Die ersten Sacklers, Isaak und Sophie, haben ihren Söhnen Arthur, Mortimer und Raymond als Vermächtnis mitgegeben, dass man um Anerkennung ringen muss. Die Söhne, alle drei Mediziner, sind diesen Weg gegangen. Ihr Ziel war es, mit Arzneimitteltherapien Geld zu verdienen – oder soll man sagen: anzuhäufen.
Arthur, das ungekrönte Oberhaupt der Familie und Psychiater, vermarktete Valium für die Pharmafirma Roche. Er erfand für Valium eine neue Krankheit: »psychic tension« – man könnte es mit Stress bezeichnen, um damit jedem Amerikaner einen Grund zu geben, Valium zu schlucken (4).
Das Konzept, das Arthur entwickelt hatte, war die direkte Ansprache der Ärzte durch Artikel in Fachzeitschriften wie dem »New England Journal of Medicine« und dem »Medical Tribune«, die sich beide teilweise aus Anzeigen finanzierten (5). Die wissenschaftlichen Artikel stammten zum großen Teil aus seiner Feder.
»Mother̕s little helper« (Rolling Stones) wurde so zum ersten Blockbuster der Welt. Dafür erhielt er von Hoffmann-La Roche so viel Geld, dass er große Mengen Kunstgegenstände, insbesondere aus China, sammeln konnte, die er später an das Smithsonian Institute übergab, das eine Arthur M. Sackler-Galerie einrichtete (Kasten).
Mit diesem Konzept gerierten sich später die Sacklers als Kunstmäzene, um damit Anerkennung unter den Reichen Amerikas zu erringen. Die aggressive Vermarktung von Arzneimitteln und die Unterstützung von Kulturinstituten sollte die Sacklers in der Zukunft begleiten.

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Hier nicht im Detail dargestellt ist das Bestreben der Familie Sackler, sich philanthropisch zu betätigen. Sie gehörten phasenweise zu den reichsten Menschen der Welt, allein durch den Verkauf nur eines Medikaments: OxyContin®.
Trotzdem gehörten sie nicht in die Riege der Rockefellers, Vanderbilts oder DuPonts. Deshalb hat man eine Vielzahl von Stiftungen finanziert, angefangen mit der Schenkung der chinesischen Kunstgegenstände an das Smithsonian Institute durch Arthur Sackler.
Aber auch das Metropolitan Museum of Art, das American Museum of Natural History oder das Guggenheim Museum haben davon profitiert, ebenso die Modern Tate Gallery in London, der Louvre in Paris oder das Menuhin-Festival in Gstaad (CH). Im Gegenzug haben sie Galerien und Anbauten ihrer Museen nach den Sacklers benannt.
Die Universitäten Oxford, Tel Aviv, Yale, Harvard oder Cornell und das King’s College London haben Gebäude sowie Forschungseinrichtungen und -gelder erhalten. Und dies ist keine vollständige Aufzählung. Viele Institutionen, zum Beispiel das Metropolitan Museum of Art (6), distanzierten sich von den Sacklers und haben keine weiteren Gelder angenommen, als es zu den Prozessen kam. 2023 wurde der Name Sackler bei fast allen geförderten Institutionen entfernt.
Details hat Patrick Radden Keefe in seinem Buch »Imperium der Schmerzen – wie eine Familie die weltweite Opioid-Krise auslöste« zusammengestellt, das im Carl-Hanser-Verlag 2025 erschienen ist.
Die Brüder kauften 1952 die Pharmafirma Purdue-Frederick, die anfangs OTC-Medikamente wie Abführmittel und Ohrentropfen vertrieb. Anfang der 1990er-Jahre entwickelte die Firma, die von Raymond und Mortimer geleitet wurde, eine Oxycodon-Formulierung, aus der der Wirkstoff nur langsam freigesetzt wurde. Aggressiv wurde nun propagiert, dass durch das langsame Anfluten keine Abhängigkeitsgefahr bestünde (7, 8, 9).
Opioide wie Oxycodon und Fentanyl werden zulassungsgemäß zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt. Oft sind es Tumorpatienten, die Opioidanalgetika benötigen. / © Imago/Zoonar
Curtis Wright IV, der seit 1990 die FDA-Abteilung für anästhetische, intensivmedizinische und suchtmedizinische Medikamente leitete (10), setzte 1995 die Zulassung in den USA durch. Er verließ im darauffolgenden Jahr die Agentur, um nach einem kurzen Zwischenspiel bei Adolor bei Purdue-Pharma anzufangen, was ihm im ersten Jahr 400.000 US-Dollar einbrachte (11, 12).
Mundipharma, eine hundertprozentige Purdue-Tochter, die von Raymond und Mortimer Sackler 1967 in Frankfurt gegründet worden war, führte 1998 Oxycodon als Oxygesic® in Deutschland ein, obgleich das als Eukodal® vermarktete Oxycodon 1990 wegen Missbrauchs- und Suchtpotenzials vom Markt genommen worden war (13). Auch hier wird betont, dass alle Probleme weniger ausgeprägt seien, die Verträglichkeit und Wirksamkeit besser seien und es praktisch keine Abhängigkeit gebe (13, 14). Oxygesic® wurde schnell zu dem am meisten verordneten oralen Opioid (13).