| Melanie Höhn |
| 28.10.2026 15:31 Uhr |
Die Ulmer »Mohren-Apotheke« schließt heute für immer. / © imago images/Jürgen Ritter
»Ich bin im Haus der Apotheke aufgewachsen. Es ist emotional nicht ganz einfach«, sagte Barbara Itschert-Warth im Gespräch mit der PZ am letzten Öffnungstag ihrer »Mohren-Apotheke«, die 1568 gegründet wurde. Ihr Ururgroßvater August Heiß übernahm den Betrieb 1873, seitdem war er in Familienhand. Die Apotheke wechselte im Laufe ihrer langen Geschichte mehrfach den Standort. Seit knapp 70 Jahren befindet sie sich am Ulmer Münsterplatz.
Die Apothekerin nennt vor allem den Personalmangel als Grund für die Schließung. Innerhalb eines Jahres seien vier personelle Ausfälle zusammengekommen. »Eine Person zu ersetzen ist schon schwierig, aber vier Personen zu ersetzen, ist geradezu unmöglich«, erklärte sie. Sie habe zunächst versucht, die Ausfälle aufzufangen. Als sich die Situation weiter verschärft habe, sei ihr jedoch klar geworden, dass sie den Betrieb nicht mehr aufrechterhalten könne. Gerade die Notdienste hätten die Lage zusätzlich erschwert.
Auch eine Nachfolge fand sich nicht. Als Einzelapotheke in der Ulmer Innenstadt habe sie es schwer gehabt, einen Käufer zu finden. In der Umgebung gebe es große Filialverbünde, gegen die eine einzelne Apotheke nur schwer bestehen könne. Hinzu komme das fehlende Personal. Die Schließung sei deshalb bereits seit rund einem Jahr geplant gewesen.
In mehr als 40 Berufsjahren hat die Ulmerin erlebt, wie sich die Aufgaben in der Apotheke verändert haben. Besonders gern erinnert sie sich an die Rezepturherstellung. »Das hat mir sehr viel Spaß und Freude bereitet«, erzählte sie. In der vergangenen Zeit hätten sie vor allem Medikationsanalysen begeistert, in dieses Thema habe sie sich intensiv eingearbeitet. Inzwischen sei die Apotheke für sie zunehmend eine »Arzneimittelabgabestelle« geworden.
Nach ihrem Pharmaziestudium in München begann Itschert-Warth, im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Zunächst in Teilzeit, auch wegen ihrer drei Kinder. Im Jahr 2005 übernahm sie die Apotheke von ihrem Vater. Die Liebe zum Beruf habe sie von ihrer Großmutter Marie Itschert-Heiß vererbt bekommen, berichtete sie rückblickend.