Interprofessionelle Zusammenarbeit erhöht die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). / © Getty Images/chekat
Nach einem akuten Koronarsyndrom (ACS), zum Beispiel einem Herzinfarkt, spielt das Erreichen eines LDL-Zielwerts eine zentrale Rolle in der Sekundärprophylaxe. Laut aktuellen Leitlinien wird bei ACS-Patienten ein LDL-Zielwert von < 55 mg/dl angestrebt. Häufig wird stationär unmittelbar nach dem Indexereignis eine lipidsenkende Therapie etabliert. Gemäß Leitlinie soll der LDL-Wert ambulant nach vier bis sechs Wochen kontrolliert und die lipidsenkende Therapie bei Nichterreichen des LDL-Zielwertes durch Dosissteigerung oder Kombination von Lipidsenkern eskaliert werden.
Diese Empfehlungen werden zurzeit allerdings unzureichend umgesetzt. Ergebnisse einer aktuell laufenden Studie zeigen, dass der LDL-Zielwert nur von circa 25 Prozent der ACS-Patienten erreicht wird. Zudem fehlen aktuell konkrete Handlungsempfehlungen zur Etablierung und Eskalation von lipidsenkenden Therapien in Bezug auf die unterschiedlichen LDL-Senkungspotenziale der Lipidsenker.
Eine prospektiv kontrollierte Interventionsstudie der Apotheke des Klinikums Fulda gAG in Zusammenarbeit mit der Kardiologie und niedergelassenen Ärzten untersucht, inwiefern das Lipidmanagement bei ACS-Patienten sektorenübergreifend verbessert werden kann.
Für die Zusammenarbeit wurde ein Praxisleitfaden zum Lipidmanagement bei ACS-Patienten basierend auf Literaturdaten und den aktuell geltenden Leitlinien erstellt. Dieser soll zusätzlich in einer Schulung der niedergelassenen Ärzte im November 2026 mit ausgewählten Patientenfällen aus der aktuell laufenden Studie vorgestellt werden.
Der Praxisleitfaden fokussiert das Medikationsmanagement zur Verbesserung der LDL-Zielwerterreichung im ambulanten Sektor. Dargestellt werden unter anderem die prozentualen LDL-senkenden Effekte der verschiedenen Lipidsenker. Anhand dieser kann patientenindividuell eine ausreichend lipidsenkende Therapie etabliert werden.
Voraussetzung für eine suffiziente lipidsenkende Therapie ist allerdings, dass der Patient die verordneten Medikamente regelmäßig einnimmt. Die Adhärenz des Patienten kann stationär durch eine entsprechende pharmazeutische Entlassberatung gesteigert werden.