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Akutes Koronarsyndrom
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Sekundärprävention auf vielen Ebenen

Nach einem akuten Koronarsyndrom kommt der Sekundärprophylaxe eine besondere Bedeutung zu. Dazu zählen neben einer konsequenten medikamentösen Therapie nicht medikamentöse Maßnahmen sowie Strategien zur Sicherung der langfristigen Therapieadhärenz.
AutorKontaktCarina Hohmann
Datum 01.11.2026  08:00 Uhr

Die koronare Herzkrankheit (KHK) gehört in Deutschland zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist wegen der akut lebensgefährlichen Komplikationen auch eine der häufigsten ­Todesursachen. Ursache ist in den meisten Fällen das ­Aufbrechen einer atherosklero­tischen Plaque in einer Herzkranz­arterie. Dadurch bildet sich ein Thrombus, der das Gefäß teilweise oder vollständig verschließt. In der Folge wird der Herz­muskel nicht mehr aus­reichend mit Sauerstoff versorgt und es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf.

Die akut lebensbedrohlichen ­Phasen der KHK werden unter dem Oberbegriff akutes Koronarsyndrom (ACS) zusammengefasst. Anhand der ­EKG-Befunde unterscheidet man Myokardinfarkte mit ST-Strecken-Hebung, sogenannte STEMI, und ohne ST-Strecken-Hebung, sogenannte NSTEMI. Diese beiden Formen des ACS weisen labordiagnostisch erhöhte Troponin-Werte auf. Die instabile Angina pectoris ist eine weitere Form des ACS, die ebenfalls durch eine akute Obstruktion einer Koronararterie charakterisiert ist, allerdings ohne einen Myokardinfarkt. Im EKG zeigt sich keine ST-Strecken-Hebung und die kardialen Troponine sind nicht erhöht.

Leitsymptom akuter Brustschmerz

Leitsymptom ist der akute Thoraxschmerz. Typisch ist ein starkes Druck- oder Engegefühl in der Brust (Angina pectoris), das in Arme, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen kann. Begleitend können Symptome wie Unwohlsein, Oberbauchschmerzen, Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit und Todesangst auftreten.

Bei Frauen sind die thorakalen Beschwerden weniger stark ausgeprägt als bei Männern, häufig haben sie zudem zusätzliche ­unspezifische Symptome. Infolge­dessen wird bei ihnen ein ACS oft erst später erkannt und diagnostiziert.

Bei Verdacht auf ein ACS ist das 12-Kanal-EKG in Ruhe (bereits prä­klinisch) der wichtigste diagnostische Schritt zur Beurteilung von Patienten. Anhand des EKG lässt sich zwischen STEMI und NSTEMI beziehungsweise instabiler Angina pectoris unter­scheiden.

Die weitere Diagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, internis­tische Untersuchung sowie die Be­stimmung der Vitalparameter und des hochselektiven kardialen Troponins. Bei Patienten mit ­Verdacht auf ein ACS, die einen kardio­genen Schock oder Anzeichen mechanischer Komplikationen aufweisen, wird zudem eine Notfall-Echokardiografie (Herzultraschall) empfohlen.

Bestätigt sich die Diagnose ACS, ist die perkutane Koronarintervention (PCI) Standard. Sie sollte bei Patienten mit einem STEMI so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von 120 Minuten, durchgeführt werden. Bei einem NSTEMI oder einer instabilen Angina pectoris richtet sich der Zeitpunkt nach dem individuellen Risiko des Patienten und erfolgt in der Regel innerhalb von zwei bis 24 Stunden.

Hinsichtlich des Risikos unterscheidet man zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren. Zu Letzteren gehören höheres Alter, männliches Geschlecht, genetische Veranlagungen wie ein erhöhter Lipoprotein(a)-Wert sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie. Beeinflussbare Risikofaktoren sind dagegen Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte (vor allem hohes LDL-Cholesterol führt zu Plaque-Ablagerungen), Diabetes mellitus, Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung und Übergewicht.

Im Folgenden werden die leitliniengerechte Sekundärprophylaxe und die Behandlung der kardiovaskulären Risikofaktoren anhand eines Patientenfalls (Kasten) erläutert.

Die Kasuistik beschreibt einen Patienten mit STEMI. Entscheidend ist in diesem Fall, frühzeitig eine optimale medikamentöse Sekundärprävention zu etablieren, kardiovaskuläre Risikofaktoren konsequent zu behandeln und geeignete nicht medikamentöse Maßnahmen einzuleiten. Ziel ist es, ­die Lebensqualität zu verbessern sowie Morbidität und Mortalität zu senken. Daher sollte mit der Sekundärpräven­tion so früh wie möglich nach dem akuten ­Ereignis begonnen werden.

Einheit Referenzwert 20.05. 21.05. 22.05.
Blutglucose mg/dl < 100 128
S-Kreatinin mg/dl < 0,9 0,8 0,8
eGFR (CKD-EPI) ml/Min > 90 101 101
Natrium mmol/l 130 – 150 137 141
Kalium mmol/l 3,5 – 4,8 4 4,2
Kreatinkinase U/l < 190 450 1152 638
CK-MB U/l < 24 68 165 68
hsTroponinT pg/ml < 14 242
Gesamtcholesterol mg/dl < 241 230
HDL-Cholesterol mg/dl > 65 42
LDL-Cholesterol mg/dl individuell 160
Triglyzeride mg/dl < 200 92
Lipoprotein (a) nmol/l < 75 34
HbA1C % < 6,5 5,9
TSH mU/l 0,27 – 4,2 2,43
Tabelle 1: Laborparameter des Patienten aus dem Fallbeispiel (Auszug)
Wirkstoff bei ­Aufnahme bei ­Entlassung Bemerkungen
L-Thyroxin 75 µg Tabl. 1-0-0 1-0-0
Amlodipin 5 mg Tabl. 1-0-0 (1-0-0) Pause bei Hypotonie
Ramipril 5 mg Tabl. 1-0-0 1-0-0
Bisoprolol 2,5 mg Tabl. – 1-0-0 Neu
ASS 100 mg Tabl. – 1-0-0 Dauerhaft
Prasugrel 10 mg Tabl. – 1-0-0 Für zwölf Monate,
bis 20. Mai des ­Folgejahres
Atorvastatin 40 mg Tabl. – 0-0-1 LDL-Ziel < 55 mg/dl
Ezetimib 10 mg Tabl. – 0-0-1 LDL-Ziel < 55 mg/dl
Tabelle 2: Medikation bei Aufnahme und Entlassung aus der Klinik
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