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ARZNEISTOFFE

Carbetocin|Pabal®|50|2006

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STOFFGRUPPE
50 Hypophysen-, Hypothalamushormone, andere regulatorische Peptide und ihre Hemmstoffe und Analoga
WIRKSTOFF
Carbetocin
FERTIGARZNEIMITTEL
Pabal®
HERSTELLER

Ferring

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2006
DARREICHUNGSFORM

100 µg/ml Injektionslösung

Indikationen

Pabal ist zugelassen zur Vorbeugung einer Uterusatonie nach einem Kaiserschnitt unter epiduraler oder spinaler Anästhesie. Als Uterusatonie bezeichnet man das fehlende Zusammenziehen der Gebärmutter nach der Geburt. Die Kontraktion ist notwendig, um die durch die Ablösung der Plazenta bedingte Blutung zum Stillstand zu bringen.

Wirkmechanismus

Die pharmakologischen Eigenschaften von Carbetocin entsprechen denen eines lang wirksamen Oxytocin-Agonisten. Wie Oxytocin bindet Carbetocin selektiv an Oxytocin-Rezeptoren im glatten Uterusmuskel, stimuliert rhythmische Kontraktionen des Uterus, steigert die Frequenz bereits vorhandener Kontraktionen und erhöht den Tonus der Uterusmuskulatur. Nach der Gabe beginnen die uterinen Kontraktionen rasch mit einer starken Kontraktion innerhalb von zwei Minuten.

Anwendungsweise und -hinweise

In der Regel reicht eine einmalige intravenöse Dosis von 100 µg Carbetocin aus, um die Uterusatonie und übermäßige Blutungen zu verhindern. Dies ist vergleichbar mit einer Oxytocin-Infusion über mehrere Stunden.

 

Carbetocin ist ausdrücklich nur zur einmaligen Anwendung bestimmt. Weitere Dosen dürfen nicht verabreicht werden. Halten die uterinen Blutungen an, sollte die zusätzliche Behandlung mit Oxytocin und/oder Ergometrin in Betracht gezogen werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Es wurden keine Wechselwirkungen mit Analgetika, Spasmolytika und Mitteln zur epiduralen und spinalen Anästhesie beobachtet. Eine schwere Hypertonie kann auftreten, wenn Oxytocin 3 bis 4 Stunden nach der prophylaktischen Gabe eines Vasokonstriktors verabreicht wurde. Dies kann auch mit einem Oxytocin-Agonisten wie Carbetocin auftreten. Zusammen mit Mutterkorn-Alkaloiden können sich die blutdrucksteigernden Wirkungen von Carbetocin verstärken. Prostaglandine können die Wirkung von Oxytocin verstärken. Dies ist auch bei Carbetocin möglich. Eine gleichzeitige Gabe sollte daher nicht erfolgen. Einige Inhalations-Anästhetika können die Wirkung von Carbetocin abschwächen.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen von Carbetocin waren Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Wärmegefühl, Juckreiz sowie eine Hypotonie.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Carbetocin darf nicht während der Wehen vor der Geburt und nicht zur Wehenauslösung angewendet werden. Grundsätzlich sollte Carbetocin bei Patienten mit Migräne, Asthma und kardiovaskulären Erkrankungen oder in anderen Situationen, in denen eine schnelle Erhöhung des extrazellulären Wassers den ohnehin überlasteten Organismus gefährden kann, mit Vorsicht eingesetzt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Pabal beruht unter anderem auf einer Doppelblind-Studie mit 694 Frauen, die mittels eines Kaiserschnitts entbunden hatten. Verglichen wurde die einmalige Gabe von 100 µg Carbetocin (n = 317) mit einer 8-Stunden-Infusion Oxytocin (n = 318). Primärer Endpunkt war die Notwendigkeit einer zusätzlichen Medikation innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem Kaiserschnitt. Die Frauen in der Carbetocin-Gruppe benötigten signifikant weniger zusätzliche Medikamente wie Oxytocin, Methylergometrin oder Prostaglandine als die in der Oxytocin-Gruppe (4,7 versus 10,1 Prozent).

Besonderheiten

Pabal ist bei Temperaturen nicht über 30 °C sowie in der Originalverpackung (Lichtschutz) aufzubewahren.
Pabal ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Carbetocin

Carbetocin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

carbetocin.wrl

Weitere Hinweise

Carbetocin ist in der Schwangerschaft kontraindiziert und darf nicht zur Auslösung von Wehen angewendet werden. Bei stillenden Frauen wurden geringe Mengen Carbetocin in der Muttermilch gefunden, die aber vermutlich im Verdauungssystem des Säuglings abgebaut werden.

Letzte Aktualisierung: 14.01.2016