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ARZNEISTOFFE

Talimogen laherparepvec|Imlygic®|42|2016

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STOFFGRUPPE
42 Gen- und Zelltherapeutika
WIRKSTOFF
Talimogen laherparepvec
FERTIGARZNEIMITTEL
Imlygic®
HERSTELLER

Amgen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2016
DARREICHUNGSFORM

106 plaquebildende Einheiten pro ml Injektionslösung

108 plaquebildende Einheiten pro ml Injektionslösung

Indikationen

Imlygic ist indiziert zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht resezierbarem, lokal oder entfernt metastasiertem Melanom, das nicht in Knochen, Gehirn, Lunge oder andere innere Organe vorgedrungen ist.

Wirkmechanismus

Talimogen laherparepvec (T-Vec) ist ein abgeschwächtes Herpes-simplex(HSV)-1-Virus, das durch die funktionelle Deletion der zwei Gene ICP34.5 und ICP47 und Insertion der kodierenden Sequenz für den humanen Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierenden-Faktor (hGM-CSF) charakterisiert ist. Das Virus wurde so modifiziert, dass es Melanomzellen infizieren und sich darin vermehren kann. Dazu nutzt es deren eigene Mechanismen, überschwemmt die Zellen und tötet sie ab. Dabei werden Tumorantigene freigesetzt. Außerdem veranlasst T-Vec die infizierten Melanomzellen, das Protein GM-CSF zu produzieren. Dieses wiederum stimuliert das patienteneigene Immunsystem, Melanomzellen zu erkennen und zu zerstören. Wissenschaftler nehmen an, dass T-Vec letztlich eine systemische Immunantwort gegen den Tumor und eine Effektor-T-Zell-Antwort fördert. Es handelt sich also um eine Gentherapie mit einem onkolytischen Virus. Imglygic kann zwar auch in gesunde Zellen eindringen, sich aber darin nicht vermehren.

Anwendungsweise und -hinweise

Der Arzt spritzt Imlygic direkt in die Melanome, die sichtbar, tastbar oder im Ultraschall nachweisbar sein müssen (intraläsionale Injektion). Ausgehend von einer Einstichstelle injiziert er das Medikament fächerförmig in das Melanom, um eine gleichmäßige Verteilung der Viren zu erreichen. Das applizierte Volumen hängt von der Größe des Melanoms ab; das Gesamtinjektionsvolumen darf maximal 4 ml betragen. Bei der ersten Behandlung wird die niedriger konzen­trierte Lösung, nach drei Wochen und danach alle 14 Tage die höhere Dosierung verwendet. Die Behandlung wird mindestens sechs Monate lang fortgeführt.

Wichtige Wechselwirkungen

Aciclovir und andere antivirale Arzneistoffe können die Wirksamkeit von Imlygic herabsetzen, wenn sie systemisch oder topisch direkt an der Einstichstelle angewendet werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen (UAW) in Studien zu Imlygic, die mehr als ein Viertel der Patienten betrafen, waren Fatigue, Schüttelfrost, Fieber, Übelkeit, grippeähnliche Erkrankungen und Schmerzen an der Injektionsstelle. Die allermeisten UAW waren mild oder mäßig schwer. Die häufigste schwerere UAW war eine Zellulitis, eine Infektion der oberen Hautschichten. Da Imlygic ein Herpes-Virus enthält, kann diese später erneut aktiv werden und zum Beispiel Lippenherpes auslösen.

 

Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel mit HIV-Infektion oder unter immunsuppressiver Therapie, kann es zur Herpes-Ausbreitung kommen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei schwer immungeschwächten Patienten ist T-Vec kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In der offenen Phase-III-Studie OPTiM wurde Imlygic bei 436 Patienten mit fortgeschrittenem inoperablem Melanom verglichen mit der subkutanen Injektion von GM-CSF. Um verzögerte, immunvermittelte Antitumor-Effekte zu ermöglichen, wurden Patienten für mindestens sechs Monate (oder bis keine injizierbaren Melanome mehr vorhanden waren) behandelt, auch wenn die Läsionen zunächst wuchsen oder neue auftraten. Der primäre Endpunkt war die dauerhafte Ansprechrate (DRR), das heißt der Anteil an Patienten mit komplettem oder partiellem Ansprechen, das mindestens sechs Monate anhielt. Sekundäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (overall survival, OS), die Gesamtansprechrate (overall response rate, ORR), die Zeit bis zum Ansprechen, die Dauer des Ansprechens und die Zeit bis zum Therapieversagen. Unter Imlygic erreichten 16,3 Prozent der Patienten ein dauerhaftes Ansprechen im Vergleich zu 2,1 Prozent unter GM-CSF. Auch die ORR war höher (26,4 versus 5,7 Prozent) und das mediane OS länger (23,3 versus 18,9 Monate). Bis zum Ansprechen auf Imlygic dauerte es rund vier Monate, bis zum Therapieversagen rund acht Monate. Eine Subgruppen-Analyse zeigte, dass die onkolytische Immuntherapie bei Pa­tienten ohne Befall der Lunge oder anderer innerer Organe deutlich besser wirkte als bei schwerer erkrankten Patienten.

Besonderheiten

Die Imlygic-Lösung mit dem lebenden Virus muss tiefgefroren gelagert und transportiert werden und wird vor der Anwendung bei Raum­temperatur aufgetaut.

Imlygic ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Vorsichtshalber sollten die Patienten bei sexuellen Kontakten ein Latexkondom benutzen, um eine potenzielle Übertragung von Imlygic zu vermeiden. Frauen im gebär­fähigen Alter sollten während der Therapie zuverlässig verhüten. Alle Patienten bekommen einen Patientenausweis und müssen über die Risiken informiert werden.

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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020