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Opioidkrise in den USA
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Analyse, Lehren und mögliche Auswege

Wie ist es zur Opioidkrise in den USA gekommen, und können wir ein ähnliches Ereignis in Deutschland verhindern? Eine kritische Analyse der Entwicklung und ein Blick in die Pipeline: Gibt es neue Alternativen zu den Opioiden?
AutorKontaktEdith Bennack
AutorKontaktUlrike Holzgrabe
Datum 12.07.2026  08:00 Uhr

Neue Analgetika, die an Opioidrezeptoren wirken

Zentrales Ziel der modernen Schmerzforschung ist es, Opioide ohne schwere Nebenwirkungen wie Atemdepression und ohne Toleranz- und Suchtentwicklung zu finden. Dazu gibt es mehrere Ansätze. Anfangs wollte man dieses Ziel erreichen, indem man selektive Wirkstoffe, Agonisten oder Partialagonisten für die verschiedenen Opioidrezeptorsubtypen µ, δ und κ entwickelte (Kasten Pharmakologie S. 32).

Pentazocin ist ein κ- und nur schwacher µ-Agonist, aber aufgrund seines Abhängigkeitspotenzials nicht im Handel. Buprenorphin ist ein partieller Agonist am µ-Rezeptor und Antagonist am κ-Rezeptor, was zu Schmerzlinderung (Analgesie) und Unterdrückung von Entzugserscheinungen führt. Es hat neben vielen Vorteilen das Problem des Entzugssyndroms und der Atemdepression (31).

Alternativ adressiert der Wirkstoff AT121 (Abbildung 3) neben dem µ-Opioidrezeptor auch den Nociceptin/Orphanin-FQ-Peptid-Rezeptor (NOP). Dieser dualtherapeutische Ansatz führt zu guter Analgesie; im Tierversuch an Primaten wurden bei Morphin-adäquaten Dosen keine Atemdepression oder Toleranz beobachtet (32, 33). Die Autoren vermuten eine geringe Missbrauchsgefahr, aber es fehlen noch Langzeitstudien.

Da viele Nebenwirkungen von µ-Agonisten durch die Arrestin-Rekrutierung und dessen Signalling hervorgerufen werden (Kasten), versucht man seit Längerem, Substanzen zu entwickeln, die überwiegend eine Gi-Aktivierung bewirken (biased Signalling). Dafür muss man das typische Opioid-Grundgerüst verlassen. Oliceridin ist ein selektiver µ-Agonist mit biased Agonismus, der nicht auf β-Arrestin wirkt (Abbildung 3). Das 2020 von der FDA zugelassene Olinvyk® wurde aber gleich nach der Zulassung aufgrund seiner euphorisierenden Wirkung und des Missbrauchspotenzials in die Liste der kontrollierten Substanzen aufgenommen.

Mit strukturbasiertem Modelling fand die Arbeitsgruppe Gmeiner/Kobilka das Harnstoffderivat PZM21 (Abbildung 3), das ebenfalls nur den Gi-Signalweg anschaltet, allerdings im Tail-Flick-Test kaum analgetisch wirkte und nur bedingt die Abhängigkeit verhinderte (34, 35). Die Substanzklasse wurde in der Gruppe weiter in Bezug auf den G-Protein-Bias optimiert (36), ist aber von humaner Anwendung noch weit entfernt.

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