Ob mit einer lipidsenkenden Therapie der angestrebte LDL-C-Zielwert erreicht werden kann, kann mithilfe des prozentualen Senkungswerts des jeweiligen Medikaments ermittelt werden. Hochpotente Statine senken den
LDL-C-Wert im Durchschnitt um etwa 50 Prozent. Ezetimib kann den Wert zusätzlich um rund 20 Prozent reduzieren und Bempedoinsäure um etwa 23 Prozent. Durch die Kombination eines hochpotenten Statins mit Ezetimib lässt sich das LDL-Cholesterol insgesamt um bis zu 60 Prozent senken.
Um den potenziell erreichbaren LDL-C-Wert einer lipidsenkenden Therapie zu berechnen, wird zunächst der aktuelle LDL-C-Wert bestimmt. Dieser wird mit dem prozentualen Senkungswert des jeweiligen Medikaments multipliziert. Im vorliegenden Patientenfall bedeutet das Folgendes: Der LDL-C-Wert bei Aufnahme (ohne lipidsenkende Therapie) betrug 160 mg/dl, das LDL-C-Senkungspotenzial von Atorvastatin beträgt circa 50 Prozent.
⇒ 160 mg/dl × 0,5 = 80 mg/dl
Der LDL-C-Zielwert von 55 mg/dl wird somit nach vier bis sechs Wochen nicht erreicht. Durch die Hinzunahme von Ezetimib mit einem LDL-C-Senkungspotenzial von circa 15 bis 20 Prozent ergibt sich ein Gesamt-LDL-C-Senkungspotenzial von 65 Prozent.
⇒ 160 mg/dl × 0,35 = 56 mg/dl
Demnach kann im vorliegenden Patientenfall mit einer Kombinationstherapie von Atorvastatin 40 mg plus Ezetimib 10 mg theoretisch der LDL-C-Zielwert nach vier bis sechs Wochen erreicht werden.
Nach jeder Anpassung der lipidsenkenden Therapie müssen die Blutfettwerte nach vier bis sechs Wochen kontrolliert werden. Wurde der angestrebte LDL-C-Wert nicht erreicht, ist die Behandlung weiter zu intensivieren. Neben den Lipidparametern sollte zu Beginn und unter Therapie auch die ALT (Alanin-Aminotransferase) beziehungsweise GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase) zum Ausschluss von Leberwerterhöhungen als unerwünschte Arzneimittelwirkung und im Fall von Myalgien die Kreatinin-Kinase kontrolliert werden.
Eine weitere wichtige Säule der Sekundärprophylaxe sind Betablocker. Bei einem STEMI bewerten die Leitlinien den Einsatz in Abhängigkeit von der Pumpfunktion des Herzens. Belegt ist ein klinischer Nutzen für Patienten mit einer deutlich eingeschränkten linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF < 40 Prozent), einer Herzinsuffizienz oder bestimmten Begleiterkrankungen wie Vorhofflimmern.
Hingegen ist für STEMI-Patienten mit erhaltener LVEF und PCI der Nutzen einer langfristigen Betablocker-Therapie nicht eindeutig belegt. Es gibt somit keine starke Empfehlung für eine routinemäßige langfristige Therapie.
Im vorliegenden Fall muss daher im weiteren Verlauf geprüft werden, ob die Behandlung mit Bisoprolol fortgeführt werden soll. Eine kurzfristige Therapie über einige Wochen bis wenige Monate wird häufig praktiziert und ist vertretbar, ein gesicherter prognostischer Vorteil ist jedoch bislang nicht nachgewiesen. Die Entscheidung über eine dauerhafte Therapie sollte daher individuell unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und weiteren Indikationen getroffen werden.