| Sven Siebenand |
| 28.08.2026 08:00 Uhr |
Die empfohlene Dosis von Nerandomilast beträgt 18 mg zweimal täglich in einem ungefähren Abstand von zwölf Stunden. Wenn ein Patient die Medikation aufgrund von Durchfall oder Gewichtsverlust nicht verträgt, kann die Dosierung auf zweimal täglich 9 mg reduziert werden.
Diese Dosisreduktion muss erfolgen, wenn sich in der Begleitmedikation ein starker CYP3A-Hemmer befindet. Andersherum darf bei gleichzeitiger Anwendung mit starken oder mäßigen CYP3A-Induktoren die Dosierung nicht auf 9 mg zweimal täglich reduziert werden.
Die gleichzeitige Anwendung mit Pirfenidon reduziert die Exposition gegenüber Nerandomilast um etwa 50 Prozent. Bei Patienten, die Pirfenidon anwenden, beträgt die empfohlene Dosis 18 mg zweimal täglich; sie darf nicht auf 9 mg zweimal täglich reduziert werden. Die gleichzeitige Anwendung mit Nintedanib verändert die Exposition gegenüber Nerandomilast dagegen nicht.
Bei schwerer Leberfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz wird Nerandomilast nicht empfohlen.
Patienten mit Schluckbeschwerden können die Tabletten auch in ein Glas mit etwa 100 ml stillem Trinkwasser geben und etwa 15 bis 20 Minuten lang regelmäßig umrühren. Die entstandene Suspension müssen sie innerhalb von zwei Stunden nach dem Anrühren trinken. Das Glas sollte danach mit etwa 100 ml Wasser gespült werden; diese Flüssigkeit müssen die Patienten ebenfalls trinken, um die vollständige Einnahme der Dosis sicherzustellen.
Sehr häufig tritt unter Nerandomilast Durchfall auf, häufig sind Gewichtsverlust, verminderter Appetit, Übelkeit und Rückenschmerzen.
Frauen im gebärfähigen Alter sollen während der Behandlung eine Schwangerschaft vermeiden und zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden. Die Anwendung von Jascayd bei Schwangeren sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Das Stillen sollen Frauen während der Behandlung unterbrechen.
Mit Nerandomilast hat die Therapie fibrosierender Lungenerkrankungen einen interessanten Neuzugang bekommen. Ein Quantensprung ist der Wirkstoff sicher nicht. Auch er kann die Fibrose nicht rückgängig machen, sondern lediglich ihre Progression bremsen. Die vorläufige Einstufung lautet Schrittinnovation. Dafür gibt es mehrere Argumente.
PDE4-Hemmer gibt es mit Apremilast und Roflumilast bereits in anderen Einsatzgebieten. Ganz neu ist das Wirkprinzip also nicht. Die präferenzielle PDE4B-Hemmung bedeutet an dieser Stelle aber einen Schritt nach vorn und etabliert einen neuen Wirkmechanismus im zugelassenen Therapiegebiet. Positiv ist auch, dass Nerandomilast auf bestehende Therapieoptionen wie Pirfenidon und Nintedanib aufgesetzt werden kann.
Die Einstufung als Schrittinnovation ist auch mit Blick auf die Zulassungsstudien berechtigt. Beide Studien zeigten im primären Endpunkt eine signifikante Reduktion des Verlusts an forcierter Vitalkapazität (FVC) nach 52 Wochen im Vergleich zu Placebo. Wasser in den Wein kommt aber beim Blick auf den wichtigsten sekundären Endpunkt, der Exazerbation, Hospitalisierung und Tod umfasste: In beiden Studien wurde dieser nicht erreicht. Immerhin zeigte sich in beiden Studien aber eine numerische Reduktion der Mortalität. Weitere (Langzeit-)Daten gilt es abzuwarten.
Sven Siebenand, Chefredakteur