Urlaub ist die schönste Jahreszeit – hoffentlich bleiben alle gesund. / © Shutterstock/View Apart
Mücken- und Zeckenstiche sind lästig – aber nicht nur das: Die Insekten können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Früher galt das fast ausschließlich in tropischen Ländern. Inzwischen kommt es immer häufiger vor, dass sich Menschen selbst in Europa mit einer Tropenkrankheit anstecken.
Hauptgrund dafür ist der Klimawandel. Steigende Durchschnittstemperaturen im Sommer wie im Winter führen dazu, dass sich die Verbreitungsgebiete vieler wärmeliebender Insekten und Spinnentiere ausdehnen. Außerdem verlängert die globale Erwärmung die aktive Saison von Stechmücken in gemäßigten Klimaregionen. Das erhöht die Zahl der Stichkontakte und damit das Risiko einer Krankheitsübertragung. Auch die Vermehrungsrate vieler Viren innerhalb der Insekten ist temperaturabhängig: Je wärmer es ist (bis zu einem artspezifischen Optimum), desto schneller wird eine infizierte Mücke selbst infektiös – und desto mehr Blutsauger erreichen dieses Stadium, bevor sie sterben.
Besonders warm ist es oft in Städten. Beton und Asphalt speichern die Hitze und geben sie nachts nur langsam ab. Es fehlt die Verdunstungskühlung durch Pflanzen und Wasserflächen, in den Häuserschluchten stagniert die warme Luft. Diese innerstädtischen Hitzeinseln bieten tropischen Mücken in Europa oft schon klimatische Bedingungen, die ihre Ansiedlung ermöglichen – selbst wenn es in ländlicheren Gebieten noch kühler ist.
Veränderte Niederschlagsmuster tragen ebenfalls zur Ausbreitung bei. Starkregen lässt vermehrt Pfützen und andere Wasserreservoire entstehen. In dazwischenliegenden Trockenperioden wärmen sich diese auf und werden zum idealen Bruthabitat.
Dazu kommt die Globalisierung: Über internationale Handelswege gelangen Mückeneier zum Beispiel an Autoreifen oder Pflanzen nach Europa. Einmal angekommen, finden sie immer häufiger klimatische Bedingungen vor, unter denen sie sich zu fortpflanzungsfähigen Individuen entwickeln können.
An sich sind die Stiche dieser Insekten nicht gefährlicher als die ihrer einheimischen Verwandten. Treffen sie jedoch auf Personen, die sich beispielsweise im Urlaub mit Chikungunya oder Dengue infiziert haben, können sie als Vektoren fungieren und die Erreger beim Blutsaugen an andere Menschen weitergeben. Die Viren, die sie übertragen, werden unabhängig von ihrer Taxonomie als Arboviren (Englisch: arthropod-borne viruses) bezeichnet. Arbovirus-Infektionen sind laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
Weltweit trägt der Klimawandel dazu bei, dass einige Tropeninfektionen wieder auf dem Vormarsch sind – und somit auch häufiger nach Europa importiert werden. Zudem führen bewaffnete Auseinandersetzungen und politische Instabilität in zahlreichen Ländern dazu, dass die Bekämpfung von Infektionen zunehmend ins Hintertreffen gerät. Gleichzeitig verstärken sie Migration und Fluchtbewegungen, mit denen Erreger exportiert werden. Die zum Teil katastrophalen hygienischen Bedingungen und Überfüllung in Flüchtlingslagern an den europäischen Grenzen leisten der Ausbreitung von Infektionen Vorschub.