierten die Erkrankung überstanden.

Bis zu 5 Prozent entwickeln jedoch ein hämorrhagisches Fieber mit inneren Blutungen, die zu einem lebensbedrohlichen Dengue-Schock-Syndrom führen können. Alarmzeichen sind Blässe, kalter Schweiß, schneller Puls und niedriger Blutdruck. Das Risiko solcher Komplikationen steigt, wenn eine Person früher bereits mit einem anderen Serotyp des Dengue-Virus infiziert war. Oft wissen die Betroffenen von der Erstinfektion nichts, weil sie bei rund 80 Prozent symptomlos verläuft.

Wegen ihrer blutgerinnungshemmenden Wirkung sind nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure bei Dengue kontraindiziert. Gegen Schmerzen können die Patienten Paracetamol einnehmen.

Die ersten autochthonen Dengue-Erkrankungen in Europa registrierte das ECDC 2010 in Kroatien und Südfrankreich. Zwei Jahre später gab es auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira eine Erkrankungswelle mit rund 2000 gemeldeten Fällen – darunter 19 deutsche Touristen. Der bislang größte Ausbruch auf dem europäischen Festland mit mehr als 200 Erkrankungen in drei Monaten wurde 2024 in Norditalien beobachtet. Im letzten Jahr meldeten auch Portugal, Italien und Frankreich, vor allem an der Mittelmeerküste, autochthone Dengue-Infektionen.

Ungleich höher war die Inzidenz in den vergangenen Jahren bei Reiserückkehrern: Allein in Deutschland lag sie 2024 laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 1717 bestätigten Fällen.

Auch in Deutschland: West-Nil-Fieber

Schon seit längerer Zeit ist das West-Nil-Virus (WNV) in Südeuropa etabliert. In den letzten Jahren stieg die Zahl der betroffenen Länder und der Erkrankungsfälle jedoch kontinuierlich an. In Deutschland wurde das Virus erstmals 2018 nachgewiesen.

Hauptreservoir sind Wildvögel; von ihnen aus können Stechmücken das Virus auf Menschen übertragen. Auch Pferde oder andere Säugetiere tragen es gelegentlich in sich. Sie gelten jedoch – ebenso wie erkrankte Menschen – nicht als Infektionsquelle für Vektoren, da ihre Viruslast im Blut für eine Transmission mutmaßlich nicht ausreicht.

Im vergangenen Jahr notierte das ECDC einen großen Ausbruch in Italien mit fast 800 Erkrankten und 72 Toten, vor allem in und um Rom sowie in Kampanien. Auch in Griechenland, Frankreich, Spanien und vielen osteuropäischen Ländern gibt es jedes Jahr zahlreiche humane WNV-Infektionen durch Stechmücken. In Deutschland registrierte man 2019 die ersten Fälle. 2024 meldete das RKI 35 Erkrankungen, vorwiegend in den östlichen Bundesländern. Die meisten wurden bei Routinetests anlässlich einer Blutspende entdeckt.

Die Zahl der Infizierten dürfte deutlich höher liegen, da nur etwa jeder Fünfte Symptome zeigt. Diese ähneln einer Virusgrippe: plötzlich einsetzendes Fieber mit Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen, oft mit einem blass-rötlichen Ausschlag.

Meist heilt das West-Nil-Fieber innerhalb von einer bis zwei Wochen ohne Komplikationen aus. Bei etwa einem von 100 Patienten greift es jedoch das Nervensystem an und kann eine Meningitis oder Enzephalitis auslösen. Bis zu 17 Prozent der Betroffenen sterben an dieser neuroinvasiven Form. Besonders hoch ist das Risiko bei älteren, immunsupprimierten oder chronisch vorerkrankten Patienten.

Hotspot Salamanca: Krim-Kongo-Fieber

Auch das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber kam vor einigen Jahren in Europa an. Bislang werden autochthone Infektionen nur vereinzelt registriert. Als »Hotspot« gilt die westspanische Provinz Salamanca. Sie meldet seit 2016 jedes Jahr im Schnitt zwei bis drei Erkrankungsfälle. Dort sind nicht nur die virusübertragenden Hyalomma-Zecken weitverbreitet, sondern auch viele Wild-, Nutz- und Haustiere infiziert. Sporadische Fälle traten in Griechenland und mehreren osteuropäischen Ländern auf.

Ansteckungsgefährdet sind insbesondere Waldarbeiter – und medizinisches Personal, da das Virus auch durch direkten Blutkontakt übertragen werden kann.

