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Mausmodell
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Screening findet 90 versteckte Treibergene für Brustkrebs

Rund 90 Prozent aller soliden Tumoren sind aneuploid, das heißt, die Zahl der Chromosomen weicht von den üblichen 46 Chromosomen ab. Im Mittel ist die Hälfte des Genoms betroffen. Diese großflächigen Kopienzahlveränderungen sind nicht nur ein chaotisches Rauschen einer instabilen Krebszelle. Jetzt konnte gezeigt werden, dass diese Unordnung das Tumorwachstum fördert.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 09.07.2026  18:00 Uhr
Screening findet 90 versteckte Treibergene für Brustkrebs

Ein Team um Professor Dr. Khalid Al-Zahrani vom Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute am Mount Sinai Hospital in Toronto, Kanada, beschreibt in einer aktuellen Publikation im Fachblatt »Nature« eine funktionelle Kartierung von Genen auf amplifizierten oder deletierten Chromosomenarmen in aneuploiden Tumorzellen, die das Tumorwachstum beschleunigen können. Die Forschenden identifizierten 90 sogenannte Treibergene, von denen 81 bislang gar nicht als Krebsgene geführt wurden.

Dieses Ergebnis erzielte das Team mit einer neuen Screening-Plattform, die das Akronym »CRISPR-KOALA« trägt. KOALA steht für KnockOut- and Activation-Linked Assay. Vereinfachend zusammengefasst, gelang es den Forschenden mit dieser Methode, Gen-Inaktivierungen (Gene Knockouts) und Gen-Aktivierungen in einem einzigen lentiviralen Konstrukt zu vereinigen, um so in immunkompetenten, isogenen Mausmodellen, die die Cas9-Komponente des CRISPR-Cas9-Systems stabil exprimieren, Tumorsuppressoren und Onkogene parallel und in ihrem physiologischen Gewebekontext statt in der Zellkultur zu identifizieren.

Aggressiver Brustkrebs als Modell

Dies zeigten die Forschenden am Beispiel des basalähnlichen Mammakarzinoms (BLBC), des aggressivsten Brustkrebssubtyps. Dieser ist durch den Verlust des Tumorsuppressorgens p53 (TP53) und eine ausgeprägte Last an Kopienzahlveränderungen der Chromosomen (CNA-Last) charakterisiert und betrifft überproportional jüngere, prämenopausale Frauen.

Die Forschenden definierten die zehn häufigsten armweiten CNA des BLBC und durchmusterten die analogen Mausorthologe von 3752 darauf liegenden Genen in einer Kohorte von 471 Tieren, die etwa ein Fünftel des Genoms funktionell abdecken.

Sie zeigten, dass die von ihnen entdeckten 90 Treibergene unterschiedliche Signalwege bedienen, darunter den MAP-Kinase-Signalweg, den HIPPO-Signalweg, der eine Schlüsselrolle in der Regeneration und Differenzierung spielt und häufig bei Krebs dereguliert ist, und den WNT-Signalweg.

Bemerkenswert ist die Architektur der Selektion der Treibergene. Jede CNA folgt einer Hierarchie aus meist einem oder zwei dominanten Treibern plus mehreren schwach penetranten Genen. Das präzisiert die sogenannte Gen-Insel-Hypothese, wonach Chromosomenarme geballt mehrere Krebsgene tragen: In der Praxis stammt der Großteil des Selektionsvorteils allerdings von wenigen Kandidaten.

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