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Opioidkrise in den USA
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Analyse, Lehren und mögliche Auswege

Wie ist es zur Opioidkrise in den USA gekommen, und können wir ein ähnliches Ereignis in Deutschland verhindern? Eine kritische Analyse der Entwicklung und ein Blick in die Pipeline: Gibt es neue Alternativen zu den Opioiden?
AutorKontaktEdith Bennack
AutorKontaktUlrike Holzgrabe
Datum 12.07.2026  08:00 Uhr

Stabilere Formulierung

Später versuchte Purdue-Pharma, die Tabletten unzerstörbar zu machen, damit diese missbräuchliche Nutzung nicht mehr möglich war. Damit gaben die Sacklers indirekt zu, dass das Medikament von vielen Millionen Amerikanern missbräuchlich angewendet wird. So kam es zu einer steigenden Anzahl an Todesfällen; die Abbildung 1 zeigt die Todesfallzahl in den USA durch verschreibungspflichtige Opioide von 1999 bis 2023.

Mit Neueinführung der »stabilen« Oxycodon-Formulierung wechselten viele Süchtige zu dem stärker wirksamen und leichter verfügbaren Heroin, das von mexikanischen Opium-Plantagen (Bundesstaat Nayarit) stammte. So wurde um das Jahr 2010 aus der OxyContin®-Epidemie eine Heroin-Epidemie.

Später wurde Heroin von dem rein synthetisch herstellbaren Fentanyl verdrängt, dessen Produktion viel preiswerter ist, denn es waren keine Plantagen mehr notwendig. Außerdem ist Fentanyl 50- bis 100-mal analgetisch wirksamer als Morphin.

Fentanyl kommt

Das von Paul Janssen 1961 entdeckte Fentanyl, eine Strukturvariation von Pethidin und Methadon (20), wird seit 2013 größtenteils illegal in China hergestellt. Als allerdings 2019 Herstellung, Verkauf und Anwendung von Fentanyl in China streng kontrolliert wurden, wurde der Arzneistoff in Mexiko synthetisiert, und zwar mit Rohstoffen aus China und Indien. Er wird in Autos und Lastwagen über offizielle Grenzübergänge in die USA geschleust (21).

Seit 2013 beginnt Fentanyl immer wichtiger zu werden (Abbildung 2). Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Februar 2026, dass Fentanyl knapp sei, was daran liegt, dass sich China und die USA Ende 2025 darauf geeinigt haben, dass China keine Ausgangsmaterialien für die Herstellung dieses Opioids mehr liefern darf, und zwar nicht nur nicht an die USA, sondern auch an andere Teile der Welt (22). Allerdings wurde laut Statista schon seit 2023 ein Rückgang der Zahl der Sterbefälle beobachtet (Abbildung 2).

Damit ist noch lange keine Lösung des Problems in Sicht, denn oft werden Opioide zusammen mit wirkungsverstärkenden Arzneistoffen von süchtigen Personen konsumiert. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) berichteten 2023 von einer Zunahme der Todesfälle von 260 im Jahr 2014 auf 3480 im Jahr 2021, verursacht durch die Einnahme von Fentanyl-Xylazin-Mischungen, die in der Szene »Zombie-Drug« oder »Tranq« genannt werden.

Xylazin ist ein zentral wirksamer α2-Agonist, der die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin hemmt und dadurch nicht nur beruhigend und analgetisch wirkt, sondern auch Euphorie hervorruft. Damit verstärkt es die Fentanyl-Wirkung. Gefährlich ist, dass der periphere Gefäßwiderstand, die Herzfrequenz und der Blutdruck abnehmen. Gegen das 1972 als Veterinärmedikament zugelassene Xylazin gibt es kein Gegenmittel bei Überdosierung (23).

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