Die Sacklers haben bis zum Schluss bestritten, dass OxyContin® süchtig macht. Purdue Pharma hat im Lauf der Jahre viele Millionen Dollar für außergerichtliche Vergleichsverfahren ausgegeben, damit die Suchtentstehung gar nicht erst verhandelt wird (24). 2020 sah sich Purdue Pharma Tausenden Klageverfahren gegenüber und meldete schon 2019 Insolvenz an. 2020 gestand das Unternehmen sich schuldig der Verschwörung zum Betrug (25). Deshalb handelte es den Plan aus, dass es bis 2024 aufgelöst würde, um wieder neu gegründet werden zu können.
Die Sackler-Familie und Purdue Pharma verpflichteten sich zu einer Zahlung von circa 7,4 Milliarden US-Dollar. Purdue Pharma soll davon 900 Millionen zahlen und die Familie den Rest über einen Zeitraum von 18 Jahren. Das Geld soll zur Unterstützung von Programmen zur Behandlung und Heilung von Opioidabhängigen sowie zur Prävention eingesetzt werden. Dafür wurde der Familie Immunität vor weiteren Zivilklagen zugesagt (26).
Das Konkursverfahren wurde im August 2023 auf Antrag des Obersten US-Gerichtshofs ausgesetzt; 2024 hat dieser das Insolvenzverfahren verworfen (26).
Kurz gesagt: Nein, auf keinen Fall in der Dramatik wie diejenige in den USA. Im Unterschied zu Aussagen, zum Beispiel in der Hessenschau (3), sind sich Fachleute darin einig und sehen als einen gewichtigen Grund dafür unser Betäubungsmittelrecht.
Allerdings gibt es einen neuen Trend: Jugendliche kaufen vermehrt im Internet illegal Tilidin, Oxycodon und Benzodiazepine, konsumieren diese Stoffe und sterben daran leider auch (27).
Im März 2025 wurden im »Bulletin zur Arzneimittelsicherheit« die Auswertungen der Abrechnungsdaten von vier großen gesetzlichen Krankenkassen zur Anwendung Opioid-haltiger Analgetika in Deutschland veröffentlicht, die auf den Daten der Forschungsdatenbank GePaRD (German Pharmacoepidemiological Research Database) basieren (28). Es zeigt sich, dass die Verordnungen von 2005 bis 2016 anstiegen und seitdem wieder zurückgehen, den Stand von 2006 allerdings nicht wieder erreicht haben.
Fentanyl war 2020 das am häufigsten verordnete Opioid, gefolgt von Hydromorphon, der Kombination von Tilidin und Naloxon, Oxycodon, Tapentadol, Oxycodon plus Naloxon, Tramadol, Morphin und Buprenorphin. Beobachtet wurde, dass bei abnehmender Zahl von Verordnungen die Stärke der oralen Morphin-Äquivalente (OME) anstieg: Es wurden also höhere Dosen verordnet. Besonders zu beachten sind sicherlich die Verordnungen bei älteren Menschen, denn in der Gruppe der Über-60-Jährigen nahm die Verordnung höherer Dosen am meisten zu.