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Besondere Patientengruppe

Muslime in der Apotheke

Nicht nur während des Ramadan haben Muslime besondere Beratungsbedürfnisse in der Apotheke. Ihr Umgang mit Krankheit und die Erwartungen an Arzneimittel sind durch andere kulturelle Einflüsse geprägt. Sprachliche Hürden können eine weitere Herausforderung im Apothekenalltag sein.
Christiane Staiger
18.04.2021  08:00 Uhr

Eine besondere Zeit im islamischen Kalender ist der Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr am Abend des 13. April begonnen hat. Gläubige Muslime fasten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr sind während des Tages tabu. Auch die Einnahme oraler Arzneiformen bricht das Fastengebot. Zwar gibt es Ausnahmen, zum Beispiel für Schwache und Kranke, dennoch fasten viele Patienten, obwohl sie eine Ausnahmeregel ihrer Religion in Anspruch nehmen könnten. Ist die Sonne untergegangen, wird das Fasten unterbrochen.

Aufgrund des veränderten Tagesrhythmus treten immer wieder arzneimittelbezogene Probleme auf. So unterbrechen Patienten häufig ihre Medikation im Ramadan, ohne mit einem Arzt oder Apotheker Rücksprache zu halten. Andere nehmen die über den Tag zu verteilenden Arzneimittelgaben auf einmal ein oder lassen die Dosierungen während des Tages einfach weg. In vielen Fällen sind Medikationsfehler oder -ausfälle jedoch durch eine Dosisanpassung oder einen Präparatewechsel vermeidbar. Auf Darreichungsformen umzustellen, die das Fastengebot nicht verletzen, zum Beispiel Injectabilia anstelle von Peroralia, ist eine weitere Option.

Besonders achtsam sollten Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sein. Apotheker können sie beratend begleiten.

Neue Diabetes-Leitlinie

Im Januar 2021 erschien die aktualisierte Leitlinie »Diabetes and Ramadan: Practical Guidelines«, die in englischer Sprache von der International Diabetes Federation (IDF) in Kooperation mit der Diabetes and Ramadan (DAR) International Alliance herausgegeben wurde. Sie ist kostenlos verfügbar unter www.idf.org/guidelines/diabetes-in-ramadan. Die Leitlinie ist mit religiösen Instanzen abgestimmt und soll den Empfehlungen so zu mehr Durchschlagskraft im Alltag verhelfen.

Viele Empfehlungen der aus dem Jahr 2016 stammenden Vorgängerversion der Leitlinie wurden bestätigt (siehe Beitrag »Diabetes-Patienten: Sicher durch den Ramadan«). So gelten Glitazone, Glinide, Gliptine und GLP1-Rezeptor-Agonisten weiterhin als im Ramadan gut geeignete Antidiabetika, da das Risiko einer Hypoglykämie gering eingeschätzt wird. Für diese Arzneimittel ist keine Dosisanpassung erforderlich. Wohl aber müssen die Einnahmezeitpunkte an den Rhythmus des Fastenmonats angepasst werden.

Wer zum Beispiel außerhalb des Ramadan dreimal täglich Metformin einnimmt, soll die Morgendosis zum Morgenmahl (Sahur, siehe Glossar) schlucken. Die beiden weiteren Dosen werden zusammen zur Abendmahlzeit (Iftar) gegeben. Wer freisetzungsverzögertes Metformin anwendet, nimmt das Arzneimittel zum Iftar. Insulin-Sensitizer nimmt der Patient am besten zum Iftar oder Sahur ein.

Ihre kurze Halbwertszeit macht die Glinide zu einer gut für den Ramadan geeigneten Arzneistoffklasse. Die Einnahme erfolgt etwa 30 Minuten vor dem Essen. Die auf eine Drei-Mahlzeiten-Dosierung bezogene Tagesdosis kann in Absprache mit dem Arzt je nach Größe der Mahlzeiten reduziert oder auf zwei Dosen verteilt werden. Die Einnahme erfolgt dann vor Iftar und Sahur.

Gliptine sind ebenfalls eine attraktive Therapieoption für fastende Diabetes-Patienten, denn Studien zeigten für sie das niedrigste Risiko von Hypoglykämien während des Fastens. Eine Therapieanpassung im Ramadan ist nicht erforderlich.

Die Anwendung von SGLT-2-Inhibitoren im Ramadan empfiehlt die Leitlinie hingegen nur mit Vorsicht. Die Autoren sehen eine erhöhte Gefahr von Infektionen sowie für eine Ketoazidose aufgrund einer möglichen Dehydrierung, da der Wirkmechanismus der Gliflozine auf der Hemmung renaler Natrium-abhängiger Glucosetransporter beruht. Die Folge ist eine vermehrte Glucosurie. Wichtig ist, dass die Patienten auf eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr am Abend achten. Für ältere Menschen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Bluthochdruck oder bei Einnahme von Diuretika werden Gliflozine während des Fastens nicht empfohlen.

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