| Cornelia Dölger |
| 26.10.2026 12:50 Uhr |
»Vor-Ort-Apotheken können ihre Gemeinwohlaufgaben dauerhaft nur erfüllen, wenn sie auch weiterhin an der gesamten Breite der Arzneimittelversorgung beteiligt bleiben«, sagt der Leipziger Apotheker Mohammed Radman. / © privat
Er spüre in seiner Apotheke bereits seit Jahren einen Kundenrückgang, so Radman, Inhaber der Humanitas-Apotheke in Leipzig. In Gesprächen mit Kundinnen und Kunden erfahre er immer wieder, dass sie ihre Rezepte immer öfter bei Versandapotheken einlösten, und zwar, weil Doc Morris und Co. in Aussicht stellten, die Zuzahlungen zu erlassen oder zu erstatten. Oftmals würden auch Gutscheine für den OTC-Kauf angeboten. Die Problematik dürfte sich mit der geplanten deutlichen Erhöhung der Zuzahlungen noch einmal verschärfen, warnt Radman. Er befürchtet perspektivisch einen »existenzbedrohenden Rückgang der Kundenzahlen«.
Der Apotheker ärgert sich darüber, dass lokale Apotheken im Fall von Lieferengpässen dann doch zurate gezogen würden, wenn die Versandapotheke ein Präparat nicht liefern könne. In solchen Fällen kämen die Menschen dann in die Offizin und bäten, das benötigte Arzneimittel zu beschaffen. »Selbstverständlich« werde den Patientinnen und Patienten dann geholfen, auch wenn sie ihr Rezept bei einer Versandapotheke eingereicht hätten. Gegen die »zunehmende Wettbewerbsverzerrung« durch den Versandhandel gebe es mithin kein schlagkräftiges Mittel, so Radman auch mit Blick auf die paritätische Stelle.
Probate Mittel wären ihm zufolge allein ein Rx-Versandverbot sowie die verpflichtende Einziehung der Arzneimittelzuzahlungen durch die Krankenkassen selbst. Aus der Inkassopflicht entlassen zu werden, fordern die Apotheken schon lange. In seinem Brief an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) führt Radman seine Forderungen aus.
Einst sei er selbst überzeugtes Mitglied der CDU gewesen, schreibt er an den Christdemokraten. Die Überzeugung bröckelte demnach, als Linnemanns Vorgängerin und Parteikollegin Nina Warken beim Apothekertag 2025 in Düsseldorf einer sofortigen Fixumserhöhung eine Absage erteilte; eine Honorarerhöhung sei aufgrund der desolaten GKV-Finanzen zumindest kurzfristig nicht möglich, so die Begründung damals. Radman trat daraufhin aus der Partei aus. Dass später doch eine Anpassung kam, beschwichtigte ihn nicht. Die gestaffelte Erhöhung sei »nur halbherzig und mit erheblichen Abstrichen«, schreibt er.
Die um 50 Prozent erhöhten Zuzahlungen ab Januar stellten die Apotheken nun vor ein neuerliches existenzbedrohendes Problem. Versender würden mit der Aussicht, diese Zuzahlungen zu erlassen, auf Kundenfang gehen, beschreibt Radman. Diese konzentrierten sich bekanntlich auf den wirtschaftlich attraktiven Teil der Arzneimittelversorgung, ohne Beratung und Gemeinwohlaufgaben zu übernehmen.