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Ramadan

Covid-Impfung ist kein Fastenbrechen

Heute beginnt der Ramadan. Forscher befürchten, dass das Fastengebot streng gläubige Muslime auch von der Covid-19-Impfung abhalten könnte – und fordern einen sensiblen Umgang mit dem Thema.
Daniela Hüttemann
13.04.2021  16:30 Uhr

Weltweit bekennen sich rund 1,9 Milliarden Menschen zum Islam. Für sie beginnt heute der einmonatige Fastenmonat Ramadan. Während dieser Zeit sollen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken – nichts soll den Körper durch die Körperhöhlen betreten. Daher schließen viele Muslime auch die Einnahme oraler Medikamente während des Tages für sich aus. Oft lässt sich hier gemeinsam mit Arzt und Apotheker eine Lösung finden. Insbesondere Diabetiker sollten sich beraten lassen.

Obwohl Mittel zur Injektion – wie die bisher verfügbaren Covid-19-Impfstoffe – nicht unter diese Regel fallen, stehen einem kürzlich veröffentlichten Brief im Fachjournal »The Lancet« zufolge manche Muslime weltweit einer Impfung tagsüber während des Ramadans skeptisch gegenüber. Noch nie seien Impfprogramme so dringend wie jetzt die Coronavirus-Impfkampagne gewesen, schreiben Sarah N. Ali, Wasim Hanif, Kiran Patel und Kamlesh Khunti im Namen der South Asian Health Foundation mit Sitz in Großbritannien. Während der Ebola-Epidemie in Westafrika vor rund fünf Jahren habe eine Studie in Guinea gezeigt, dass zwar 80 Prozent der befragten muslimischen Gelehrten die Impfung während des Ramadan für akzeptabel hielten, aber nur 40 Prozent der muslimischen Bevölkerung dieser Auffassung folgten.

Den Autoren zufolge liegen ähnliche Bedenken gegenüber der Covid-19-Impfung vor. Zum einen könne die Impfung selbst das Fasten brechen, zum anderen werden Nebenwirkungen befürchtet. Sie fordern die Gelehrten auf, den Gläubigen zu versichern, dass die Impfung nicht das Fasten bricht. Ein entsprechendes Statement des Präsidenten der Zwei Heiligen Moscheen in Saudi-Arabien, eines der Länder mit der strengsten Koran-Auslegung, liege vor und sollte die Bedenken aller Gläubigen ausräumen. Religiöse Anführer sollten in ihren freitäglichen Predigten Vorbehalte gegen die Corona-Impfung ansprechen und über Mythen aufklären.

Zudem schlagen die Autoren vor, Impftermine außerhalb der Fastenstunden anzubieten für alle, die aufgrund des Fastenbrechens zögern . Auch könne die Verimpfung in Moscheen zur Akzeptanz beitragen. Zuletzt erinnern sie daran: »Impfungen sind das beste Werkzeug, um der Welt zurück zu Normalität zu verhelfen und zu einer schrittweisen Rückkehr zum Feiern von Festen und zukünftigen Ramadanen.«

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