Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Eflornithin|Vaniqa®|32|2004

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
32 Dermatika
WIRKSTOFF
Eflornithin
FERTIGARZNEIMITTEL
Vaniqa®
HERSTELLER

Almirall

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2004
DARREICHUNGSFORM

11,5 Prozent Creme

Indikationen

Vaniqa ist zugelassen für Frauen mit unerwünschtem Haarwuchs (Hirsutismus) im Gesicht.

Wirkmechanismus

Eflornithin ist ein irreversibler Hemmstoff des Enzyms Ornithin-Decarboxylase, das die Umwandlung von Ornithin in Putrescin und andere Polyamine katalysiert, die ihrerseits an der Regulation von Zellwachstum und -differenzierung, auch im Haarfollikel, beteiligt sind. Dadurch wird die Bildung des Haares verlangsamt.

Anwendungsweise und -hinweise

Vaniqa Creme wird zweimal täglich auf die gereinigte, trockene Haut aufgetragen, einmassiert und dort mindestens vier Stunden belassen. Die Anwendung soll auf Gesicht und Kinn beschränkt werden. Für einen anhaltenden Erfolg ist eine Dauerbehandlung nötig, da sich etwa acht Wochen nach Therapie-Ende der Ausgangszustand wieder einstellt.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Eflornithin waren Brennen, Stechen und Kribbeln der Haut. Bei 14 Prozent der Frauen, die vorher keine Akne hatten, trat diese während der Therapie sowohl mit dem Verum als auch mit der reinen Grundlage auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit der topischen Therapie mit Vaniqa wurden in zwei Studien mit knapp 600 Frauen mit exzessivem Haarwuchs im Gesicht über 24 Wochen geprüft. Als Placebo diente die Cremegrundlage. Gemäß Arzturteil sprach etwa ein Drittel der Frauen sehr gut auf das Verum an („rein, fast rein“ oder „deutliche Besserung“), ein Drittel erlebte eine Besserung und ebenfalls ein Drittel sprach nicht an oder verschlechterte sich sogar. Im Vergleich dazu erzielte keine Frau mit der Cremegrundlage eine reine Haut und nur neun Prozent eine deutliche Besserung, aber bei ebenfalls einem Drittel besserte sich der Haarwuchs. Die Frauen fühlten sich deutlich weniger psychisch belastet; das Verum verminderte signifikant die subjektive Beeinträchtigung durch den Haarwuchs. Erfolge waren nach acht Wochen feststellbar.

Hintergrundinfos

Bei Patienten mit Schlafkrankheit kann Eflornithin, intravenös appliziert, lebensrettend wirken. So wurden Heilungsraten von mehr als 95 Prozent bei Infektionen mit Trypanosoma brucei gambiense erzielt. Diese Erreger, die durch Tsetse-Fliegen übertragen werden, lösen im westlichen und zentralen Afrika die Schlafkrankheit aus. Im fortgeschrittenen Stadium befallen die Parasiten das zentrale Nervensystem und führen zu Symptomen wie Verwirrung, Kopfschmerzen, Krämpfen, Somnolenz und Apathie bis hin zum Koma. Ohne Behandlung sterben die Patienten. Bei der Eflornithin-Therapie werden zwei Wochen lang 100 mg/kg Körpergewicht alle sechs Stunden intravenös infundiert. Bis zu einer halben Million Menschen sind nach WHO-Angaben von der Krankheit betroffen, etwa 60 Millionen Afrikaner sind gefährdet. (Wagner, U., Hohmann, C., Reise- und Infektionskrankheiten. PZ-Schriftenreihe, Bd. 14, S. 184 - 187, Govi 2004)

Besonderheiten

Vaniqa ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.

Vaniqa ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Eflornithin

Eflornithin

Weitere Hinweise

Frauen, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, sollten eine andere Methode zur Haarentfernung wählen. Während der Stillzeit sollten Frauen Vaniqa ebenfalls nicht anwenden.

Letzte Aktualisierung: 13.05.2016