| Theo Dingermann |
| 20.04.2026 15:57 Uhr |
Das Pankreaskarzinom ist eine der tödlichsten Krebsarten. Ein neuer RAS-Inhibitor konnte das mediane Überleben in einer Phase-III-Studie im Vergleich zu einer Standardchemotherapie nahezu verdoppeln. / © Adobe Stock/Jo Panuwat D
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) ist der häufigste und aggressivste Bauchspeicheldrüsenkrebs. Mehr als 80 Prozent der Patienten erhalten die Diagnose erst in einem fortgeschrittenen beziehungsweise metastasierten Stadium – wohl auch ein Grund für die niedrige 5-Jahres-Überlebensrate von weniger als 10 Prozent.
Aktuell lässt allerdings ein neuer Wirkstoffkandidat aufhorchen: Über erste Ergebnisse der Phase-III-Studie RASolute 302, in der der RAS-Inhibitor Daraxonrasib (RMC-6236) in der Zweitlinie bei Patienten mit PDAC getestet wurde, berichtete das US-amerikanische Pharmaunternehmen »Revolution Medicines« am 13. April in einer Pressemitteilung. Unter der Therapie mit Daraxonrasib verlängerte sich die mediane Gesamtüberlebenszeit von 6,7 Monaten (bei Behandlung mit einer Standardchemotherapie nach Wahl des Prüfarztes) auf 13,2 Monate – und damit beinahe auf das Doppelte. Die Daten wurden bislang allerdings noch nicht in einem wissenschaftlichen Journal publiziert.
Daraxonrasib hemmt das Wachstum von Tumorzellen, die eine KRAS-G12X-Muation tragen, indem es das KRAS-Protein inaktiviert. Das klingt auf den ersten Blick nicht neu, denn KRAS-Inhibitoren wie Sotorasib und Adagrasib sind bereits in die Klinik eingeführt. Mit ihnen wurde die lange bestehende Fehleinschätzung wiederlegt, dass ein mutiertes KRAS-Protein »undruggable«, also untherapierbar sei. Sotorasib und Adagrasib hemmen jedoch ausschließlich die spezifische G12C-Variante des KRAS-Proteins, die im duktalen Adenokarzinom des Pankreas kaum vorkommt; die beiden Wirkstoffe kommen überwiegend beim nicht kleinzelligen Lungen- sowie beim Kolonkarzinom zum Einsatz – mit bislang eher gemischten Ergebnissen.
Die RAS‑Genfamilie – KRAS, NRAS und HRAS – kodiert für membranständige GTPasen, die als zentrale molekulare Schalter Wachstums‑ und Überlebenssignale von extrazellulären Rezeptoren ins Zellinnere weiterleiten. Onkogene Punktmutationen halten das Protein dauerhaft in seiner aktiven, GTP‑gebundenen Form und fördern so die Entstehung von rund 30 Prozent aller menschlichen Tumoren. Beim pankreatischen duktalen Adenokarzinom treiben solche Mutationen in mehr als 90 Prozent der Fälle das Tumorwachstum an.