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Opioidkrise in den USA
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Analyse, Lehren und mögliche Auswege

Wie ist es zur Opioidkrise in den USA gekommen, und können wir ein ähnliches Ereignis in Deutschland verhindern? Eine kritische Analyse der Entwicklung und ein Blick in die Pipeline: Gibt es neue Alternativen zu den Opioiden?
AutorKontaktEdith Bennack
AutorKontaktUlrike Holzgrabe
Datum 12.07.2026  08:00 Uhr

Ein »Letter« im New England Journal of Medicine

Purdue-Pharma und damit die Familie Sackler haben immer bestritten, dass man von OxyContin® abhängig wird. Der folgende Artikel war eine Rechtfertigung für diese Behauptung: Im Jahr 1980 wurde von Porter und Jick im »New England Journal of Medicine« ein »Letter« an den Editor publiziert, der aus nur fünf (!) Sätzen bestand (15). Hier heißt es, dass man Abhängigkeit von Narkotika bei 39.946 hospitalisierten Patienten untersucht und nur vier Fälle von Abhängigkeit gefunden habe.

Laut Leung, Macdonald et al. (16) wurde dieser »Brief« insbesondere nach Einführung von OxyContin® 608-mal unkritisch zitiert, ohne dass die Autoren jeweils erwähnten, dass es sich bei der Studie um hospitalisierte Patienten handelte. Die Autoren nehmen an, dass dieser Brief von 1980 eine der Ursachen dafür ist, dass es im untersuchten Zeitraum von 1999 bis 2015 mehr als 183.000 Tote und Millionen von Menschen mit Opioidsucht nach Verschreibung von OxyContin® in den USA gegeben hat.

Dazu kam die intensive Werbung, häufig durch sehr gut bezahlte Vorträge von Ärzten für Ärzte (17). Außerdem wurden Gratisproben an Schmerzpatienten im Rahmen eines Gutscheinprogramms vergeben (18). Außerdem wurden die Ärztinnen und Ärzte von den Purdue-Verkaufsvertretern dazu gedrängt, die Dosierung bei den Patienten immer weiter »aufzutitrieren« (19).

Die anfangs zweifelnden Mediziner, die um die Suchtgefahr der Opioide wussten, wurden mit hoch dosierten Ärztemustern versorgt (bis 160 mg) und überredet, OxyContin® bei allen möglichen Indikationen, zum Beispiel Rückenschmerzen, zu verschreiben. Daran hing auch ein Belohnungssystem sowohl für die Ärzte als auch für die Purdue-Vertreter (17, 18), denn die Verschreibungszahlen in den einzelnen Regionen wurden von Purdue-Pharma äußerst genau verfolgt.

Die hohen Dosierungen dienten allein der Erhöhung des Profits der Firma. Üblich sind zur Behandlung von mäßigen bis starken Schmerzen nur 10 (bis 30) mg für Erwachsene im Abstand von zwölf Stunden. Die Retardtablette OxyContin® sollte zwölf Stunden wirksam sein. Allerdings war deren Halbwertszeit geringer, sodass viele Patienten begannen, mehr als zwei Tabletten pro Tag einzunehmen, was den Weg in die Sucht ebnete. Am Ende versuchten die süchtigen Patienten, das verschreibungspflichtige Arzneimittel auf dem Schwarzmarkt zu organisieren.

Außerdem konnte man Oxycodon aus den Tabletten extrahieren, sodass es injiziert oder vermahlen und direkt geschluckt werden konnte. Dies hebelt den Retardmechanismus aus und führt nach der Applikation zu dem gewünschten euphorischen Effekt.

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