Die S3-Leitlinie GeriPAIN (29) aus dem Jahr 2025, die Empfehlungen zum Schmerzmanagement bei geriatrischen Patienten gibt, weist bereits einleitend darauf hin, dass auch nicht medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle spielen sollten und dass bei Notwendigkeit einer analgetischen Therapie mit niedrigen Dosen begonnen werden sollte. Damit wird der Gefahr von Wechselwirkungen Rechnung getragen.
Ausdrücklich werden die FORTA- und die PRISCUS-Liste erwähnt, um geeignete Medikamente zu wählen, damit es bezüglich der QT-Zeit-Verlängerung, eines möglichen Serotonin-Syndroms oder der anticholinergen Last mehrerer gleichzeitig eingenommener Arzneimittel nicht zu Problemen kommt.
Nicht medikamentöse Therapien wie Physio- oder Ergotherapie sollten eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Nicht-Tumorschmerzen spielen. / © Shutterstock/Lopolo
Auch die S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht tumorbedingten Schmerzen »LONTS« (30) in der aktualisierten Fassung von 2020 sieht nur wenige potenzielle Indikationen für Opioide. Sie verweist ebenfalls auf nicht medikamentöse Optionen und medikamentöse Alternativen. Explizit wird gesagt, dass in keiner deutschen Leitlinie zu nicht tumorbedingten Schmerzsyndromen Opioide Therapien der ersten Wahl sind.
Falls Opioide nötig sind, geben die Autoren der Leitlinie den lang wirksamen eindeutig den Vorzug vor den kurz wirksamen und lehnen ultrakurz wirksame, buccal oder nasal zu verabreichende Opioide als Bedarfsmedikamente ab. Sie begründen das mit dem hohen Missbrauchspotenzial dieser Darreichungsformen.
Sind nicht medikamentöse Therapien wirkungslos und kommen andere Arzneistoffgruppen wie NSAR nicht infrage (Stichwort »triple whammy«: fatale Kombination aus RAAS-Hemmstoffen plus Diuretika plus NSAR, die zu einer massiven Nierenfunktionsverschlechterung führen kann), sollte mit der niedrigsten Opioiddosis begonnen werden. Steigerungen sollten unter Beachtung der individuellen Neben- und Wechselwirkungen gut überlegte Einzelfallentscheidungen sein. Hilfreich zur Dosisfindung kann der in der Tabelle angegebene Dosisbereich sein.
Empfehlungen, welche Opioide geeignet oder ungeeignet sind, gibt aufgrund der uneinheitlichen Datenlage keine der Leitlinien.
| Opioid | Dosisbereich | Durchschnittliche Dosis |
|---|---|---|
| Buprenorphin transdermal | 5 bis 40 µg/h | 14 µg/h |
| Hydromorphon | 8 bis 32 mg/d | 17 mg/d |
| Morphin | maximal 90 mg/d | die Hälfte der Patienten nahm 60 mg/d |
| Oxycodon | 20 bis 140 mg/d | mittlere Dosis in einer Studie 44 mg/d |
| Oxycodon/Naloxon | maximal 120/60 mg/d | 44/22 mg/d |
| Tapentadol | 100 bis 500 mg/d | 368 mg/d |