Auf einem Symposium der Bundesapothekerkammer am 15. Oktober steht das Thema Krisenresilienz auf der Agenda. / © Imago Images/avanti
Es gibt bereits eine AG Krisenvorsorge der Bundesapothekerkammer, die aktuell konkrete Forderungen an die Politik, aber auch Handlungshilfen für die Apotheken vor Ort entwickelt. Vor diesem Hintergrund wurden mehrere Anträge zu Krisenfestigkeit beim Deutschen Apothekertag in München am Donnerstag diskutiert. Die Intention der Anträge, dass Apotheken stärker einbezogen und dabei auch unterstützt werden, war dabei unstrittig.
Während die einen damit ein starkes Zeichen setzen wollen, warnten andere davor, die Arbeit der bestehenden AG mit zu kleinteiligen Anträgen konterzukarieren. Es bestand auf jeden Fall Diskussionsbedarf zu diesem wichtigen Thema. Während zwei Anträge angenommen wurden, gingen zwei weitere in den Ausschuss.
Im ersten angenommenen Antrag forderte der Landesapothekerverband Baden-Württemberg, die öffentliche Apotheken als systemrelevante Einrichtungen der Daseinsvorsorge finanziell und regulatorisch so vorzubereiten, dass ihre Funktionsfähigkeit unter außergewöhnlichen Belastungen wie Krieg dauerhaft gewährleistet ist. »Wir wollen gern Teil der Krisenvorsorge sein, das bedeutet aber auch, dass man uns als dezentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung unterstützen muss«, unterstrich Martin Braun, Präsident der Apothekerkammer Baden-Württemberg.
Die Begründung des Antrags war ausführlich und enthält unter anderem Punkte wie
»Wir werden diese ganzen Themen in der AG mitaufnehmen und Sie als BAK unterstützen, auch bei den Forderungen Richtung Politik«, versprach Maike Fedders, Apothekerkammer Sachsen, BAK-Vorstandsmitglied sowie Vorsitzende der AG Krisenvorsorge. »Wir sind schon weit in der Erarbeitung.« Sie verwies auf das anstehende Symposium der BAK am 15. Oktober, wo das Thema auf der Agenda steht.
In der Diskussion um den zweiten angenommenen Antrag sprach Konrad Mühmel, Apothekerkammer Sachsen, und Mitglied der AG, von einer zeitnahen Veröffentlichung. Die verschiedenen Krisenfälle seien einzeln zu betrachten. Sein Appell: »Setzen Sie diese Vorschläge und Arbeitshilfen dann auch in Ihren Kommunen um, geben Sie uns Feedback, was alltagstauglich ist und klären Sie, wer wofür zuständig ist.«
Im zweiten angenommenen Antrag hatte der Apothekerverband Westfalen-Lippe unter anderem gefordert, »mit Hochdruck ein All-Gefahren-Krisenkonzept zu erarbeiten, eine transparente und proaktive Risikokommunikation zu betreiben und somit die Apotheken vor Ort zu befähigen, ihren Beitrag zur Krisenvorsorge und Krisensicherheit zu leisten«. Es sollen neben der Arzneimittelversorgung Leistungen definiert werden, mit denen die Apotheken zur Resilienz des Gesundheitssystems und der Gesamtgesellschaft beitragen können. Und auch hier ging es um den Unterstützungsbedarf, auch finanziell.
Ein dritter Antrag zum Thema Krisenresilienz drehte sich ebenfalls um die wirtschaftliche Unterstützung der Apotheken zur Steigerung ihrer Resilienz. Die Landesapothekerkammer Hessen forderte darin die Bundesregierung auf, Apotheken wirtschaftlich durch Teilhabe am Sondervermögen »Infrastruktur« im Rahmen der Planung 2027 bis 2030 dabei zu unterstützen, die für Krise und Resilienz notwendige Infrastruktur aufbauen und stabil aufrechterhalten zu können. Dabei sollen insbesondere Stromversorgung, Kommunikation einschließlich Internet und Logistik im Fokus stehen.
Chrisitan Ude, Präsiden der Apothekerkammer Hessen, betonte, dass es wichtig sei, den wirtschaftlichen Teil beim Thema Krisenresilienz mitzudenken. Daniel Mädler von der Apothekerkammer Sachsen stört sich daran, dass sich auf das Sondervermögen beschränkt werde. »Am Sondervermögen teilzuhaben ist nicht ganz so einfach«, sagte er. »Wichtig ist, dass wir ein Signal setzen«, ergänzte Robin Brünn von der Apothekerkammer Hessen. Der Antrag wurde in den Ausschuss verwiesen.
Daran anschließend wurde der Antrag der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg zur Krisenresilienz in Krankenhausapotheken diskutiert. Für einen möglichen Krisenfall müssten die Bevorratungs- und Herstellungskapazitäten laut Antrag signifikant ausgebaut werden. Zudem seien die Verordnungs-, Kommunikations- und Dokumentationsprozesse so anzupassen, dass die Versorgung trotz möglicher Ausfälle bei Personal, Informationstechnologie, Energieversorgung, Reinraumtechnik oder Logistikdienstleistern krisenresilient und stabil bleibe.
Andreas von Ameln-Mayer von Apothekerkammer Baden-Württemberg bat eindringlich um die Unterstützung der Krankenhausapotheken, die ihren Versorgungsauftrag im Krisenfall massiv erweitern müssten. Dennoch müssten Krankenhausapotheken und öffentliche Apotheken gemeinschaftlich handeln: »Wir sind alle zusammen Apotheker«, sagte er.
Das Thema gehöre in die Arbeitsgruppe Krisenvorsorge, es schade jedoch nicht, diesem Antrag zuzustimmen und dem Thema die Bedeutung beizumessen, die sie auch verdiene. In einer knappen Abstimmung wurde der Antrag in den Ausschuss verwiesen.