Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Brustkrebs
-
Viermal höheres Sterberisiko mit Alternativmedizin allein

Es gibt überaus wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs, zumindest, wenn der Tumor früh genug entdeckt wird. Viele betroffene Frauen greifen jedoch zusätzlich auf Methoden der Alternativmedizin zurück, manche verzichten zu deren Gunsten sogar ganz auf etablierte Therapien. Forschende haben nun ermittelt, wie sich das auf die Überlebenschancen auswirkt.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 20.04.2026  12:00 Uhr

Das Gespräch mit einer ihrer Patientinnen war Anlass für die Assistenzärztin Dr. Oluwaseun Ayoade von der Yale School of Medicine, eine Studie zu den Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen mit und ohne »alternative« Behandlung zu initiieren. »Ich war bewegt von einer Patientin, die über ihre Entscheidung sprach, sich für alternative Behandlungsmethoden anstelle bewährter traditioneller Therapien zu entscheiden«, so Ayoade in einer Pressemitteilung ihrer Universität. Die Ergebnisse der Studie sind nun im Fachmagazin »JAMA Network Open« veröffentlicht worden – und sprechen klar für die evidenzbasierte Medizin.

Für die Kohortenstudie analysierten Erstautorin Ayoade und ihre Kolleginnen und Kollegen die Therapieentscheidungen und Outcomes von mehr als zwei Millionen Brustkrebspatientinnen aus der National Cancer Database der USA. Sie bildet etwa 70 Prozent der neu diagnostizierten Krebserkrankungen ab. Eine Einschränkung vorweg: Die Datenbank enthält nur Informationen, die die Patientinnen auch mit den behandelnden Ärzten teilten.

Der Großteil der Patientinnen (97,6 Prozent) hatte sich für traditionelle Behandlungsmöglichkeiten wie Operation, Chemotherapie, Immuntherapie, endokrine Therapie oder Bestrahlung entschieden. 273 Patientinnen (<0,1 Prozent) verzichteten komplett darauf und setzten nur auf Methoden der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM). 568 Patientinnen (<0,1 Prozent) hatten der Datenbank zufolge eine Kombination aus herkömmlicher Therapie und CAM erhalten. 49.713 Patientinnen (2,3 Prozent) hatten gar keine Therapie erhalten.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Mortalität lag bei alleiniger CAM-Behandlung um den Faktor 3,67 höher als in der traditionell behandelten Gruppe. Diese Patientinnen hatten also ein fast viermal so hohes Sterberisiko innerhalb von fünf Jahren. Die Patientinnen, die ausschließlich mit komplementär- und alternativmedizinischen Verfahren behandelt wurden, zeigten dabei noch schlechtere Ergebnisse als solche, die sich gegen jedwede Behandlung entschieden hatten (Hazard Ratio: 3,53).

Höhere Mortalität auch bei Alternativmedizin als Add-on

»Bei den traditionellen Behandlungsmethoden wurden so große Fortschritte erzielt, dass es uns nicht überraschte, dass Patientinnen, die darauf verzichten, einen weitaus schlechteren Behandlungserfolg haben«, so Studienleiter Professor Dr. Daniel Boffa. »Wir waren jedoch überrascht, dass die Kombinationsgruppe ebenfalls schlechter abschnitt, denn es gibt einige Evidenz, dass komplementäre und alternative Methoden die Nebenwirkungen herkömmlicher Behandlungen mindern können.« Hier war die Mortalität gegenüber alleiniger traditioneller Behandlung um den Faktor 1,45 erhöht, was einer relativen Risikosteigerung um 45 Prozent entspricht.

Die Forschenden stellten fest, dass Patientinnen, die herkömmliche Medizin und CAM kombinierten, einige traditionelle Methoden ausließen, vor allem Hormontherapie und Bestrahlung, was den Befund erklären könnte. »Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung traditioneller Behandlungsmethoden und die negativen Folgen, die entstehen, wenn auch nur ein Teil davon ausgelassen wird«, betont Boffa.

Offen über Wunsch nach Komplementärmedizin sprechen

Die Ärztinnen und Ärzte waren jedoch auch überrascht, wie wenige Patientinnen nach offiziellen Angaben eine CAM zusätzlich zur Standardbehandlung bekommen hatten. Sie vermuten, dass Komplementär- und Alternativmedizin hier viel häufiger in der Selbstmedikation stattfand, aber die Patientinnen nicht mit ihren Behandlern darüber sprachen.

Boffa geht davon aus, dass einige Patientinnen CAM-Methoden in Anspruch genommen haben, wodurch sie die mit der konventionellen Behandlung verbundenen Nebenwirkungen besser bewältigen und die Therapie vollständig abschließen konnten, was zu besseren Gesundheitsergebnissen führte. Das Team konnte dies jedoch nicht weiter untersuchen, da es nicht über ausreichende Informationen verfügte, um diese Frage direkt zu untersuchen.

Das Studienteam betont, wie wichtig es für beide Seiten – Patientinnen wie Ärzte – ist, alle Behandlungsformen anzusprechen und offen darüber zu diskutieren, um eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, die alle Nutzen und Risiken in Betracht zieht. So können beispielsweise in bester Absicht eingenommene Nahrungsergänzungsmittel eine orale Antitumortherapie negativ beeinflussen.

»Für jede Patientin kann der optimale Behandlungsansatz je nach Gesundheitszustand, Erkrankung, Unterstützung und Behandlungszielen unterschiedlich ausfallen«, sagt Boffa. »Der beste Weg, Patienten die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen, besteht darin, alle Faktoren zu erörtern, die ihre Behandlungsentscheidungen beeinflussen, einschließlich ihres Interesses an alternativen Behandlungsmethoden.«

Mehr von Avoxa