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Besondere Patientengruppe
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Muslime in der Apotheke

Nicht nur während des Ramadan haben Muslime besondere Beratungsbedürfnisse in der Apotheke. Ihr Umgang mit Krankheit und die Erwartungen an Arzneimittel sind durch andere kulturelle Einflüsse geprägt. Sprachliche Hürden können eine weitere Herausforderung im Apothekenalltag sein.
AutorKontaktChristiane Staiger
Datum 18.04.2021  08:00 Uhr

Risikostratifizierung mit Punktesystem

Neu in der Leitlinie ist die Risikostratifizierung der Patienten in drei Klassen anhand eines Punktesystems. Gegenüber der bisher gültigen starren Kategorisierung ermöglicht dies eine individuellere Risikoeinschätzung. In zwölf Kategorien werden Risikofaktoren mit Punkten bewertet. Wer zum Beispiel in den letzten drei Monaten vor dem Ramadan eine schwere Hypoglykämie oder ungeklärte diabetische Ketoazidose erlitten hat oder schwanger ist, erhält eine hohe Punktzahl. Auch Laborparameter, die bestehende Medikation oder die Länge der Fastentage in Abhängigkeit von der Jahreszeit werden bepunktet.

  • Patienten, die mehr als sechs Gesamtpunkte erreichen, werden mit sehr hohem Risiko eingestuft. Sie sollen nicht fasten.
  • Die nächste Kategorie umfasst Patienten einer Punktzahl von mehr als drei bis sechs. Sie haben nach Einschätzung der Leitlinienautoren ein moderates Risiko. Diese Patienten sollten ebenfalls nicht fasten und auf den ärztlichen Rat hören.
  • In die dritte Gruppe fallen Patienten mit einem geringeren Risiko und einer Gesamtpunktzahl zwischen null und drei, zum Beispiel bei einem gut eingestellten Typ-2-Diabetes. Für Personen, die die medizinischen und persönlichen Voraussetzungen dieser Kategorie erfüllen, sieht die Leitlinie das Fasten als sicher an. Sie sollen jedoch den Rat ihres Arztes befolgen. Dies kann im Einzelfall auch bedeuten, die religiösen Ausnahmeregeln in Anspruch zu nehmen.

Wichtig ist zudem die regelmäßige Blutzuckerkontrolle. Die Überprüfung des Blutzuckerspiegels bricht nicht das gültige Fasten, was viele Patienten fälschlich glauben. Im Gegenteil: Während des Ramadan sollten Diabetiker besonders intensiv ihren Blutzuckerspiegel messen (Grafik). Die Leitlinie empfiehlt feste Zeitpunkte: vor dem Morgenmahl (Sahur), im Lauf des Vormittags, zu Mittag (12 Uhr), in der Mitte des Nachmittags, vor der Abendmahlzeit (Iftar) sowie zwei Stunden nach dem Iftar. Zusätzlich muss immer dann gemessen werden, wenn sich Zeichen von Hyper- oder Hypoglykämie oder Unwohlsein zeigen.

Das Apothekenteam sollte gegebenenfalls rechtzeitig vor dem Ramadan eine Schulung zum richtigen Blutzuckermessen anbieten.

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