Das Krim-Kongo-Fieber äußert sich anfangs oft durch unspezifische grippeähnliche Symptome, manchmal begleitet von erhöhter Lichtempfindlichkeit. Bei mehr als 80 Prozent der Infizierten verläuft es milde oder symptomlos. In schweren Fällen kann es jedoch zu lebensbedrohlichen inneren und äußeren Blutungen mit Organfunktionsstörungen und Schockzuständen kommen. Etwa jeder dritte Patient verstirbt. Wie bei den anderen viralen Tropenerkrankungen steht auch hier keine ursächliche Therapie zur Verfügung.

Auch mit dem Zika-Virus haben sich Menschen bereits innerhalb von Europa angesteckt: Im Jahr 2019 notierte das ECDC erstmals drei lokal durch Aedes-Mücken übertragene Infektionen an der französischen Côte d’Azur. Neue Fälle wurden seitdem nicht bekannt. Meist verursacht die Infektion nur milde oder gar keine Symptome und bleibt deshalb unbemerkt. In der Schwangerschaft kann das Zika-Virus jedoch zu Fehlbildungen des Fetus führen.

Malaria: Anopheles im Reisegepäck

Malaria gilt in Europa seit 1975 als ausgerottet. Sie wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium ausgelöst, die sich in Leberzellen und roten Blutkörperchen vermehren. Für seinen Entwicklungszyklus benötigt der Erreger die Anopheles-Mücke, über deren Speichel er anschließend neue Wirte infiziert. Praktisch alle der jährlich mehreren Tausend in Europa registrierten Erkrankungen sind aus Afrika, Asien oder Südamerika importiert.

Seit 2009 gibt es jedes Jahr einige wenige autochthone Infektionen – auch in Deutschland. Mitunter handelt es sich um eine Sonderform, die sogenannte Flughafen- oder Koffer-Malaria: Die Ansteckung erfolgt durch importierte infektiöse Anopheles-Mücken im Gepäck von Tropenreisenden.

Diese geflügelten »blinden Passagiere« übertragen meist die Malaria tropica, die weltweit häufigste und gefährlichste Art. Sie wird durch P. falciparum ausgelöst und beginnt meist mit Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie unregelmäßigen Fieberanfällen. Unbehandelt führt sie bei 20 bis 30 Prozent der nicht immunen Menschen zum Tod. Dagegen verläuft die von P. vivax verursachte Malaria tertiana, die bei autochthonen Infektionen in Südeuropa ebenfalls gelegentlich nachgewiesen wurde, nur selten letal. Charakteristisch für diese Art sind rhythmische, alle zwei bis drei Tage auftretende Fieberschübe, nach denen die Temperatur abrupt wieder absinkt.

Die Behandlung jeglicher Malaria-Erkrankung sollte in einer Einrichtung mit tropenmedizinischer Erfahrung erfolgen. Häufig eingesetzte Chemotherapeutika sind Atovaquon plus Proguanil oder Artemether plus Lumefantrin.

Eine erhöhte Inzidenz von autochthonen Malaria-Infektionen findet sich bei Migranten aus tropischen Staaten. Ihre im Heimatland erworbene (Teil-)Immunität geht oft innerhalb weniger Monate verloren – was den wenigsten bewusst ist. Bei Besuchen von Freunden und Verwandten (VFR) in Endemiegebieten haben sie ein deutlich höheres Ansteckungsrisiko als Touristen, weil sie engeren Kontakt zur Bevölkerung pflegen und weniger Schutzmaßnahmen anwenden. Nicht immer spüren Infizierte deutliche Symptome. Treffen sie nach der Rückkehr auf Anopheles-Mücken, ist die Gefahr hoch, dass die Erkrankung auf andere Menschen übertragen wird.

Wildtiere als Erreger-Reservoir

Neben den klassischen vektorübertragenen Erkrankungen rücken in Europa zunehmend auch Zoonosen in den Fokus, die primär in tropischen Ländern beheimatet sind.

Mpox (früher: Affenpocken) tritt seit einem großen Ausbruch mit mehreren Tausend Infizierten im Sommer 2022 in zahlreichen europäischen Ländern auf – regelmäßig auch in Deutschland. Im Jahr 2025 notierte das RKI rund 500 Mpox-Diagnosen, überwiegend bei Menschen ohne Reisehintergrund. Das Virus wird durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Bisher waren vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern hatten.

Meist verläuft die Mpox-Erkrankung milde. Sie beginnt vier Tage bis drei Wochen nach dem Kontakt mit einer infizierten Person mit unspezifischem Krankheitsgefühl. Etwa zur gleichen Zeit entwickeln sich schmerzhafte Hautläsionen, die schließlich verkrusten und abfallen. Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben. Eine zugelassene spezifische antivirale Therapie steht nicht mehr zur Verfügung, nachdem die EMA kürzlich empfahl, das Virustatikum Tecovirimat wegen mangelnder Wirksamkeit bei Mpox nicht mehr einzusetzen.

