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ARZNEISTOFFE

Relugolix|Ryeqo®|50|2021

STOFFGRUPPE
50 Hypophysen-, Hypothalamushormone, andere regulatorische Peptide und ihre Hemmstoffe und Analoga
WIRKSTOFF
Relugolix
FERTIGARZNEIMITTEL
Ryeqo®
HERSTELLER

Gedeon Richter

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2021
DARREICHUNGSFORM

40 mg Relugolix/1 mg Estradiol/0,5 mg Norethisteronacetat Filmtabletten

Indikationen

Ryeqo ist indiziert bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Beschwerden infolge von Uterusmyomen, zum Beispiel hohem Blutverlust während der Menstruation, Schmerzen, Müdigkeit und Anämie.

Wirkmechanismus

Relugolix bindet kompetitiv an Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH-)Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und reduziert dosisabhängig die Freisetzung von luteinisierendem und follikelstimulierendem Hormon (LH und FSH) aus der Drüse. In der Folge sinken die Estradiol- und Progesteronspiegel in der Peripherie, die mit dem Myomwachstum assoziiert sind.

 

Da der GnRH-Antagonist in Monotherapie massive klimakterische Beschwerden auslösen würde, wird er kombiniert mit 17β-Estradiol und Norethisteronacetat (NETA), die als Hormonersatztherapie (HRT) wirken. Es resultieren Estradiol-Konzentrationen wie in der frühen follikulären Phase. Diese wirken myombedingten Beschwerden und den Folgen eines Estradiolmangels wie Hitzewallungen und Knochenschwund entgegen. Das synthetische Gestagen NETA verringert das Estrogen-induzierte Risiko für eine Endometrium-Hyperplasie bei Frauen mit intaktem Uterus.

 

Relugolix unterdrückt die Ovulation sehr zuverlässig und bietet nach einmonatiger Anwendung eine sichere Kontrazeption. Im ersten Monat ist noch eine mechanische Verhütung nötig, danach nicht mehr. Die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva ist sogar kontraindiziert.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Filmtablette wird einmal täglich oral und möglichst zur selben Tageszeit eingenommen. Die Anwendung erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten.

 

Wenn die Frau die Einnahme einmal vergisst, muss sie diese schnellstmöglich nachholen. Wird die Einnahme an zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen versäumt, ist der Kontrazeptionsschutz nicht mehr sicher und die Frau muss für die nächsten sieben Tage nicht-hormonell verhüten. Ist es geplant, Ryeqo abzusetzen, muss die Frau wissen, dass sie sehr rasch wieder fertil wird und bei Bedarf anderweitig verhüten muss. Bei Kinderwunsch muss die Medikation abgesetzt werden.

 

Um unregelmäßige und/oder starke Blutungen zu vermeiden, soll die Frau die erste Tablette innerhalb von fünf Tagen nach Beginn der Menstruationsblutung schlucken. Die Therapie kann ohne Unterbrechung bis zum Beginn der Menopause fortgesetzt werden. Danach bilden sich Uterusmyome in der Regel zurück.

 

Vor Therapiebeginn muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Bei Frauen mit Risikofaktoren für Osteoporose oder Knochenschwund soll eine Knochendichtemessung erfolgen. Diese wird auch nach einem Jahr Therapie empfohlen.

Wichtige Wechselwirkungen

Relugolix ist ein Substrat von PGP. Da PGP-Inhibitoren die Exposition von Relugolix erhöhen können, wird die parallele Gabe nicht empfohlen. Dies betrifft zum Beispiel bestimmte Antiinfektiva, Antimykotika, Antihypertensiva, Antiarrhythmika, Angina-pectoris-Medikamente, Ciclosporin sowie HIV- und HCV-Protease-Inhibitoren. Ist eine begleitende Therapie, zum Beispiel mit Azithromycin, unvermeidlich, wird zuerst Relugolix und der PGP-Inhibitor mindestens sechs Stunden später eingenommen. Es ist verstärkt auf Nebenwirkungen zu achten.

 

Die begleitende Anwendung von starken CYP3A4- und/oder PGP-Induktoren wird ebenfalls nicht empfohlen, da die Plasmaspiegel und die Wirkung von Relugolix abnehmen können. Andererseits erhöhen starke CYP3A4-Inhibitoren ohne PGP-Inhibition (Voriconazol) die Exposition von Relugolix nicht klinisch relevant. Wohl aber können CYP-Inhibitoren und -Induktoren die Metabolisierung von Estrogenen und Gestagenen verändern. Dies gilt auch für Johanniskraut-Präparate (Hypericum perforatum), deren langfristige begleitende Anwendung nicht empfohlen wird.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Relugolix waren Hitzewallungen und Uterusblutungen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Kontraindikationen ähneln denen anderer Hormonpräparate: bestehende oder frühere venöse Thromboembolien wie tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie, arterielle thromboembolische kardiovaskuläre Erkrankungen wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall sowie Thrombophilien.

 

Bei Frauen mit Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren, Lebertumoren sowie bei schweren Lebererkrankungen mit erhöhten Leberfunktionswerten ist das Medikament ebenfalls kontraindiziert. Dies gilt auch bei Osteoporose, ungeklärten genitalen Blutungen oder Migräne mit Aura sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Die begleitende Anwendung hormoneller Kontrazeptiva ist ausgeschlossen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In die zulassungsrelevanten 24-wöchigen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien Liberty 1 und 2 (NCT03049735 und NCT03103087 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33596357/) wurden insgesamt 770 Frauen von 18 bis 50 Jahren mit myombedingt starken Monatsblutungen einbezogen. Es gab jeweils drei Studienarme. Die Frauen erhielten die Wirkstoffkombination aus Relugolix, Estradiol und NETA oder Placebo für 24 Wochen. Die dritte Gruppe bekam zunächst zwölf Wochen eine Relugolix-Monotherapie und anschließend zwölf Wochen Ryeqo®. Primärer Endpunkt war eine Reduktion des menstruellen Blutverlusts um mehr als die Hälfte sowie auf weniger als 80 ml in Woche 24 im Vergleich zum Ausgangswert.

 

Diesen primären Endpunkt erreichten fast drei Viertel (73 und 71 Prozent) der Frauen; unter Placebo waren es 19 und 15 Prozent. Mehr als die Hälfte war amenorrhoisch. Die Wirkung trat rasch und anhaltend ein: Schon nach vier Wochen war der menstruelle Blutverlust signifikant verringert und nahm im Therapieverlauf weiter ab. Bei 50 bis 60 Prozent der Frauen mit anfänglicher Anämie (≤ 10,5 g/dl) stieg der Hämoglobinwert signifikant an. Das Myomvolumen nahm aber nicht signifikant ab.

 

Bei Frauen, die über zwölf Wochen die Monotherapie bekommen hatten, sank die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule um -2,0 und -1,92 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Der Unterschied zu Frauen, die von Anfang an Ryeqo® bekommen hatten, war statistisch signifikant. Dies zeigt, dass die Kombination mit einer HRT den Knochenschwund mindern kann. In einer kleinen Gruppe, die das Kombipräparat über 104 Wochen einnahm, entwickelte sich die Knochendichte vergleichbar wie unter Placebo.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Ryeqo sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Ryeqo ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Relugolix

Relugolix

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

relugolix.wrl

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 30.09.2021