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ARZNEISTOFFE

Tolvaptan|Samsca|50|2009

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STOFFGRUPPE
50 Hypophysen-, Hypothalamushormone, andere regulatorische Peptide und ihre Hemmstoffe und Analoga
WIRKSTOFF
Tolvaptan
FERTIGARZNEIMITTEL
Samsca
HERSTELLER

Otsuka Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2009
DARREICHUNGSFORM

15 mg Tabletten
30 mg Tabletten

Indikationen

Samsca ist zugelassen zur Behandlung Erwachsener mit Hyponatriämie beim Syndrom der inadäquaten Sekretion des antidiuretischen Hormons (SIADH).

Wirkmechanismus

Tolvaptan ist der erste orale selektive V2-Vasopressin-Rezeptor-Antagonist in Europa. Er hemmt selektiv und effektiv die durch Vasopressin (Anti-Diuretisches-Hormon, ADH) gesteuerte Rückresorption von freiem Wasser über Aquaporine aus dem Sammelrohr der Niere. Im Vergleich zu Vasopressin hat das Vaptan eine 1,8-fach größere Affinität zum V2-Rezeptor. Die Hemmung des Rezeptors bewirkt eine Steigerung der Wasserdiurese, ohne jedoch die Eletrolytausscheidung zu beeinflussen. Dadurch unterscheiden sich Vasopressin-Rezeptorantagonisten grundlegend von den konventionellen Diuretika.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt einmal täglich 15 mg. Sie kann je nach Verträglichkeit auf maximal 60 mg einmal täglich erhöht werden, um den gewünschten Natriumspiegel im Serum zu erreichen. Während der Dosistitrationsphase ist eine engmaschige Überwachung des Natrium-Serumspiegels und des Volumenstatus notwendig. Deshalb muss die Behandlung im Krankenhaus eingeleitet werden. Die Tabletten sollten am besten morgens unzerkaut mit einem Glas Wasser, keinesfalls mit Grapefruitsaft, geschluckt werden.

Nach der Einnahme wird Tolvaptan schnell resorbiert, Spitzenplasmakonzentrationen werden nach etwa zwei Stunden erreicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 56 Prozent, die Eliminationshalbwertszeit circa acht Stunden. Das Vaptan wird von der Leber umfangreich verstoffwechselt: Weniger als 1 Prozent des intakten Wirkstoffs werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden.

Wichtige Wechselwirkungen

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von CYP-3A4-Hemmern wie Ketoconazol, Makrolid-Antibiotika und Diltiazem. Starke CYP-3A4-Hemmer bewirkten eine Steigerung der Tolvaptan-Plasmakonzentration um das bis zu 5,4-Fache. Die gleichzeitige Verabreichung von Grapefruitsaft erhöhte die Exposition um das 1,8-Fache. Ebenfalls Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Gabe von CYP-3A4-Induktoren wie Rifampicin und Barbituraten. Sie können die Plasmakonzentration des Vaptans um bis zu 87 Prozent verringern. Patienten, die Digoxin erhalten, sollten bei einer Tolvaptan-Behandlung auf übermäßige Digoxin-Wirkungen hin beobachtet werden.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Tolvaptan waren Mundtrockenheit, Durst und Übelkeit.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht angewendet werden sollte Tolvaptan bei Anurie (Harnproduktion von weniger als 100 ml in 24 Stunden), Volumenmangel, hypovolämischer Hyponatriämie, Hypernatriämie, Patienten ohne Durstgefühl sowie in Schwangerschaft/Stillzeit und bei Jugendlichen unter 18 Jahren.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die wichtigsten und größten Untersuchungen zu Tolvaptan waren die beiden zulassungsrelevanten, placebokontrollierten, doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studien SALT 1 und SALT 2 (Study of Ascending Levels of Tolvaptan in Hyponatremia). Insgesamt nahmen 448 Patienten mit SIADH teil, die über 30 Tage entweder Tolvaptan oder Placebo erhielten. Während der gesamten Studiendauer war die Flüssigkeitsaufnahme der Patienten nicht beschränkt. Zu Beginn lag die mittlere Serumnatriumkonzentration der Patienten bei 129 mmol/L. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Serumnatriumkonzentration von der Ausgangswerterhebung bis Tag 4 beziehungsweise Tag 30. Tolvaptan war gegenüber Placebo in beiden Studien und in beiden Zeiträumen hoch signifikant überlegen (p < 0,001). So stieg in SALT 1 in der Tolvaptan-Gruppe der Natriumspiegel von durchschnittlich 128,5 mmol/L auf 133,9 (Tag 4) und auf 135,7 mmol/L (Tag 30) an. Im Vergleich dazu die Werte der Placebogruppe: von durchschnittlich 128,7 auf 129,7 (Tag 4) und 131,0 (Tag 30). Nahezu identische Befunde lieferte SALT 2. Sieben Tage nach Therapieende fielen die Natriumwerte auf das Niveau der mit Placebo behandelten Patienten ab.

Hintergrundinfos

Hyponatriämie bei SIADH: Patienten mit einer Hyponatriämie haben einen Natrium-Serumspiegel kleiner als 135 mmol/L. Sie tritt bei 15 bis zu 30 Prozent aller stationär behandelten Patienten auf und ist damit die häufigste Elektrolytstörung bei Krankenhauspatienten. In schweren Fällen kommt es zu neurologischen Symptomen wie Krampfanfällen oder Koma, während in leichten Fällen Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen beobachtet werden. Eine der häufigsten Ursachen ist das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH, auch Schwartz-Bartter-Syndrom). Dabei handelt es sich um ein bislang wenig bekanntes Krankheitsbild. Es steht im Zusammenhang mit einer inadäquat hohen Freisetzung des antidiuretischen Hormons Vasopressin (ADH), die durch eine Tumorerkrankung oder die Einnahme von ZNS-wirksamen Substanzen wie Antiepileptika, Neuroleptika oder Antidepressiva induziert sein kann. Physiologisch aktiviert Vasopressin die V2-Rezeptoren in der Niere und damit über Aquaporin-Kanäle die Rückresorption von Wasser. Infolge der übermäßigen Vasopressin-Freisetzung werden große Mengen Wasser im Körper zurückgehalten und die Natriumkonzentration sinkt. Bei den bisher verfügbaren Therapien handelte es sich  vor allem um Flüssigkeitsrestriktion und Kochsalz-Infusionen.

Besonderheiten

Samsca ist im Originalkarton aufzubewahren, um das Arzneimittel vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.
Samsca ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Tolvaptan

Tolvaptan

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

tolvaptan.wrl

Weitere Hinweise

Samsca ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten.

Letzte Aktualisierung: 15.10.2015