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Lungenfibrose
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Nerandomilast im Handel

Seit Mitte August ist das Nerandomilast-haltige Präparat Jascayd® 9 und 18 mg Filmtabletten von Boehringer Ingelheim auf dem deutschen Markt. Zugelassen ist es zur Behandlung von Erwachsenen mit idiopathischer oder progredienter Lungenfibrose.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 28.08.2026  08:00 Uhr

Kennzeichen der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) und der progredienten Lungenfibrose (PPF) ist eine nicht umkehrbare Zunahme von Narbengewebe in der Lunge. Dadurch kann das Organ nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen und in den Blutkreislauf abgeben. Typische Symptome sind anhaltender trockener Husten, Atemnot bei Belastung, Müdigkeit sowie Trommelschlegelfinger und -zehen (Verdickung und Abrundung der Finger- oder Zehenspitzen).

Während die Krankheitsursache bei IPF nicht bekannt ist, kann die Vernarbung der Lunge bei PPF zum Beispiel mit einer bestehenden Grunderkrankung wie rheumatoider Arthritis oder systemischer Sklerose zusammenhängen. Weitere mögliche Auslöser sind bestimmte eingeatmete Substanzen wie Asbest oder Schimmel.

Für die Behandlung der IPF gibt es bereits seit einigen Jahren die Wirkstoffe Pirfenidon und Nintedanib. Letzteres ist auch zugelassen zur Behandlung anderer chronisch-progredient fibrosierender interstitieller Lungenerkrankungen. Dennoch gibt es Bedarf an weiteren Therapieoptionen. Mit Nerandomilast ist eine solche nun in den deutschen Handel gekommen.

Neuer PDE4-Hemmer

Nerandomilast wirkt als selektiver Inhibitor der Phosphodiesterase 4 (PDE4) mit einer Präferenz für die Hemmung des Isoenzyms PDE4B. In‑vitro-Daten zeigen eine 9‑fache Selektivität gegenüber PDE4D, eine 24‑fache Selektivität gegenüber PDE4A und eine 870‑fache Selektivität gegenüber PDE4C. Nerandomilast hat sowohl antifibrotische als auch immunmodulatorische Effekte, da die bevorzugte Inhibition von PDE4B den intrazellulären cAMP-Spiegel erhöht und die Expression profibrotischer Wachstumsfaktoren und entzündungsfördernder Zytokine reduziert, die bei fibrotischen Lungenerkrankungen überexprimiert sind.

Basis der Zulassung sind die Ergebnisse der Phase-III-Studien FIBRONEER-IPF und FIBRONEER-ILD. In diesen randomisierten und doppelblinden Studien wurde Nerandomilast bei Patienten mit IPF (n = 1177) beziehungsweise PPF (n = 1178) – jeweils mit und ohne begleitende antifibrotische Therapie – untersucht.

Beide Studien erreichten mit Nerandomilast in den Dosierungen 9 mg und 18 mg jeweils zweimal täglich den primären Endpunkt: eine signifikante Reduktion des Verlusts an forcierter Vitalkapazität (FVC) nach 52 Wochen im Vergleich zu Placebo. Bei IPF-Patienten in FIBRONEER-IPF sank die FVC unter Placebo um 183 ml, unter zweimal täglich 9 mg Nerandomilast um 139 ml und unter zweimal täglich 18 mg Nerandomilast um 115 ml. Bei PPF-Patienten in FIBRONEER-ILD sank die FVC unter Placebo um 166 ml, unter zweimal täglich 9 mg Nerandomilast um 85 ml und unter zweimal täglich 18 mg Nerandomilast um 99 ml.

Der wichtigste sekundäre Endpunkt war die Zeit bis zum ersten Auftreten einer der Komponenten des kombinierten Endpunkts: erste akute IPF‑Exazerbation (FIBRONEER-IPF) beziehungsweise erste akute Exazerbation der interstitiellen Lungenerkrankung (FIBRONEER-ILD), erste Hospitalisierung aufgrund einer respiratorischen Ursache oder Tod während der Studiendauer.

In FIBRONEER-IPF ergab sich hinsichtlich dieses kombinierten sekundären Endpunkts insgesamt kein statistisch signifikanter Behandlungsunterschied bei den Gruppen mit Nerandomilast im Vergleich zu Placebo. In FIBRONEER-ILD war das Risiko für diesen sekundären Endpunkt für beide Nerandomilast-Dosisgruppen im Vergleich zu Placebo nur numerisch geringer.

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