Vor Einleitung einer Therapie ist eine diagnostische Abklärung unter Ausschluss anderer ILD erforderlich. Weiterhin müssen die Krankheitsschwere und individuelle Prognose ermittelt werden, um einen maßgeschneiderten Therapieplan zu erstellen.
Aktuell gibt es keine kurativen Therapieoptionen, da die entstandene Vernarbung des Lungengewebes nicht reversibel ist. Aktuelle Therapien setzen auf eine verminderte Progression der Erkrankung, eine Verlängerung der Lebenszeit, eine Verminderung von Exazerbationen sowie auf eine Kontrolle der bestehenden Symptome. Aktuell sind in der EU die antifibrotischen Wirkstoffe Nerandomilast, Nintedanib und Pirfenidon zugelassen.
Die Autoren der S2k-Leitlinie »Pharmakotherapie der idiopathischen Lungenfibrose (ein Update) und anderer progredienter pulmonaler Fibrosen« (AMWF-Registernummer: 020-025) empfehlen, dass alle Patienten mit IPF »mit einem der aktuell zugelassenen Antifibrotika« behandelt werden sollen. Da die Leitlinie aus dem Jahr 2022 stammt, enthält sie noch keine Empfehlungen für Nerandomilast.
Vergleichsstudien zwischen den antifibrotischen Wirkstoffen fehlen. Daher sollte die Auswahl anhand von Faktoren wie Nebenwirkungsprofil, Komorbiditäten, Komedikation, Lebensstil und persönlicher Präferenz des Patienten getroffen werden. Eine Kombinationstherapie wird außerhalb klinisch kontrollierter Studien aktuell nicht empfohlen. Ein Therapiewechsel sollte bei nicht beherrschbaren Nebenwirkungen oder Progression trotz mehrmonatiger antifibrotischer Therapie in Betracht gezogen werden.
Der jüngste antifibrotische Vertreter ist der orale, selektive Phosphodiesterase-4B(PDE4B)-Inhibitor Nerandomilast. Er erhielt im Juli die EU-Zulassung.
Durch die Hemmung der PDE4 wird der Abbau von zyklischem Adenosinmonophosphat unterbunden, was zu antifibrotischen und immunmodulatorischen Effekten führt. Klinisch zeigt sich ein reduzierter Abfall der FVC.
Die Dosierung sollte an eine antifibrotische Komedikation und die individuelle Verträglichkeit angepasst werden. Die empfohlene Dosis beträgt 18 mg zweimal täglich. Wird sie aufgrund von Nebenwirkungen nicht vertragen, kann eine Reduktion auf 9 mg zweimal täglich erforderlich sein. Bei Kombination mit dem antifibrotischen Wirkstoff Pirfenidon wird keine Dosisreduktion empfohlen. Nerandomilast kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Untersuchungen zeigen eine relativ gute Verträglichkeit. Die häufigste Nebenwirkung ist Durchfall, der vor allem unter Kombination mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib zu Therapieabbrüchen führen kann.
Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion wurden keine relevanten Unterschiede der Pharmakokinetik beobachtet. Die Anwendung bei terminaler Niereninsuffizienz oder schwerer Leberfunktionsstörung wurde jedoch bisher nicht in Studien untersucht.
Nerandomilast wird über CYP3A4 metabolisiert. Bei gleichzeitiger Einnahme von starken CYP3A4-Inhibitoren wird eine Dosisreduktion auf 9 mg zweimal täglich empfohlen. Bei schwachen bis mäßigen CYP3A4-Inhibitoren ist keine Dosisanpassung erforderlich. Eine gleichzeitige Anwendung von moderaten und starken CYP3A4-Induktoren wird aufgrund einer potenziell verminderten Wirksamkeit nicht empfohlen.