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Symposium zur Krisenpharmazie
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»Risiken müssen wir annehmen«

Beim Symposium »Die Rolle der öffentlichen Apotheken in Krise, Spannungsfall, Krieg« sprach der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, über die Verantwortung der Zivilgesellschaft für ein resilientes Land.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 10.06.2026  11:30 Uhr

Das Land befinde sich nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Die Friedensdividende ist aufgebraucht. Es gelte also, das Eintreten unerwarteter Risiken mitzudenken, betonte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan. Sie seien längst Teil einer komplexen Lebensrealität, »das müssen wir auch annehmen«. In der Wachenburg im baden-württembergischen Weinheim sprach Schneiderhan beim von der Apothekerkammer Baden-Württemberg ausegerichteten Symposium »Die Rolle der öffentlichen Apotheken in Krise, Spannungsfall, Krieg« über »Resilienz als gesamtstaatliche Verantwortung«.

Im Ernstfall gelte es, die Überlebensfähigkeit von Staat und Gesellschaft abzusichern, um schnell ein Mindestmaß an Normalität zurückzugewinnen. Dazu bedürfe es auch lokaler Vorkehrungen, auch in der Gesundheitsvorsorge, so Schneiderhan. Die Infrastruktur müsse geschützt werden. »Das Land muss unter Druck handlungsfähig bleiben.«

Der General a. D. unterstrich die Bedeutung eines Dialogs zwischen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren; auch im Krisenfall müssten Netzwerke belastbar bleiben. Kennzeichen der Bedrohung sei, dass sie nicht auf die Eroberung von Territorien ziele, sondern darauf, mentale Räume zu besetzen, Misstrauen zu schüren, am Ende die Gesellschaft zu spalten. Entscheidend sei, wie widerstandsfähig Staat und Gesellschaft diesen Bedrohungen begegneten.

Die »Kultur der Selbstwirksamkeit«

Den gesellschaftlichen Zustand zwischen Krieg und Frieden gelte es zu realisieren, dafür bedürfe es einer »Kultur der Selbstwirksamkeit«, so Schneiderhan. Es sei nicht jemand anderes zuständig – Menschen müssten selbst Bedrohungen benennen, eigene Erwartungen artikulieren. Die Strukturen bräuchten eine Gesellschaft, die sich als Teil der Sicherheitsarchitektur des Landes verstehe. »Ohne mentale Stabilität gibt es keine Wehrhaftigkeit.«

Schneiderhan regte an, über den Begriff Staatsbürgerlichkeit nachzudenken. Das Grundgesetz berge einen ausführlichen Anteil an Grundrechten, deutlich weniger Grundrechtspflichten – dies aus berechtigten historischen Gründen. Allerdings, so Schneiderhan, brauche eine wehrhafte Demokratie auch wehrhafte Staatsbürger. »Was ist der Einzelne dem Staat eigentlich schuldig?«, gab Schneiderhan zu bedenken.

Die tägliche Nervosität in der Gesellschaft mache die Umsetzung eines Resilienzkonzepts schwierig. Gleichwohl sei Resilienz eine zentrale Herausforderung an die Gesellschaft, aber nicht zum Selbstzweck, sie könne auch nicht delegiert werden. »Wir brauchen die Räume der Begegnung und des Austauschs«, betonte Schneiderhan. Sicherheit beginne im Kopf, und es lohne sich für jeden, zur Resilienz des Landes beizutragen.

Braun: Das Land krisenfester aufstellen

In einem Grußwort betonte der Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, Kapitän zur See Michael Giss, die Bedeutung auch der Apothekerschaft für die Versorgung im Krisenfall. Die Streitkräfte bräuchten Amtshilfe von der zivilen Seite, entsprechend wichtig seien Gesundheitssystem, Sanitätswesen und Pharmazie. Giss skizzierte den »Operationsplan Deutschland«, einen Gesamtverteidigungsplan der Bundeswehr für Krisen-, Spannungs- oder Verteidigungsfälle.

Baden-Württembergs Kammerpräsident Martin Braun hob den Versorgungsauftrag der Apotheken hervor. Sie versorgten die Bevölkerung mit Arzneimitteln, sie arbeiteten für das Gemeinwohl, »das ist unsere Kernaufgabe«. Ob die Krise nun ein Stromausfall, eine Überschwemmung oder gar eine kriegerische Auseinandersetzung sei, sei dabei unerheblich. Dabei gehe es nicht um das »Schieben von Arzneimitteln über den HV-Tisch«; jedes Apothekenteam wisse, was der Versorgungsauftrag meine.

Schon während der Pandemie habe sich gezeigt, was passieren könne, wenn nur einfachste Dinge fehlten, der Nachschub stocke. Es gelte mithin, das Land im Schulterschluss mit anderen Heilberufen, mit der Bundeswehr, mit den Behörden krisenfester aufzustellen.

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