Die Tollwut ist in Deutschland seit 2006 bei terrestrischen Wild- und Haustieren ausgerottet. Auch die meisten anderen europäischen Länder gelten als tollwutfrei. Dennoch persistiert das Rabies-Virus vielerorts in Fledermauspopulationen. In Osteuropa – etwa in Rumänien, der Ukraine oder Bulgarien – und in der Türkei kommt es noch bei Wild- und Haustieren vor.

Menschen können sich mit Tollwut-Viren anstecken, wenn sie von einem infizierten Tier gebissen oder gekratzt werden oder dessen Speichel durch ungewaschene Hände an die Schleimhäute gelangt. Die Inkubationszeit beträgt oft mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Nach anfänglichem Unwohl-sein und neurologischen Symptomen kommt es zu Krämpfen und Delirium. Fast immer endet die Erkrankung nach wenigen Tagen tödlich.

Prävention wird wichtiger

Mit der zunehmenden Ausbreitung potenzieller Vektoren gewinnt der effektive Schutz vor Mücken- und Zeckenstichen auch hierzulande an Bedeutung. Besonders wichtig ist das für Kinder, die auf viele Infektionen empfindlicher reagieren als Erwachsene.

Repellentien mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin gelten als wirksamste chemische Barriere. Beide halten auch Zecken fern – sowohl einheimische als auch die tropische Hyalomma-Zecke. Icaridin wird für Kinder ab einem Jahr empfohlen, DEET erst ab drei Jahren und nicht für Schwangere oder Stillende. Die Wirkdauer richtet sich vor allem nach der Dosierung; gegen Stechinsekten ist sie meist länger als gegen Zecken.

Mückenschutzmittel auf Pflanzenbasis bieten deutlich geringeren und kürzer anhaltenden Schutz. Am besten schneidet hier das Öl des Zitroneneukalyptusbaums ab. Je nach Präparat kann es bei Kindern ab sechs Monaten angewendet werden.

Entscheidend für die Wirksamkeit von Repellentien ist die lückenlose und wiederholte Applikation – insbesondere nach Kontakt mit Wasser oder bei starkem Schwitzen. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Arten stechen Aedes-Mücken nicht nur in der Dämmerung, sondern auch tagsüber.

Wird ein Sonnenschutzmittel benötigt, sollte man dieses grundsätzlich zuerst auftragen, eine Viertelstunde danach dann das Repellent. Kombinationspräparate, die gleichzeitig vor Insekten und Sonneneinstrahlung schützen, halten die meisten Dermatologen für weniger sinnvoll.

Zusätzlich verringert körperbedeckende, helle und weite Kleidung die Wahrscheinlichkeit von Mückenstichen. Um Zecken abzuhalten, steckt man beim Spaziergang durch Feld, Wald und Wiese am besten die Hose in die Socken. Nach dem Ausflug gilt es, den ganzen Körper nach Krabbeltieren abzusuchen – insbesondere bei Kindern. Feinmaschige Fliegengitter am Fenster schützen effektiv und nachhaltig; auch eine Klimaanlage im Zimmer reduziert die Stechlust von Insekten.

Bei Reisen in den Mittelmeerraum kann ein Moskitonetz über dem Bett zusätzliche Sicherheit bringen. Eine Imprägnierung mit einem insektenabtötenden Kontaktmittel wie Permethrin erhöht die Effektivität, wird aber vorwiegend für Reisen in Risikoländer empfohlen. Wichtig ist eine ausreichende Größe des Netzes, um versehentliche Berührungen im Schlaf zu vermeiden. In Regionen, in denen Sandmücken verbreitet sind, sollte das Netz eine besonders feine Maschengröße aufweisen (1000 Mesh).

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Reduktion von Brutstätten im direkten Lebensumfeld. Invasive Aedes-Mücken nutzen kleinste Wasseransammlungen zur Eiablage. Blumentopfuntersetzer, offene Regentonnen, verstopfte Dachrinnen oder auch liegen gebliebenes Spielzeug im Garten können als Brutplätze dienen. Für die Prävention bedeutet das: regelmäßige Kontrolle und konsequentes Beseitigen stehender Wasseransammlungen.

Auf kommunaler Ebene wird vor allem am Oberrhein das Biozid Bti (Proteinkristalle des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis) eingesetzt, das auf aquatische Tiger- und andere Stechmückenlarven toxisch wirkt.

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