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Brustkrebs
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Viermal höheres Sterberisiko mit Alternativmedizin allein

Es gibt überaus wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs, zumindest, wenn der Tumor früh genug entdeckt wird. Viele betroffene Frauen greifen jedoch zusätzlich auf Methoden der Alternativmedizin zurück, manche verzichten zu deren Gunsten sogar ganz auf etablierte Therapien. Forschende haben nun ermittelt, wie sich das auf die Überlebenschancen auswirkt.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 20.04.2026  12:00 Uhr
Viermal höheres Sterberisiko mit Alternativmedizin allein

Das Gespräch mit einer ihrer Patientinnen war Anlass für die Assistenzärztin Dr. Oluwaseun Ayoade von der Yale School of Medicine, eine Studie zu den Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen mit und ohne »alternative« Behandlung zu initiieren. »Ich war bewegt von einer Patientin, die über ihre Entscheidung sprach, sich für alternative Behandlungsmethoden anstelle bewährter traditioneller Therapien zu entscheiden«, so Ayoade in einer Pressemitteilung ihrer Universität. Die Ergebnisse der Studie sind nun im Fachmagazin »JAMA Network Open« veröffentlicht worden – und sprechen klar für die evidenzbasierte Medizin.

Für die Kohortenstudie analysierten Erstautorin Ayoade und ihre Kolleginnen und Kollegen die Therapieentscheidungen und Outcomes von mehr als zwei Millionen Brustkrebspatientinnen aus der National Cancer Database der USA. Sie bildet etwa 70 Prozent der neu diagnostizierten Krebserkrankungen ab. Eine Einschränkung vorweg: Die Datenbank enthält nur Informationen, die die Patientinnen auch mit den behandelnden Ärzten teilten.

Der Großteil der Patientinnen (97,6 Prozent) hatte sich für traditionelle Behandlungsmöglichkeiten wie Operation, Chemotherapie, Immuntherapie, endokrine Therapie oder Bestrahlung entschieden. 273 Patientinnen (<0,1 Prozent) verzichteten komplett darauf und setzten nur auf Methoden der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM). 568 Patientinnen (<0,1 Prozent) hatten der Datenbank zufolge eine Kombination aus herkömmlicher Therapie und CAM erhalten. 49.713 Patientinnen (2,3 Prozent) hatten gar keine Therapie erhalten.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Mortalität lag bei alleiniger CAM-Behandlung um den Faktor 3,67 höher als in der traditionell behandelten Gruppe. Diese Patientinnen hatten also ein fast viermal so hohes Sterberisiko innerhalb von fünf Jahren. Die Patientinnen, die ausschließlich mit komplementär- und alternativmedizinischen Verfahren behandelt wurden, zeigten dabei noch schlechtere Ergebnisse als solche, die sich gegen jedwede Behandlung entschieden hatten (Hazard Ratio: 3,53).

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